Atheismus in der Schweiz
«[…] die Kinder armer Eltern wurden durch Bestechung zum Christentum bekehrt; und nun versucht man, die armen Leute durch das Angebot medizinischer Hilfe zu bekehren. Es ist schimpflich und höchst verächtlich, Religion für weltlichen Gewinn zu verkaufen.» Anagãrika Dharmapãla, Bedeutender Vertreter der buddhistischen Revitalisierung, 1864-1933

Atheismus in der Schweiz

Für Einsteiger: «Einleitung zu atheismus.ch», Christen lesen bitte: «Zahlungspflicht für alle Christen», Letzte Änderungen: «Aktuelle Informationen»

Wahlempfehlung Piratenpartei März 2010: Winterthur und Bern

Die Piratenpartei der Schweiz setzt sich ein für eine liberale Gesellschaft ohne Zensur und ohne Überwachung. Viele Mitglieder der Partei sind jung, offen, immer auf der Suche nach neuen, zeitgemässen und besseren Lösungen. Daher setzen sich die meisten persönlich für die Trennung von Staat und Religion ein. Die Piratenpartei steht von ihrer freiheitsliebenden ungebundenen und modernen Ansichten her uns Atheisten am nächsten. Ihre Mitglieder wollen sich bewusst nicht in das typische Links-Rechts-Schema einordnen, sondern versuchen Probleme mit gesellschaftsliberalen, pragmatischen und vernünftigen Ansätzen in offenem Diskurs zu lösen. Sie setzen sich ein für ein Datenschutz, Bildung, unzensiertes Internet, freien Zugang zu Wissen und Kultur. Sie wehren sich gegen Zensur, Panikmache, Überwachung und Restriktionen.

Daher empfiehlt atheismus.ch für die Gemeinderatswahlen am 7. März 2010 in Winterthur die Liste 11 der Piratenpartei unverändert einzulegen. Ebenso empfiehlt atheismus.ch für die Berner Grossratswahlen am 28. März 2010 die jeweilige Liste der Piratenpartei unverändert einzulegen.

Mehr zum politischen Programm der Piratenpartei steht in ihrem Parteiprogramm: http://piratenpartei.ch/parteiprogramm.

Mehr zu Wahlen, an denen sich Piraten beteiligen: http://wahlen.piratenpartei.ch

Missionierung statt Hilfe

Der Tagesschau Beitrag

Zum fünften Jahrestag der grossen Tsunamiwelle in Südostasien brachte das Schweizer Fernsehen am 26.12.2009 einen kritischen Bericht zu den fragwürdigen Leistungen der Hilfswerke auf der Thailändischen Insel Koh Pratong1)

Ein Ethnologe namens Oliver Ferrari sagt in dem Beitrag: «Die Einheimischen sagen, das schlimmste war nicht der Tsunami, sondern all die Hilfsorganisationen, die danach auf die Insel strömten. Sie nennen dies sogar den zweiten Tsunami.» (50"-1'). Dann wird eine Bauruine gezeigt, mit dem Kommentar: «Oder an diesem Ort hier sind die Bewohner gar von einer christlichen Hilfsorganisation geflohen, damit sie ihren ursprünglichen Glauben weiter leben dürfen.» Darauf sagt der wiederum der Ethnologe: «Die Missionare haben die Hälfte des Dorfes zum Christentum bekehrt und ihnen verboten, ihren Ahnenkult weiter zu leben. Sie verboten einfach alles, was nicht dem Christentum entspricht, sogar Amulette zu tragen.» (1'19"-1'45")

Machtmissbrauch durch Hilfswerke

Dieses Beispiel zeigt in aller Deutlichkeit, dass helfen nicht einfach ein Akt der Nächstenliebe ist. Helfen bedeutet Macht, und gerade von Hilfswerken, die sich deutlich zum Christentum bekennen, wird diese Macht schamlos ausgenutzt, um den Menschen nicht zu helfen, sondern sie von ihrem traditionellen Glauben abzubringen und zum Christentum zu bekehren.

Politische Forderung

Darum fordert atheismus.ch schon lange, dass Glaube und Hilfeleistungen nicht vermischt werden dürfen. Dies führt insbesondere zu der konkreten politischen Forderung, dass Kirchen in der Schweiz vom Staat keinerlei soziale Aufgaben mehr übertragen werden dürfen, und dass soziale Leistungen ausschliesslich vom Staat in weltanschaulich neutraler Form erbracht werden sollen.

