Die Wissenschaft kennt auch Dogmen: Axiome
Eine oft gehörte aber ganz falsche Behauptung ist:
Korrekt ist:
- Es gibt eine spezielle Form von Axiom in der Naturwissenschaft.
Beweis
Der Beweis folgt aus den Definitionen:
Die Definition von Dogma aus der Wikipedia lautet:
In der Wissenschaft gibt es keinen «unumstösslichen Wahrheitsgehalt». Damit ist die Behauptung bereits widerlegt. Der Begriff Axiom meint etwas völlig anderes. Wieder gemäss der Wikipedia ist ein Axiom in der Wissenschaft:
In den empirischen Wissenschaften bezeichnet man als Axiome auch grundlegende Gesetze, die vielfach empirisch bestätigt worden sind.
Stehen Aussagen der Theorie im Widerspruch zur experimentellen Beobachtung, werden die Axiome angepasst.
Axiome sind in der Wissenschaft «vielfach empirisch bestätigte» grundlegende Gesetze und keine «unumstösslichen Wahrheiten». Jedes wissenschaftliche Axiom untersteht dem wissenschaftlichen Grundsatz der Falsifizierbarkeit und könnte widerlegt werden, wenn es falsch wäre. Dies ist etwas vollkommen anderes, als ein Dogma, ja es ist das pure Gegenteil davon. Ein wissenschaftliches Axiom ist eine nachprüfbare Arbeitshypothese, die auch widerlegt werden kann. Axiome werden angepasst, Dogmen nicht.
Weitere Details
Hier noch weitere Zitate aus der Wikipedia, um nochmals den Unterschied zu verdeutlichen:
| Dogma | Axiom |
|---|---|
| Unter Dogma versteht man eine festlegende Definition, um einem Glauben, eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit voraussetzend, einen unumstösslichen Wahrheitsgehalt zuzuschreiben. | In den empirischen Wissenschaften bezeichnet man als Axiome auch grundlegende Gesetze, die vielfach empirisch bestätigt worden sind. Als Beispiel werden die Newtonschen Axiome der Mechanik genannt. |
| Dogmen findet man häufig in Religionen sowie in autoritären, absolutistischen und totalitären Gesellschaftsformen, in denen eine Religion, eine Weltanschauung oder eine Wertvorstellung als allein wahr, allgemeingültig, verbindlich und oft sogar als für alle Zeit gültig erklärt wird. | Auch wissenschaftliche Theorien, insbesondere die Fysik, beruhen auf Axiomen. Aus diesen werden Theorien geschlussfolgert, die im Experiment verifiziert werden. Stehen Aussagen der Theorie im Widerspruch zur experimentellen Beobachtung, werden die Axiome angepasst. |
| Dogmen oder Paradigmen, die diese Anschauungen bilden, werden unter Berufung auf göttliche Offenbarung oder besondere Erkenntnisse als wahr erachtete Theorien oder naturrechtliche Legitimation formuliert, sodass eine Kritik am Dogma selbst automatisch auch eine Missachtung der Autorität ergibt und so eine Selbstimmunisierung gegen jede Kritik entsteht. | Beispielsweise liefern die Newtonsche Axiome nur für «langsame» und «grosse» Systeme gute Vorhersagen und sind durch die Axiome der Speziellen Relativitätstheorie und der Quantenmechanik abgelöst bzw. ergänzt worden. Trotzdem verwendet man die Newtonschen Axiome weiter für solche Systeme, da die Folgerungen einfacher sind und für die meisten Anwendungen die Ergebnisse hinreichend genau sind. |
Wie man deutlich sieht, sind ist die Wissenschaft selbstkritisch und undogmatisch. Sie kann Fehler korrigieren und Unvollständiges ergänzen. Beim Dogma hingegen ist bereits die Kritik am Dogma untersagt.
Klares Fazit: Die Wissenschaft kennt keine Dogmen!
