Atheismus in der Schweiz
«Von denen, die dazu ersehen,
Des Himmels Segen zu erflehen, War selten einer ernst-gelehrt,
Viel öfter hitzig und verkehrt.
Doch glückt's den meisten zu verhüllen,
Wie Stolz und Habgier sie erfüllen.

Wenn nur das mindeste geschah,
Worin man eine Schädigung sah,
Sogleich erhob man ein Gezeter:
«Wo ist die Tugend hin, ihr Götter!»
Merkur ergötzte dieser Streit,
Die andern nannten's Albernheit»
Bernard Mandeville, 1670-1733, «Die Bienenfabel»

18.05.2006 Brief von atheismus.ch an Radio DRS 1

Sehr geehrtes Radio DRS 1

In Ihrem Aufmacher vom 16.5.2006 schreiben Sie unter dem Titel «Dialog statt ‹Kampf der Kulturen›»:

Das Schreckensszenario vom Zusammenprall der Religionen und Kulturen erhält täglich neue Nahrung. Dabei sind die jüdisch-christliche und die islamische Religion sowie ihre Anhänger im Grunde friedliebend.


Der schweizerische «Rat der Religionen» will den gemeinsamen Kern der drei Weltreligionen wieder freilegen und ein besseres Verständnis untereinander aufbauen. Hanspeter Gschwend hat den christlichen, jüdischen und islamischen Vertreter im Rat gefragt, wie sie dies erreichen wollen.

Die darunter stehenden Verweise gehen an «Religionen in der Schweiz», «Katholische Kirche Schweiz», «Evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz» und «Bibel-Quiz». Es fehlen nicht nur Juden und Moslems, auch http://atheismus.ch wurde ignoriert. Wurde das Schweizer Radio nun von christlichen Extremisten übernommen, oder verpflichtet Journalismus heute nicht mehr zu einer umfassenden und möglichst objektiven Information?

Als Vertreter von http://atheismus.ch stört mich vor allem die Aussage: «Dabei sind die jüdisch-christliche und die islamische Religion sowie ihre Anhänger im Grunde friedliebend.» Auch wenn wohl jeder Mensch, unabhängig von seiner Religion (oder der Abwesenheit derselben) «im Grunde friedliebend» ist, so trifft dies ganz bestimmt nicht auf die drei semitischen Religionen zu. Sowohl das Judentum, wie auch das Christentum und der Islam sind «im Grunde» äusserst gewalttätig und inhuman! Ich werde Ihnen dies mit Verweisen auf http://atheismus.ch am Beispiel des Christentums erläutern. Das Gesagte gilt für das alte Testament entsprechend für das Judentum und unter Zusatz von Koran und Scharia auch für den Islam.

Intoleranz

Die christliche Religion ist extrem intolerant. Dies beginnt im alten Testament, wo es z.B. in den zehn Geboten als allererstes nicht etwa heisst «Du sollst nicht töten»1), das berühmteste Gebot folgt erst auf dem abgeschlagenen sechsten Platz! An erster Stelle steht «Du sollst keine andern Götter haben neben mir»2), ein Gebot von göttlichem Egoismus und Intoleranz. Die ersten vier Gebote beschäftigen sich nur mit der Verehrung Gottes. Was aber geschieht mit Menschen, die gegen diese selbstherrlichen Gebote verstossen? Auch da lässt die Bibel keine Fragen offen: Sie müssen getötet werden! Die Tempel der Baalspriester müssen zerstört werden!

Im neuen Testament geht die Intoleranz weiter. Jesus hat nicht etwa Toleranz im Umgang mit anderen Kulturen gepredigt, sondern: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.»3) und «Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ueber sie Koenig wuerde, bringt her und erschlagt sie vor mir.»4).

Unmenschlichkeit

Nicht nur ist die Bibel, letzlich die Basis aller semitischen Religionen, extrem intolerant, sie ist auch äusserst unmenschlich. Der biblische Gott führt Eroberungskriege an und tötet nach eigenem Gutdünken Menschen, und zwar nicht nur in seinen Augen schuldige, wie in Sodom und Gomorra, sondern auch unschuldige, wie die erstgeborenen Kinder der Ägypter. Es ist tragisch, wie dieses Verhalten des biblischen Gottes von Christen noch gerechtfertigt wird. Gott lässt sich nur besänftigen, indem er seinen angeblichen Sohn blutig am Kreuz sterben lässt. Eine Vergebung ohne dass dafür Blut geflossen ist, kennt dieser archaische Wüstengott nicht. Egal wie schwer es den Menschen fällt, seinen teilweise vollkommen absurden Gesetzen zu folgen, der biblische Gott fordert bedingungslosen Gehorsam, oft genug wider die Natur des Menschen5).