Dies führt in der Konsequenz dann auch dazu, dass die Kirchensteuer für juristische Personen abgeschafft werden muss, welche in einigen Kantonen (z.B. Zürich) erhoben wird, und die ohnehin dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit widerspricht. Ebenso abgeschafft gehören jegliche weiteren Zuwendungen an die Kirchen, auch das staatliche Eintreiben der Mitgliederbeiträge (Kirchensteuern).

Stattdessen könnte man eine Sozialsteuer in der gleichen Höhe einführen. Damit kann der Staat die Leistungen übernehmen, die nur ihm zustehen, um für alle Menschen in der Schweiz die notwendigen sozialen Leistungen zu erbringen, unter demokratischer Kontrolle und unabhängig von Religion.

Einige fragwürdige Missionswerke

Leider hat das Schweizer Fernsehen den Namen des «Hilfswerks» nicht genannt. Allerdings gibt es sehr viele «Hilfswerke», welche christliche Mission und die Verbreitung des Evangeliums als wichtigen Daseinszweck erachten.

Ein Beispiel für ein angebliches Hilfswerk, welches seine Gelder für Missionszwecke missbraucht, ist die Organisation Latin Link. Diese vermittelt beispielsweise in einem «Lehrbuch» für Hörgeschädigte ausschliesslich christliche Begriffe. Wenigstens macht sie in ihrem Internetauftritt keinen Hehl daraus, dass die christliche Mission ihr Hauptzweck ist.

Ein weiteres Missionswerk, das sich als Hilfswerk tarnt, ist das HMK. «Hilfe» bedeutet für das HMK z.B. in Ägypten: «Ausbildung für Evangelisation und Gemeindebau unter Moslems.»

Bekannter, aber nicht weniger fragwürdig ist die «Heilsarmee», die sich gerne als «Hilfswerk» verkauft, aber es als ihren Auftrag ansieht, «das Evangelium von Jesus Christus zu predigen».

ZEWO und Warnung vor dem «SEA Ehrenkodex»

Spendern sollten generell einer unbekannten Organisation kein Geld geben und vor jeder Spende genau abklären, wer hinter der Organisation steht, was sie vertritt, welche Referenzen sie hat, und allenfalls ob sie ein ZEWO Zertifikat tragen darf. Ein ZEWO Zertifikat ist zumindest ein Hinweis darauf, dass das Hilfswerk unabhängig geprüft wurde und ihre Hilfe nicht von weltanschaulichen Eingeständnissen abhängig macht.

Die oben genannten Missionswerke erhalten kein ZEWO Zertifikat. Darüber hat sich der hier gesperrte Nutzer HJP auf mittlerweile insgesamt zehn Internetseiten ereifert. Das zeigt wenigstens, dass dieses Siegel zumindest eine minimale Qualität garantieren kann.

Eine Organisation hingegen, die auf den SEA Ehrenkodex verweist, ist kein Hilfswerk, sondern eine Missionierungswerk von christlichen Extremisten. «SEA» bedeutet nichts anderes als «Schweizerische Evangelische Allianz» und wurde gegründet, weil die ZEWO für ihr Gütesiegel weltanschauliche Neutralität verlangt.

Spenden ist nicht helfen

Wie aber obiges Beispiel zeigt, sollte man mit Spenden und vermeintlichen Hilfeleistungen durch Geld anonymisiert über eine Hilfswerke sehr vorsichtig sein. Letztlich sind Hilfswerke auch Organisationen, die vom Elend leben und auf das Elend angewiesen sind. Jede Hilfe ist auch immer eine Einmischung, die ganz andere Auswirkungen zeigen kann, als vom Spender eigentlich gewollt. So kann es durchaus sein, dass eine Hilfsorganisation durch ihre Hilfe an die Bevölkerung eine langfristige Abhängigkeit erzeugt und dabei vielleicht sogar ein diktatorisches Regime stützt, weil dieses sich letztlich durch die fremde Hilfe seine Macht erhalten kann und weniger um das eigene Volk kümmern muss. Gute Hilfe muss Hilfe zu Selbsthilfe sein, die in Ländern erfolgt, wo ein minimaler politischer Pluralismus gewährt wird.

Es ist vermessen zu glauben, man könne gesellschaftliche und politische Probleme eines fremden Landes durch simple Überweisung auf ein Spendenkonto, oder gar durch Einmischung von aussen über Hilfsorganisationen lösen. Das Beste, was wir tun können ist zuerst einmal selbst vorzuleben, was gute Demokratie und Solidarität im eigenen Land ausmacht, bevor man beginnt sich in fremder Leute Probleme einzumischen.

