Atheismus in der Schweiz
«Dies ist der Gipfel des Monströsen und Lächerlichen, Gott als einen kleinlichen, unsinnigen und barbarischen Despoten zu verkünden, der einigen seiner Favoriten heimlich ein unverständliches Gesetz mitteilt und die übrigen des Volkes umbringt, weil sie dieses Gesetz nicht gekannt haben.» Voltaire, französischer Schriftsteller und Filosof, 1694-1778

Das neue Testament verbessert das alte

Ein oft gehörtes Argument lautet in etwa wie folgt:

Ja natürlich, das alte Testament ist grausam und unmenschlich, aber Gott hat sich vom bösen strafenden Gott zum guten vergebenden Gott gewandelt. Nur die Evangelien sind wichtig, und die sind gut.

Gegen diese Ansicht spricht einiges:

  1. Ein «ewiger» Gott verändert sich nicht.
  2. Wenn sich Gott tatsächlich verändert hat, beweist das nur, dass er zuvor schlecht war.
  3. Auch im neuen Testament gilt: Keine Vergebung, ohne dass Blut fliesst!
  4. Auch die Forderung nach einem Blutopfer am Kreuz ist unmenschlich, grausam und vor allem unnötig!
  5. Die Offenbarung des Johannes, seine Weltuntergangsfantasien beweisen vielmehr, dass sich dieser Gott kein bisschen verbessert hat!
  6. Das neue Testament ist nicht besser, als das alte. Auch die Evangelien sind blutrünstig und vor allem intolerant1)!
  7. Warum sollte ein Teil der Bibel wichtiger sein, als ein anderer, ist nicht alles – altes und neues Testament – das Wort Gottes?
  8. Wenn einzelne Teile der Bibel mehr gewichtet werden sollen, als andere, wer entscheidet dann, was in der Bibel nun gilt, und was nicht? Die Bibel wird so beliebig, denn man kann alles aus der Bibel beründen, für jede Ansicht findet sich irgendwo ein passendes Zitat!

Was sagt die Bibel dazu?

Lesen wir doch mal in der Bibel nach, was sie selbst dazu zu sagen hat:

Ändert sich Gott?

Viele Christen zitieren den Brief des Jakobus aus dere Bibel, um zu belegen, dass Gott unveränderlich sei. Dort steht:

Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veraenderung ist noch eines Wechsels Schatten.«Der Brief des Jakobus 1.17»

Auch wenn das obige Zitat mehr als fragwürdig verwendet wird, so glauben die Christen doch in der Regel, ihr Gott sei ewig und unveränderlich. Wenn er aber böse war, und das war er im alten Testament zweifellos – meiner Ansicht nach ist er es auch im neuen noch –, dann ist er auch jetzt noch böse. Eine Verwandlung von einem rächenden in einen vergebenden Gott hat nie stattgefunden!

Distanziert sich Jesus von den blutrünstigen Greueltaten im alten Testament?

Jesus hat nicht etwa das alte Testament ersetzt, er hat es ergänzt. Immer wieder nimmt er Bezug auf die Kriegsverbrecher im alten Testament, z.B. auf den Völkermörder Moses. Auch sagte Jesus ausdrücklich:

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Profeten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. — «Das Evangelium nach Matthäus 5.17»

und noch deutlicher sagt Jesus

Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heissen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird gross heissen im Reich der Himmel. — «Das Evangelium nach Matthäus 5.18-19»

Immer wieder nahm Jesus Bezug auf das alte Testament, dessen Profezeihungen er zu erfüllen glaubte2), z.B. bei seiner Erscheinung als angeblich Auferstandener vor seinen Jünger sprach Jesus:

Er sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Moses und den Profeten und Psalmen. — «Das Evangelium nach Lukas 24.44»