Die Weltlage

Auf der ganzen Welt zeigt sich das gleiche Bild: Wo die Religion regiert, kommt der Mensch zu kurz. In Indonesien bekriegen sich Christen und Moslems, in Irland Katholiken und Protestanten. Der Islam zeigt sein grausames Gesicht unter anderem in vielen Ländern Afrikas, in Afghanistan, im Iran und Saudi Arabien. Wo bitte bleibt da Allahs angebliche Güte? Es sollen uns mal die islamischen Staaten vorleben, was sie unter islamischem Paradies verstehen! Das Christentum war nicht besser, als es im europäischen Mittelalter die Macht inne hatte. Die Christen hätten damals die Möglichkeit gehabt, die angebliche Liebe ihres Gottes unter Beweis zu stellen. Doch die Christen ermordeten stattdessen in Massen Abtrünige und Heiden, betrieben Ablasshandel, und dies noch vor der Reformation. Was danach folgte war ein umso grausameres Massaker und eine grenzenlose Verfolgung Andersdenkender. Je mehr Licht man in die Kirchengeschichte bringt, desto dunkler wird es6). Der jüdische Staat knechtet heute die Palestinenser, die eigentlichen Besitzer und Ureinwohner des von den Europäern nach dem Krieg enteigneten Landes, und schickt seine religiösen Siedler als Schlägertruppen voraus. Letzlich darf eine Ideologie nicht bestehen, wenn sie in der Praxis versagt hat. Aber während der Kommunismus trotz seines heren Anspruchs die Arbeiterschaft zu befreien und das Paradies auf Erden zu schaffen, heute geächtet ist, darf sich das Christentum ungebremst weiterverbreiten. Es gibt keine semitische Religion, die Anspruch hätte, uns etwas von Liebe oder Moral erzählen zu wollen!

Religion ist wie Drogensucht

Schon Karl Marx wusste es, heute ist es wissenschaftlich bewiesen: Religion ist das Opium des Volkes. Wie ein Rauschmittel wirkt sie im Gehirn und löst Schläfenlappenepilepsien aus, welche wie ein Drogenrausch wirken, und auch gleichermassen unberechenbar machen, wie man sieht. Religion sollte zumindest in ihrer fundamentalistischen Ausprägung und wenn sie mit Überzeugung betrieben wird, genauso geächtet werden, wie Alkohol und Drogenmissbrauch.

Fazit

Wie also kommen Sie angesichts dieser Faktenlage zu einer unreflektierten Aussage wie: «Dabei sind die jüdisch-christliche und die islamische Religion sowie ihre Anhänger im Grunde friedliebend»? Ein Blick in die Zeitung zeigt, dass nicht nur die Religionen, sondern auch ihre Anhänger alles andere als friedliebend sind. Je radikaler, je fundamentalistischer ein Mensch ist, desto grausamer verhält er sich Andersdenkenden gegenüber. Was wir also brauchen ist nicht ein Dialog der Religionen, sie sind die Ursachen der Probleme, nicht ihre Lösung. Es braucht das, was die Menschheit in Europa seit 500 Jahren weitergebracht hat: Vernunft, Aufklärung, Entmythologisierung und eine angemessene Distanz zu jeder Religion. Alles was wir heute lieben und schätzen, die Demokratie, die Menschenrechte, der Individualismus, selbst die Wissenschaft wurden in einer jahrhundertelangen Auseinandersetzung den Kirchen abgetrotzt. Wir haben heute ein gutes Leben trotz und nicht dank dem Christentum. Gerade heute, wo sich allenthalben Extremismus breit macht, und die Christen in der Schweiz neue Höhenflüge erfahren, ist es umso wichtiger, sich entschieden und konsequent gegen jede Religion zu stellen, nicht mit Waffen, aber mit deutlichen Worten und guten Argumenten. Das letzte, was uns hilft ist ein Wiedererstarken der Religion, denn dies führt zu einer noch grösseren Enflussnahme auf die Politik. Fundamental christliche Paramentarier werden, wenn sie in die Überzahl kommen, obligatorischen Religionsunterricht und Schulgebete einführen, Schwangerschaftsabbruch verbieten, Frauen an den Herd fesseln und die Religionsfreiheit abschaffen. Schlimmstenfalls führt es wieder zu einem Gotteststaat, auch in der Schweiz, denn bei uns sind Staat und Religion noch längst nicht getrennt. Diesen düsteren Zukunftsaussichten müssen wir alle uns entgegenstellen und unsere liberalen, humanistischen, antireligiösen Werte vertreten!

Ich hoffe, Sie werden sich in Zukunft bei ähnlichen Themen bei den vielfältigen Argumenten von http://atheismus.ch bedienen und umfassender informieren. Gerne stelle ich Ihnen auf Anfrage darüber hinaus mein Wissen und meine Zeit zur Verfügung.

PS: Ein aktuelles Beispiel, wie weltfremd dieser «Rat der Religionen» ist: am 7. Mai steht im Ticker unter N24: «Mord im Namen des Kopftuchs».

Intolerante Religionen dürfen wir nicht tolerieren!

5) …wie er auch im Paradies mit der natürlichen menschlichen Neuierde hätte gerechnet haben müssen
6) Heinrich Wiesner, deutscher Aforistiker, 1925-
Seitenzugriffe seit 19.01.2009: hier: 325, atheimus.ch insgesamt: 1218635
Wiki-Verweis auf diese Seite: [[:02_aktuell:020_leserbriefe:9939482]]
Nächste Seite