· 2009/12/30 18:18 · mrw · 2 Kommentare

Annahme der Minarettinitiative

Stellungnahme von http://atheismus.ch zur Annahme der Minarettinitiative.

Wie die Diskussion im Forum von http://atheismus.ch gezeigt hat, wird die Minarettinitiative von uns Atheisten mehrheitlich abgelehnt. Dies nicht etwa weil wir den fundamentalistischen Islam unterschätzen würden, oder weil uns der Zwang zu Kopftuch und Burka gleichgültig wäre, sondern weil dies unserer Ansicht nach das falsche Mittel ist, um der Vernunft zum Sieg zu verhelfen. Ein Minarettverbot richtet sich nicht gegen den religiösen Fundamentalismus, es richtet sich einseitig gegen eine einzige Religion.

Wir Schweizer Atheisten hoffen nun, dass eine Mehrheit der Ja-Stimmenden dies aus lauteren Motiven tat, nicht um in einen Religionskrieg zwischen Christen und Moslems zu schüren, sondern um den fundamentalistischen Kräften im Islam eine Abfuhr zu erteilen. Nicht um die Schweiz als «christliches Hoheitsgebiet» zu verteidigen, sondern um Auswüchsen wie der Verweigerung von Schwimmunterricht und der Erniedrigung der Frau eine Abfuhr zu erteilen.

Die Zukunft wird zeigen, ob diese Abstimmung ein Fortschritt im Kampf um Freiheit und Aufklärung sein wird, oder ein Rückschritt im Sinne derer, die sich den Islam als Vorwand nehmen, um Terrorangst zu schüren und uns im Namen eines Kriegs gegen den Terrorismus, der in Wahrheit ein Krieg gegen unsere aufgeklärte und freie Zivilgesellschaft ist, uns Schritt für Schritt unserer Freiheit berauben wollen.

Blicken wir nach vorn, und nehmen wird das Abstimmungsresultat als Aufgabe, unsere Freiheit zu verteidigen und Fundamentalismus in allen Religionen, nicht nur dem Islam, die Rote Karte zu zeigen. Die Zukunft gehört einem Zusammenleben in Vernunft und Toleranz auf der Basis menschlicher und menschengerechter Werte.

Atheisten gegen Gottglaube

Diese Meldung wird laufend aktualisiert (siehe unten).

Ablauf

21.09. «Atheisten kämpfen mit Plakaten gegen Gott»

Am 21.09.2009 erschien in 20-Minuten schweizweit prominent auf der Titelseite ein Vorababdruck des Plakats der Freidenker-Buskampagne veröffentlicht. Die Überschrift lautet: «Atheisten kämpfen mit Plakaten gegen Gott», was natürlich nur zum Teil richtig ist. Tatsächlich kämpfen wir Atheisten gegen den Gottglauben, einen Gott, gegen den man kämpfen müsste, gibt es ja bekanntlich nicht.

21.09. Güllen in Luzern

Trauriger Anlass für diese bevorzugte Behandlung war der «Leiter Stadtraum und Veranstaltungen» von Luzern, der offenbar eigenmächtig entscheiden konnte, dass «Plakate einer Organisation, die zum Kirchenaustritt animiere» dort nicht geduldet würden. Es stellt sich die Frage, ob eine solch willkürliche Diskriminierung rational denkender Menschen überhaupt (menschen-) rechtlich zulässig ist. Dies erinnert sehr an Dürrenmatts «Besuch der alten Dame», wo sich das Dorf Güllen über das Recht erhebt. Jedenfalls sichern uns solch intolerante Fundamentalisten einen unbezahlbaren prominenten Platz auf der Titelseite von 20-Minuten, und nochmals einen für einen grösseren Artikel im Bereich Schweiz auf Seite 9. Dafür müssten wir Rico de Bona eigentlich dankbar sein, wenn es nicht eben gerade seine intolerante Haltung wäre, die solche Werbeaktionen erst notwendig macht. Zeigt uns doch die Ablehnung der atheistischen Werbung, erst für die Busaktion und nun auch für die Plakate, wie intolerant das Christentum ist, und wie wichtig es ist, dass wir für unsere Freiheit vor Religion einstehen und darum kämpfen. Selbst nach fünfhundert Jahren Humanismus und Aufklärung gibt es noch Christen, die nicht reif sind für die fundamentalsten Menschenrechte, wie eben die Religionsfreiheit, welche die Freiheit vor Religion mit beinhalten muss. Noch immer gibt es Christen, welche die Diktatur der Kirche wiedereinführen würden, hätten sie nur die Macht dazu. Erstaunlich ist, dass die CVP noch heute solche Elemente in ihren Reihen toleriert. Letztlich kann und darf es nicht sein, dass diejenigen, die an einer bestimmten Position in der Verwaltung sitzen, ihre Entscheide willkürlich basierend auf ihrer persönlichen Meinung fällen. Darum hat Religion in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, sie hat Privatsache zu sein. Zu danken ist dem Luzerner SP Grossstadtrat David Roth, welcher durch seine Interpellation für Ordnung und Gerechtigkeit sorgen will.

