Atheismus in der Schweiz
«Wenn man sich auf der Welt umsieht, so muss man feststellen, dass jedes bisschen Fortschritt im humanen Empfinden, jede Verbesserung der Strafgesetze, jede Massnahme zur Verminderung der Kriege, jeder Schritt zur besseren Behandlung der farbigen Rassen oder jede Milderung der Sklaverei und jeder moralische Fortschritt auf der Erde durchweg von den organisierten Kirchen der Welt bekämpft wurde. Ich sage mit vollster Überzeugung, dass die in ihren Kirchen organisierte christliche Religion der Hauptfeind des moralischen Fortschrittes in der Welt war und ist.» Bertrand Russell, englischer Filosof, 1872-1970

Wir leben in einem christlichen Land — Europa ist christlich

Ist die Schweiz (oder wahlweise Deutschland, Österreich, Italien, u.s.w.) ein christliches Land? Ist Europa christlich? Die Antwort darauf ist ein klares «Nein»! Was Europa heute ist, ist es im Kampf trotz und gegen das Christentum geworden.

Zwar leben viele Christen in der Schweiz, aber deswegen ist die Schweiz noch lange kein christliches Land. Ein Land kann keiner Religion angehören, nur seine Einwohner können das. Hinzu kommt, dass nicht nur angesichts der vielen Kirchenaustritte das Christentum in Europa ein Auslaufmodell ist. Tatsächlich war Europa mal «christlich», dies in der Zeit des finsteren Mittelalters, als das Christentum seine uneingeschränkte Terrorherrschaft ausüben konnte, und alle Nichtchristen zwangskonvertiert oder niedergemetzelt wurden.

Seit der Renaissance aber, jener lobenswerten Rückkehr aus dem Christentum zurück auf die antiken Werte der alten Griechen, seit jenem Wiedererwachen der schönen Künste, der Filosofie, der Wissenschaften, seit der Zeit also, in der Europa begann zu dem zu werden, was es heute ist, seit jener Zeit ist das Christentum auf einem kontinuierlichen Rückzug! Was wir heute sind, verdanken wir nie und nimmer dem Christentum! Das Christentum predigt Frauenfeindlichkeit, wir haben Gleichberechtigung. Das Christentum predigt Hass gegen fremde Götter, wir sind tolerant. Das Christentum verlangt die Bekehrung der Heiden, wir schätzen und achten fremde Kulturen. Das Christentum verlangt vollständige Unterwerfung unter Gott und die Obrigkeit, wir aber sind Individualisten und schätzen die Demokratie, die wir aus der Antike übernommen haben.

Das Christentum brachte uns Hexenverfolgung, Judenverfolgung, Heidenverfolgung, Religionskriege, Kreuzzüge, die Inquisition, Folter, Sklaverei, Unterdrückung, Zwist und Streiterei. Das Christentum hat unendlich viel Leid über Europa gebracht. Erst seit die Christen die Macht abtreten mussten und Europa weitgehend (noch nicht weit genug) säkularisiert worden ist, ist einigermassen Ruhe eingekehrt.

Alles was wir heute sind, verdanken wir der Renaissance, die die Werte der Antike zurückbrachte. Wir verdanken es dem Humanismus, der den Menschen in den Mittelpunkt stellte, und Gott daraus verstiess. Wir verdanken es der französischen Revolution, die die Obrigkeit stürzte und das Volk an die Macht brachte. Wir verdanken es nicht zuletzt auch der Wissenschaft, die Aberglauben durch Wissen und Offenbarung durch Forschung ersetzt hat. Letzlich hat die auf der Wissenschaft aufbauende Technik und das bequeme Leben ermöglicht, das wir heute wohl kaum mehr missen möchten.

Unsere Helden sind Menschen, die sich mit Mut für ihre Ideen eingesetzt haben, wie Galileo Galilei, nicht die Päpste und Pfaffen, die sie verfolgten! Unsere Helden sind Menschen, die alte Ansichten mutig über Bord warfen, wie Charles Darwin oder Albert Einstein. Menschen, die die Natur bewunderten und daraus die Pflicht ableiteten, sie in Ehrfurcht zu erforschen.

Noch vor wenig mehr als hundert Jahren gab es Kriege zwischen den Liberalen, die mehr Freiheit und Rechte erkämpften, und den Klerikern, den Pfaffen. Die Kirche hat uns kein Jota unserer Freiheiten freiwillig abgetreten. Und noch immer haben die Kirchen den Staat missbraucht, um sich ihre illegitimen Rechte zu sichern — bis heute!

Nein wir sind ganz sicher kein christliches Land, sondern ein Land, dass sich weitgehend vom Joch des Christentums befreit hat. Den Christen verdanken wir nichts ausser Krieg, Verfolgung und Unterdrückung — und eine perverse Verteufelung des Vergnügens, auch des Sexualverkehrs.

Das Christentum ist die dunkle Religion, die Tod und Martyrium verehrt und Freude und Erhabenheit verachtet. Wehe uns, wenn wir den Christen die Macht zurückgeben!

Zum Abschluss noch ein weises Zitat von Henry Thomas Buckle, Kulturhistoriker, 1821-1862, in «Geschichte der Zivilisation 5»:

Es ist ein Irrtum, die Zivilisation eines Volkes der Einwirkung der Religion zuschreiben zu wollen, und eine Torheit, wenn die Regierungen eine Religion in Schutz zu nehmen suchen. Passt dieselbe für das Volk, so wird sie keinen Schutz brauchen, passt sie nicht dafür, so wird sie nichts Gutes wirken.
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