Atheismus in der Schweiz
«Niemand ist ein ärgerer Feind des Christentums als das Christentum.» Hermann Kesten, deutscher Schriftsteller, 1900-1996

Ich habe den einzig richtigen Glauben

«Ich habe den einzig richtigen Glauben», wenn man das jemanden sagen hört, merkt eigentlich jeder, wie lächerlich das doch tönt, und doch meinen viele, sie hätten den einzig richtigen Glauben, und seien im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit. Das schöne am einzig richtigen Glauben ist, dass es soviele davon gibt. Das Problem am «einzig richtigen Glauben» ist, dass es nicht mehrere davon geben kann. Und doch glauben viele, vor allem diverse christliche Sekten, sie hätten als einzige den richtigen Glauben. Nehmen wir zum Beispiel die Katholiken. Nie würden sie den Reformierten Gleichberechtigung in Glaubensfragen zugestehen, sind sie doch seit Jahrhunderten der Meinung, nur sie allein seien orthodox, nur sie allein seien rechtgläubig. Nehmen wir auf der anderen Seite die Neuapostolen. Auch sie glauben, als einzige im Besitz des richtigen Glaubens zu sein. Nun haben wir schon zwei christlichen Sekten, die den einzig richtigen Glauben für sich beanspruchen. Wem soll man nun glauben, wer hat recht?

Bezeichnend ist vor allem, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, objektiv, das heisst von jedem Menschen eindeutig nachvollziehbar, festzustellen, wer von beiden recht hat, falls überhaupt einer der beiden den einzig wahren Glauben besitzt. Wenn aber zwei von sich behaupten, als einzige die Wahrheit zu besitzen, aber nicht objektiv festgestellt werden kann, wer nun tatsächlich Recht hat, lässt das nur einen einzigen Schluss zu: Beide haben Unrecht. Die Behauptung «ich habe Recht», ohne die Möglichkeit der Überprüfung, ist vollkommen wertlos, ja schädlich. Schädlich ist solch eine unbegründete Behauptung, weil derjenige, der sie aufstellt damit sch über alle anderen erhebt, die ja eben diese Wahrheit nicht besitzen. Dadurch fühlt er sich nicht mehr unbedingt an die Gesetze und die moral der Allgemeinheit gebunden, er denkt, er sei etwas besseres. Dies öffnet die Tür zu ungehemmter Grausamkeit.

Die absolute Wahrheit hingegen, wenn wirklich jemand in ihrem Besitze sein sollte, müsste eigentlich leicht zu beweisen sein. Immerhin schafft es die Wissenschaft, ganz im Gegensatz zur Religion, das, was sie als Wahrheit erkannt hat, so zu formulieren und zu beweisen, dass es allgemein nachvollziehbar wird. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion: Die Wissenschaft sucht nach der Wahrheit, die Religion bekämpft sie!

Geht man noch einen Schritt weiter, und zieht man in Betracht, wieviele unterschiedliche Religionen es auf dieser Erde gibt, so muss einem von selbst klar werden, dass keine davon als einzige die ganze Wahrheit für sich alleine beanspruchen kann. Jede Sekte, die das von sich behauptet, jede Religion, die zum Beispiel behauptet, es gäbe keine Götter ausser ihrem Gott, die lügt bewusst. Wenn eine Religion behauptet, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein, dies aber nicht beweisen kann, so disqualifiziert sie sich selbst.

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