21.09. Erste Erfolge

Immerhin kann die Kampagne bereits erste Erfolge verzeichnen: In Bern, St.Gallen und Luzern ist nun im öffentlichen Verkehr nur noch religiös neutrale Werbung zugelassen. Zuvor haben allerdings christlich-fundamentalistische Terroristen den Luzerner Verkehrsbetrieben (VBL) gedroht, Busse anzuzünden, sollten darin die freidenkerischen Plakate hängen. Dies, nachdem bereits die vorhergehende Aktion für etliche Diskussionen gesorgt hatte. Unsere Ziele sind von daher vielfältig: Zum einen wollen wir die Bevölkerung darauf aufmerksam machen, dass Gottlosigkeit nicht nur eine Option ist, sondern ethisch weit über jeder Religion steht. Zum andern sind solche Aktionen auch immer ein Kampf um Toleranz und Meinungsäusserungsfreiheit, denn öffentlich zu seinem Weltbild zu stehen ist nicht ein Privileg der religiösen Extremisten. Und schliesslich wäre unser liebstes Ziel eine allgemeine religiöse Abrüstung. Und letzteres Ziel haben wir nun immerhin teilweise bereits erreicht, und ausserdem wurden einige gesellschaftliche Diskussionen losgetreten. Dies interessanterweise obschon der Plakattext sehr viel harmloser ist, als sich etliche Atheisten wünschten.

23.09. Kampf um Menschenrecht

Mittlerweile gibt es eine Umfrage auf 20-Minuten zum Thema Meinungsäusserungsfreiheit und Trennung von Staat und Religion.

20-Minuten veröffentlicht einige Reaktionen zur Umfrage. Der Maulkorb gegenüber den Freidenkern stösst allgemein auf Unverständnis.

25.09. Luzern gibt nach

20-Minuten berichtet auf im Bereich Schweiz auf Seite 8 über eine Medienmitteilung der Stadt Luzern, derzufolge die Plakate der Freidenker nun doch aufgehängt werden dürfen. Doch leider steckt auch hier der Teufel (wenn es einen gäbe) im Detail. Es sind ausgerechnet die Vertreter der katholischen und reformierten Kirche, welche gnädigerweise in diesem Fall feststellen, dass ihre «religiösen Gefühle» nun doch nicht so schwer verletzt seien. Schlimmer noch, der Stadt Luzern schreiben sie, jeder dürfe seine Meinung äussern, «solange er andere dabei nicht angreife.» Selbstverständlich gehört zur Meinungsäusserungsfreiheit auch, dass man andere Meinungen angreifen kann, auch wenn sich diese unter dem Deckmäntelchen «Religion» verstecken. Der Blick titelt denn auch: «Kirchen erteilen gottlosem Plakat den Segen» — so weit sind wir also schon! Es ist absolut grauenvoll und widerlich, wie hier wiederum der Staat in einem Ausmass mit den die Kirchen verbandelt ist, dass letztlich die Kirchen selbst entscheiden dürfen, wer sie wie kritisieren darf! Dies ist unerhört und stellt unseren demokratischen Rechtsstaat in Frage. Wenn die Kirchen definieren dürfen, ob und wieweit man sie öffentlich kritisieren darf, dann nähern wir uns einem Gottesstaat nach iranischem oder saudischem Vorbild.

