Atheismus in der Schweiz
«Es gibt den Menschen guten Willens zu denken, dass eine Organisation, die damit prahlt, die wahre Hochreligion und das Gebot der Nächstenliebe zu vertreten, aus ideologischen wie wirtschaftlichen Gründen so viele Kulturen niedermachte.» Horst Herrmann, deutscher Theologe, *1940

«Auch Atheisten glauben»

Ein oft gehörtes, aber vollkommen falsches Argument von Gläubigen lautet:

Auch Atheisten glauben nur, dass es keinen Gott gibt. Ich glaube an einen Gott, aber die Atheisten glauben auch, nämlich dass es keinen Gott gibt.

Das stimmt nicht.

Wenn jemand nicht an Marsmenschen glaubt, ist er deswegen kein gläubiger Mensch, ebenso ist jemand nicht gläubig, der nicht an den Weihnachtsmann glaubt. Man darf die Abwesenheit von Glaube nicht mit Glaube verwechseln. Die Aussage, dass es keine Götter gibt, ist kein Glaube, sondern eine Schlussfolgerung: Das Resultat einer langen und intensiven Auseinandersetzung mit Religionen.

Wir wissen daher, dass es die bisher bekannten und untersuchten Götter nicht gibt. Wir wissen, dass ein persönlicher Gott oder ein Gott der in das Weltgeschehen eingreift widerlegt werden kann, und daher äusserst unwahrscheinlich ist. Von jedem bekannten Gottesbild kann man die Eigenschaften untersuchen und auf Plausibilität prüfen und ihn so widerlegen.

Wir wissen aber auch, dass wir nichts über einen Gott aussagen können, von dem wir keine Eigenschaften kennen. Es ist theoretisch auch denkbar, ein Gottesbild zu formulieren, das nicht widerlegbar ist. Einem solchen Gott gegenüber kann man keine abschliessende Aussage machen, ausser dass er aufgrund von Ockhams Rasiermesser nicht in Betracht gezogen werden muss. Dies ist ein Rest an Agnostizismus, der verbleibt.

Bei Gottgläubigen steht am Anfang der Glaube an einen Gott. Bei uns steht am Anfang die Neugierde, der Hunger nach Wissen und vor allem auch der Zweifel an angeblichen Wahrheiten. Gläubige versuchen, ihren Gott irgendwie in der Wirklichkeit unterzubringen. Wir hingegen versuchen neutral zu beurteilen, welche Erklärung für die Welt am plausibelsten ist.

Wir Atheisten wissen zwar nicht mit absoluter Sicherheit, dass es keinen Gott gibt, da aber sämtliche Befunde dagegen sprechen, können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es keine Geister, Götter, Elfen, Magier, Dämonen und dergleichen gibt.

Deshalb ist Atheismus das Fehlen eines Glaubens an Götter und nicht der Glaube, dass es keine Götter gibt.

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