Gewaltsame «Nächstenliebe»
Wie wenig Nächstenliebe im Christentum tatsächlich bedeutet, zeigen unter anderem auch die unzähligen Fälle von Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Prügelstrafen und Erniederigung rund um kirchliche Einrichtungen. Andauernd kommen neue Fälle ans Licht. Vor allem die katholische Kirche hat dadurch, und durch ihre Vertuschungsstrategie jegliche Glaubwürdigkeit und moralische Kompetenz längstens verloren. Unter anderem auch darum fordert atheismus.ch, dass soziale Dienste nie und nimmer vom Staat an Kirchen übertragen werden dürfen.
In Österreich, wo vor einigen Jahren besonders schlimme Missbrauchsfälle ans Tageslicht gekommen sind, planen nun Missbrauchte Opfer der Kirchen die Gründung eines Netzwerks, um ihrem Anliegen mehr Gehör zu verschaffen.
In der Telepolis erschien dazu der folgende Artikel:
«Tausende Priester sind Kinderschänder»
Nun will der Österreicher Michael Tfirst zusammen mit einigen anderen Missbrauchsopfern eine Zweigstelle des Survivors Network of those Abused by Priests gründen, mit der Kirchengeschädigte in seinem Heimatland eine stärkere Stimme bekommen sollen. Deren juristische Aufarbeitung wird seiner Ansicht nach auch durch Netzwerke verhindert: Weil viele hochrangige Persönlichkeiten in Politik, Polizei und Justiz nicht nur fest in der katholischen Kirche verwurzelt sind, sondern häufig auch die gleichen Internate besuchten wie der Klerus, gibt es laut Tfirst besondere Rücksichtnahmen, die dazu beitrugen, dass es in der Alpenrepublik einen Aufarbeitungsrückstand gibt. Kirtikt übt Tfirst unter anderem deshalb, weil die aussergerichtlichen Einigungen mit Missbrauchsopfern Klauseln enthalten, in denen sich die Geschädigten unter Androhung der Zahlung erheblicher Vertragsstrafen zum Schweigen verpflichten sollen. Gefordert werden nun Entschädigungsleistungen. Aufbringen sollen das Geld dem Opferverband zufolge vor allem die katholische und die evangelische Kirche, in deren Heimen der Löwenanteil der in den letzten Jahren ans Licht der Öffentlichkeit gelangten Vorgänge geschah.
Eine besonders gravierende Serie von Missbrauchsfällen ist kürzlich in Irland aufgedeckt worden. Es handelt sich beim Kindemissbrauch durch die Kirchen nicht etwa um Einzelfälle, viel mehr steckt dahinter eine grausige Systematik.
Hierzu berichtete Telepolis im Mai:
Wozu das Zölibat taugt?
Zehntausende Kinder in Irland sind sexuell, körperlich und emotional missbraucht worden - von Nonnen, Pfarrern (d.h: von katholischen «Priestern») und anderem Personal der (katholischen) Kirche. Und das über Jahrzehnte hinweg. Jeweils in Internaten, Schulen und Wohnheimen, die in erster Linie für die Kinder der Armen, für die Verwundbaren und Unerwünschten hätten Sorge tragen sollen. Das erfährt man aus einem 2.600-Seiten-Report, der soeben in Dublin erschienen ist.
Vor einigen Jahren hat sich die katholische Kirche in den VSA durch ihre Kindesmissbrauchsfälle an den Rand des Ruins getrieben:
Das Schweinen der Hirten
Die umfassendste Untersuchung über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, die es je gab.
Der einzige Lichtblick für Humanismus, Moral und Anstand in der Gesellschaft, ist die Tatsache, dass die Menschen in Scharen aus den Kirchen austreten und die Religiosität in Europa konstant abnimmt:
In ganz Europa geht es seit Jahrzehnten mit der Religiosität bergab
Die Zahl der Religiösen schwindet, aber bevor die Nichtreligiösen die Mehrheit bildet, wächst die Zahl der «fuzzy» Christen, für die Religion kaum mehr eine Rolle spielt
Unser Kirchanaustrittsbriefgenerator jedenfalls wird rege genutzt.
Diskussion
"Wie wenig Nächstenliebe im Christentum TATSAECHLICH BEDEUTET, zeigen unter anderem auch die unzähligen Fälle von Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Prügelstrafen und Erniederigung rund um kirchliche Einrichtungen."
Ich bin mit dem ganzen Artikel einverstanden, ausser mit dem ersten Satz. Die verabscheuungswürdigen Dinge, die im Artikel beschrieben sind, zeigen nicht "wie wenig Nächstenliebe im Christentum bedeutet" , sondern zeigen, wie schwach Menschen sind, die sich als Christen bezeichnen und wie oft es ihnen nicht gelingt, die Ideale ihres Glaubens zu leben. Bei Reisen in Afrika und auch in der Arbeit mit Benachteiligten Menschen in der Schweiz habe ich an trostlosen Orten oft nur christliche Institutionen gefunden, die sich hingebungsvoll um die Menschen kümmern. Es gelingt sicherlich vielen Christen die Nächstenliebe zu leben, aber es gelingt sicherlich auch vielen Christen nicht, Nächstenliebe zu leben, wie im Artikel eindrücklich und beschämend beschrieben wurde. Die Aussage zu Beginn dieses Textes ist nach meiner Meinung aber eine extreme und polemische Vereinfachung der Realität. Da der Text das Wort "tatsächlich" braucht, finde ich , sollten Tatsachen nicht zu sehr vernachlässigt werden. Es ist die Rede "vom Christentum". Dies schliesst jeden Christen auf der Welt ein und zu behaupten, dass bei allen 2 Milliarden Christen auf der Welt "Nächstenliebe tatsächlich wenig bedeutet", scheint mir etwas "zu sehr von oben herab". 2 Milliarden Menschen kollektiv und objektiv zu verurteilen erscheint mir als eine Aufgabe, die den Autoren des Textes evtl. überfordern könnte.