Die Argumentation von Volker Dittmar
Volker Dittmar argumentiert anders. Er geht auf die Funktionsweise der Wissenschaft ein, statt den Unterschied von Axiom und Dogma hervorzuheben. Ich möchte hier noch seine Argumentation zitieren:
Quelle: «Häufig geäusserte Argumente» bei www.dittmar-online.net:
Wissenschaftler arbeiten mit Hypothesen, die prinzipiell falsifizierbar (verwerfbar) sind. Man nähert sich der Wahrheit, in dem man falsche Hypothesen eliminiert, dies nennt man «kritische Methode». Nicht-falsifizierbare Annahmen gelten als reiner Unsinn, weil sie diesen Erkenntnisprozess stoppen. Das hängt damit zusammen, dass für jede nicht-falsifizierbare Annahme genauso gut auch das Gegenteil wahr sein kann1), denn diese ist ebenfalls nicht falsifizierbar. Axiome gibt es in den Naturwissenschaften nicht2), sondern nur in der Mathematik – die Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, die sich mit der Natur der Welt nicht befasst und darüber keine Aussage macht. Das Unbekannte wird mit dem Bekannten erklärt, und diese Erklärungen werden permanent durch bessere Erklärungen ersetzt.
Eine Theorie hat umso mehr Erklärungswert, je weniger Zusatzannahmen man machen muss (Ockhams Rasiermesser). Und je mehr Erklärungswert eine Theorie hat, umso besser kann man die Welt damit simulieren.
Dan Barker sagt dazu in seinem Buch Losing Faith In Faith:
Wahrheit verlangt keinen Glauben. Wissenschaftler reichen sich nicht die Hände jeden Sonntag und singen: «Ja, Gravitation existiert! Ich glaube an die Gravitation! Ich werde stark sein! Tief in meinem Herzen glaube ich, dass das, was hoch - hoch - hoch geht, auch wieder runter - runter - runter kommen muss! Amen!» Wenn sie es doch täten, dann müssten wir denken, sie seien sich ganz schön unsicher darüber.
Im religiösen Glauben wird versucht, das Bekannte mit dem Unbekannten zu erklären, es gibt keine kritische Methode, im Gegenteil, man versucht eine Widerlegung durch Immunisierung gegen Kritik (siehe auch Immunisierung) zu verhindern, man benutzt Dogmen oder zirkuläre Logik und lässt sich vom Wunschdenken leiten.
Zum Verhältnis zwischen Wissenschaft und Glauben siehe auch: Es hat keinen Sinn, die Grenzen zu verwischen.
Diskussion
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Ein Beispiel:
Nicht falsifizierbare Behauptung:
Es ist nicht möglich, das Gegenteil zu beweisen. Diese Aussage ist nicht falsifizierbar. Natürlich hat noch nie jemand einen Schwan mit grünem Fell gesehen, aber ich behaupte einfach, das liege daran, dass dieser noch nicht gefunden wurde. Vielleicht lebt er mitten im tiefsten Urwald und ist extrem selten und sehr scheu. Nur weil noch niemand einen gesehen hat, heisst das noch lange nicht, dass es ihn nicht gibt. Vielleicht gibt es zufälligerweise sogar einen Bericht von einem Abenteurer, der behauptet, so ein Tier gesehen zu haben.Es gibt Schwäne, die statt weisser oder schwarzer Federn ein grünes Fell tragen.
Das Gegenteil dieser Aussage, nämlich: «Es gibt keine Schwäne mit grünem Fell», wäre sehr leicht zu falsifizieren. Es muss nur einer kommen und einen lebenden Schwan mit grünem Fell vorzeigen. Somit ist das Gegenteil einer nicht-falsifizierbaren Aussage falsifizierbar.
Das ändert nichts an der Tatsache, dass nicht-falsifizierbare Aussagen purer Unsinn sind, denn es können beliebige, auch sich widersprechende nicht-falsifizierbare Aussagen aufgestellt werden.
Statt «Schwan mit grünem Fell» hätte ich im Beispiel auch schreiben können: «Yeti» oder «allmächtiger Schöpfergott». Aber ich habe das Beispiel mit Absicht unrealistisch gewählt.