Atheismus in der Schweiz
«Gott muss tot sein, schliesslich kann er sich in 2000 Jahren Christentum nur zu Tode geärgert haben.» Erhard Blanck

Es ist zuviel Zufall im Spiel

Gegen die Evolutionstheorie werden oft falsche und populistischen Argumente wie folgt eingebracht:

«Die Wahrscheinlichkeit, dass aus den Bestandteilen der Erde Leben von selbst entstehen konnte ist so klein, wie wenn man einen Schrotthaufen schütteln würde, und heraus käme ein komplettes Flugzeug.»

Der erste Fehler ist, dass man meint, die Evolution sei ein zufälliger Prozess. Das Gegenteil ist der Fall. Die Evolution besteht immer aus zwei Schritten: Mutation und Selektion. Mutationen mögen auf den ersten Blick als zufällig erscheinen. Aber die Selektion ist ein zielgerichteter Prozess: Diejenigen Formen, die besser zum Überleben in einer gegebenen Situation geeignet sind, werden bevorzugt gegenüber denen, die benachteiligt sind. Neutrale Mutationen, die weder schaden noch nützen, überleben ebenfalls. Geschieht dies sehr oft hintereinander, so hat man einen scheinbar zielgerichteten Prozess hin zu überlebensfähigeren Formen.

Nun könnte man denken, es sei Zufall, welche Mutationen auftreten, aber nichteinmal das ist der Fall. Jede einzelne Mutation tritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf. Bei einer grossen Population und über lange Zeit, tritt jede mögliche Mutation genügend oft auf. Tödliche Mutation werden sofort ausgerottet, alle anderen überleben mehr oder weniger lang, je nach ihrer Nützlichkeit in Bezug auf die weitere Reproduktion. Über lange Zeit muss also jede mögliche Mutation, ja gar Kombinationen davon, aufgetreten sein und Gelegenheit gehabt haben, sich weiter zu verbreiten. Mit Zufall hat das demzufolge nichts mehr zu tun, nur noch mit nüchterner Statistik.

Das einzige, was wirklich zufällig ist, sind die äusseren Einflüsse auf das Leben, welche die Randbedingungen vorgeben. Klimaveränderungen, Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge beeinflussen die Bedingungen, unter denen sich die Mutationen bewähren müssen. Es ist damit ein klein wenig zufällig, welche Eigenschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort vorteilhaft sein kann. Die Evolution selbst aber, Mutation und Selektion, hat nichts mit Zufall zu tun.

Die zweite Fehlüberlegung beim Argument des Zufalls ist oft, dass man meint, der ganze Prozess der Entstehung des Lebens sei auf einen Schlag abgelaufen. Man schüttle einen Schrotthaufen, und heraus komme ein Jumbo, ist ein oft gehörter, aber komplett unsinniger Vergleich.

Die Entstehung des Lebens ging nicht auf einen Schlag, sondern in vielen kleinen Schritten vonstatten. Jeder einzelne dieser Schritte lief mit einer genügend hohen Wahrscheinlichkeit ab. Die Details für die Schritte zur Entstehung des Lebens sind z.B. beschrieben bei de Duve «Aus Staub geboren». Dieses Buch ist absolute Pflichtlektüre für jeden, der meint einen Fehler in der Evolutionstheorie gefunden zu haben!

Warum der Zufall keine Rolle spielt

Angenommen, eine Mutation geschieht mit der Wahrscheinlichkeit von 1:1.000.000.000 (eine Mutation auf eine Milliarde Geburten), dann wäre es höchst unwahrscheinlich, dass genau diese Mutation vorkommt, oder?

Falsch gedacht!

Angenommen die Population beträgt 10.000.000 Tiere und wird durch Räuber konstant gehalten (nur wegen der einfacheren Berechnung). Angenommen jedes Tier gebärt im Durchschnitt alle zehn Jahre ein Junges, dann gibt es nach 10.000 Jahren genau (10.000 Jahre : 10 Jahre pro Junges x 10.000.000 Tiere =) 10.000.000.000 Geburten, also zehn Milliarden Versuche, bei denen die Mutation auftreten könnte. Nun kommt die Mutation einmal pro Milliarde Geburten vor. Das heisst, rein statistisch gesehen, sollten die gewünschte Mutation in diesem Zeitraum insgesamt 10 Mal vorkommen. Das heisst, es ist kein Zufall, wenn sie vorkommt, aber es wäre ein riesiger Zufall, wenn sie niemals vorkommen würde.

Nun kommt die Selektion ins Spiel: Wenn die Mutation schlecht ist, kann sie sich nicht weitervererben und stirbt sofort aus. Wenn sie neutral ist, wird sie sich normal verbreiten, das heisst, sie wird in der Population mit grösserer Wahrscheinlichkeit vorkommen, sobald sie das erste Mal aufgetreten ist. Wenn sie aber von Vorteil ist, wird sie sich überproportional schnell verbreiten. Bei sehr vorteilhaften Mutationen kann es sein, dass innert weniger Jahren ein Grossteil der Population die Mutation besitzt.

Wir haben hier kein einziges Mal Zufall im Spiel gehabt und die Annahmen waren sehr konservativ. Trotzdem kommt als Resultat heraus, dass selbst eine sehr seltene Mutation mehrmals auftreten muss. Sobald eine vorteilhafte Mutation das erste mal aufgetreten ist, wird sie durch die natürlich Selektion bevorzugt und verbreitet sich exponentiell.

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