Jesus befürwortet die Todesstrafe

Im alten Testament wurde die Todesstrafe eingeführt, selbst für kleinste Vergehen. Wer am Sabbat arbeitet, muss sterben, aber sogar schon, wer Vater oder Mutter flucht. Jesus hat nochmals betont, dass seiner Ansicht nach die Todesstrafe fällig ist, wenn jemand Vater und Mutter flucht. Dies machte Jesus deutlich, als er die Farisäer kritisierte:

[Jesus] aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? Denn Gott hat geboten und gesagt: Ehre den Vater und die Mutter! und: Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben. Ihr aber sagt: Wenn jemand zum Vater oder zur Mutter spricht: Eine Opfergabe sei das, was dir von mir zunutze kommen könnte, der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; und ihr habt so das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Heuchler! Trefflich hat Jesaja über euch geweissagt, indem er spricht: «Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren. — «Das Evangelium nach Matthäus 15.3-9»

Bei der Gelegenheit spricht Jesus zum Volk und betont wieder einmal seine Intoleranz gegen andere Ansichten:

Er aber antwortete und sprach: Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden. — «Das Evangelium nach Matthäus 15.13»

Der Gründer des modernen China, 毛泽东 (Mao Zedong) sagte einst:

Mit diesen Worten forderte er auf, offen Kritik zu üben. Kaum kam aber mehr Kritik auf, als ihm genehm war, verlangte er, dass das Unkraut gejätet würde — Die Kritiker wurden beseitigt. Offenbar stand 毛泽东 dabei ganz in christlicher Tradition, verwendete er gegenüber seinen Kritikern doch fast die gleichen Worte, wie Jesus gegenüber den Farisäern, wenn man das Zitat aus dem «Evangelium nach Matthäus» in Betracht zieht…

Das neue Testament ist nicht besser!

Allein die Tatsache, dass Gott fordert, sein Sohn müsse am Kreuz sterben, um den Menschen vergeben zu können, disqualifiziert ihn und das neue Testament. Auch das neue Testament ist nach wie vor intolerant gegenüber anderen Göttern und anderen Ansichten:

Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. — «Das Evangelium nach Matthäus 18.6»
Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde. — «Das Evangelium nach Markus 9.42»

Jesus sagt, dass wer seinen Bruder einen Narren schimpft, in die Hölle kommen werde:

Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder […] sagt: Du Narr! der Hoelle des Feuers verfallen sein wird. — «Das Evangelium nach Matthäus 5.22»

Eine völlig unverhältnismässige Strafe, die Jesus da für ein relativ kleines Vergehen androht!

Ihr habt gehoert, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen.
Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie
zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem
Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dir Anlass zur Suende
gibt, so reiss es aus und wirf es von dir; denn es ist dir
besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer
Leib in die Hoelle geworfen wird. Und wenn deine rechte
Hand dir Anlass zur Suende gibt, so hau sie ab und wirf sie von
dir; denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und
nicht dein ganzer Leib in die Hoelle geworfen wird. — «Das Evangelium nach Matthäus 5.27-30»

Jesus ist ein Idiot! Nur weil man eine Frau ansieht, die einem gefällt, soll man «im Herzen» schon Ehebruch begangen haben.

Nirgendwo in der Bibel ist sooft von der Hölle die Rede, wie im neuen Testament. Jesus beschimpft und verflucht seine Gegner, bezeichnet die Schriftgelehten und Farisäer als «Heuchler», «Schlangen» und «Otternbrut». Jesus schimpft und flucht, wie kein zweiter. Dabei toleriert er keinerlei Abweichung von seinen Ansichten. Ebensowenig wie später Paulus, der in seinen Briefen seine ideologischen Gegner beschimpft.

Das neue Testament ist wahrlich keinen Deut besser, als das alte!

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Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.6%(14)
2) Historisch gesehen wurde wohl eher die fiktive Romanfigur des «Jesus» so erfunden, dass sie möglichst gut in die alten Profezeihungen passte. Jesus hat nicht die Profezeihungen erfüllt, er wurde so erfunden, dass er zu den Profezeihungen passt.
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