Letztlich ist die AGP eine Monopolistin. Daher ist es umso wichtiger, dass sie ungeprüft alles aufhängt, was nicht eindeutig rechtswidrig ist, und niemand hat da Zensur auszuüben. Insbesondere ist es absolut falsch, auf religiöse Wehleidigkeiten Rücksicht zu nehmen. Religionen sind nur darum so empfindlich, weil ihr Fundament einer kritischen Überprüfung niemals standhalten könnte. Weil aber viele Menschen den Religionen vertrauen, ja ihr ganzes Leben darauf aufbauen, ist es umso wichtiger, sie öffentlich härtester Kritik auszusetzen. Wenn das zur Folge hat, dass das Christentum weiter aus der Gesellschaft entschwindet, so ist das zu begrüssen, schafft es doch den notwendigen Raum für die Ideen der Aufklärung, der Wissenschaft, des Humanismus und der Menschenrechte, welche die Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen ins Zentrum stellen, ihm die Verantwortung über sein Leben in die eigenen Hände geben, ihn von der künstlich erzeugten «Sündenlast» und vom Diktat eines alles kontrollierenden Gottes (und seiner mächtigen Kirchen) befreien. Mann soll sich gegen diesen Fortschritt nicht sperren, sondern vielmehr die neu gewonnene Freiheit aktiv gestalten.

02.10. Nun spinnt Zug

Nachdem nun Luzern zur Vernunft zurück gefunden hat, wenn auch mit äusserst fragwürdiger Argumentation, probt nun gemäss 20-Minuten die Stadt Zug den Aufstand. Interessanterweise hatte niemand die äusserst fragwürdigen «Agentur-C»-Plakate verboten, nun aber, wo diese gekontert werden sollen, fühlen sich die Christen beleidigt. Welche Aussage ist wohl beleidigender, der Anspruch der Christen: «Mein Gott wird Dich und alle Ungläubigen ins ewige Feuer der Hölle werfen» oder die schlichte Replik der Atheisten: «Dein Gott ängstigt uns nicht, denn es gibt ihn nicht!» — Welche der beiden Aussagen ist denn nun wirklich verletzend und beleidigend?

Die Religiösen sind darum so empfindlich, weil ihre Religion auf keiner rationalen Grundlage beruht und weil die Vernunft, das Nachdenken darüber, ihre Religion sofort hinweg fegen würde. Aber das gibt ihnen noch lange nicht das Recht, ihr Weltbild über das unsrige zu stellen, im Gegenteil. Wenn man einsieht, dass etwas so falsch ist, dass es keinerlei Kritik widerstehen kann, sollte man die falsche Vorstellung fallen lassen, nicht die Kritik daran unterbinden!

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, welche im Rahmen des Anstands liegen: Jegliche religiöse Werbung wird verboten, oder auch Plakate von Atheisten werden aufgehängt. Wenn diese minimale Anforderung nicht erfüllt wird, gibt es künftig keinen Grund mehr, die Plakate der «Agentur-C» weiter zu dulden! Es würde mich freuen, wenn es Personen gäbe, welche die Plakate der «Agentur-C» mit Plakaten der Freidenker überkleben würden. Wo die Meinungsäusserungsfreiheit völlig willkürlich und ungerechtfertigt dermassen eingeschränkt wird, müssen wir alle für unsere Freiheit kämpfen. Freiheit ist ein Gut, dass immer wieder neu verteidigt werden muss, und das offenbar von den religiösen Fanatikern, zu denen offenbar etliche unscheinbare gewählte Politiker und Beamte gehören, noch immer nicht als selbstverständlich angesehen wird.

Der einzige Vorteil an dieser Geschichte ist, dass nun klar wird, dass «Nächstenliebe» und «Toleranz» auch für vermeintlich gemässigte Religiöse reine Lippenbekenntnisse sind. Klares Fazit: Es ist wichtig, dass Religion entlarvt wird! Es ist wichtig, dass Religion angegriffen wird! Es ist wichtig, dass Religion lächerlich gemacht wird! Es ist wichtig, dass Religion noch immer aktiv bekämpft wird! Religion bedroht unsere Freiheit noch immer, selbst mitten in der Schweiz im Jahre 2009 o.W.Chr.1).

Nachtrag: Die Stadt Zug hat ihren ablehnenden Entscheid in eine «Empfehlung zur Ablehnung» an die APG umgewandelt. Die Plakate hängen nun auch in Zug.


plakat-fvs-kein-gott.jpgtages-anzeiger-20091004-zug-cartoon.jpg

1) o.W.Chr. = ohne Wiederkehr Christi
· 2009/09/21 13:20 · mrw · 3 Kommentare

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