Hier gehen Wahrnehmung und Wirklichkeit aneinander vorbei. Viele meinen, «Nächstenliebe» sei eine christliche Eigenschaft. Vielleicht ist sie das tatsächlich auch, hat nicht Jesus selbst zur Nächstenliebe aufgerufen? Doch genauso hat Jesus zum Hass gegenüber den Abtrünnigen aufgerufen, denen er einen Mühlstein um den Hals binden wollte, um sie im Brunnen zu versenken. Jesus grenzt hier klar ab zwischen denen, die zur Gruppe gehören und denen, die ausgeschlossen sind. Wer nicht zum Christentum gehören will, dem droht er mit ewigen Höllenqualen. Und diese Ambivalenz zieht sich bis heute hin: Der Hilfsbereitschaft innerhalb der Gemeinde steht Hass und Verfolgung von Abweichlern gegenüber. Dies ist eine inhärente christliche Eigenschaft, welche eben gerade bei der Misshandlung Schutzbefohlener wieder zum Vorschein kommt.
"Wer nicht zum Christentum gehören will, dem droht er mit ewigen Höllenqualen."
Dieses "Drohen" von Jesus verwandelt sich in ein gutgemeintes "Warnen" falls seine Sicht der unsichtbaren Dinge stimmt. Eine Drohung ist das Reden über Konsequenzen nach dem Tod erst, falls er damit falsch liegt. Der Beweis ist noch nicht erbracht, dass sich Jesus Christus so fundamental geirrt hat und dass unsere Handlungen nach dem Tod keine Konsequenzen haben. Aus atheistischer Sicht bin ich aber vollkommen einverstanden mit dem vorangegangenen Kommentar. Ich kann nur dagegen sagen: "Und wenn es doch wahr wäre?"
Und wenn die Mafia einem Ladenbesitzer Schutzgeld abpresst, so ist das auch kein «Drohen», sondern nur eine gut gemeinte «Warnung».
Falls es einen Gott und eine Hölle geben würde, so wäre ja wohl auch Gott dafür verantwortlich, denn ohne zumindest seiner Zustimmung wäre die Existenz einer Hölle nicht möglich (zumindest nicht, wenn er allmächtig ist was ja behauptet wird). Auch ist es dieser Gott, der angebliche Vater von Jesus, welcher entscheidet, welche Menschen er in den Himmel einlässt und welche er in die Hölle wirft.
Und damit ist Dein Einwand einfach nur undurchdacht. Bitte einfach nur den Verstand einschalten, dann entschwindet der Glaube von selbst.
Und wenn die Mafia einem Ladenbesitzer Schutzgeld abpresst, so ist das auch kein «Drohen», sondern nur eine gut gemeinte «Warnung».
—— Der Vergleich hinkt völlig. Jesu Warnung, die ich anspreche dient dem Menschen dazu Erfüllung zu finden. Sie ist lebensbejahend. Du kannst sie vergleichen mit einem Vater, der sein Kind davor warnt über die Strasse zu laufen, wenn ein schwerer Lastwagen angefahren kommt. Mit egoistischen Drohungen à la Mafia hat das nichts zu tun, sondern damit, dass jemand mit besserem Ueberblick und höherer Erkenntnis helfen möchte. Insofern kann ich Deinen Vergleich nicht nachvollziehen. Der Knackpunkt ist die Absicht, das Motiv der "Drohung".
"Falls es einen Gott und eine Hölle geben würde, so wäre ja wohl auch Gott dafür verantwortlich"
—-die biblische Sicht der Dinge ist: " wer Gemeinschaft mit Gott haben möchte ist dazu eingeladen, wer das nicht möchte kann darauf verzichten. Der Eintritt ist kostenfrei. Der Ort der Gottesferne ist die Hölle. Es wird also niemand in die Hölle verstossen oder nicht eingelassen - er kann nur die Einladung ablehnen und die Gemeinschaft mit Gott nicht wollen. Gott lässt dies zu, damit Du mit deinem Verstand, den Du so betonst, selber eine Entscheidung treffen kannst. A propos Verstand: Die Bibel sagt übrigens, dass der Mensch bei der Betrachtung der Natur, Gott mit dem Verstand erkennen kann - nicht mit naiver, blinder Gläubigkeit, sondern mit dem Verstand.
Letztendlich könnten wir die ganze Diskussion ziemlich gelassen angehen. Ich und Du werden sterben. Falls es keinen Gott gibt, werden wir das nie erfahren, das Nichts löscht unser Bewusstsein. Falls es einen Gott gibt und wir weiterleben, wird dieser für das zukünftige Rahmenprogramm besorgt sein und die Wahrheit offenbaren. Solange wir leben und schreiben bleibt die Diskussion wohl auf dem Niveau eines "Gezänk", das keiner gewinnen wird.