Der Glaube hat mich geheilt!
Gläubige Menschen meinen, ihr Glaube, Gott oder das Gebet habe ihnen geholfen, wenn sie von einer Krankheit genesen.
Dabei liegen sie einigen Irrtümern auf:
1. Irrtum: Die medizinische Behandlung wurde nicht eingestellt
Wenn Menschen krank sind, gehen sie zu einem Arzt, nicht zu einem Priester, und das aus gutem Grund!
Auch wenn gebetet wird, wird die medizinische Behandlung in der Regel trotzdem fortgesetzt. Es ist daher eher wahrscheinlich, dass der Heilerfolg auf die medizinische Behandlung zurückzuführen ist.
Wenn man wirklich an eine Heilung durch Gebet glaubt, müsste man konsequenterweise auf jede medizinische Hilfe verzichten und sich nur auf das Gebet allein verlassen. Dies würde folgendes klar zu Tage bringen: Die Medizin ist sehr viel wirksamer darin, Krankheiten zu heilen und das Leben zu erhalten, als Gebete.
2. Irrtum: Selektive Wahrnehmung
Viele Menschen beten und werden trotzdem nicht geheilt. Wenn aber jemand betet und trotzdem an der Krankheit stirbt, wird das nicht als Beweis dafür genommen, dass Beten nicht nützt oder der Glaube falsch ist. Wenn hingegen jemand betet und plötzlich wieder gesund ist, gilt das als Wunder. Dies ist ein typischer psychologischer Effekt: Das aussergewöhnliche und seltene Ereignis wird stärker wahrgenommen, als das normale.
3. Irrtum: Spontanheilung ist nicht selten
Der menschliche Körper hat viele eingebaute Abwehrmechansismen gegen Krankheiten (Immunsystem), und Heilmechanismen, die Verletzungen heilen. Es ist eher die Regel, als die Ausnahme, dass Krankheiten von selbst heilen. Doch selbst bei schweren Krankheiten gibt es das Fänomen der Spontanheilung. Diese sind unabhängig von der Religion des Patienten, oder von Gebeten.
4. Irrtum: Auch gut zuredenhilft — Der Placebo-Effekt
Sicherlich kann ein Gebet einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Die innere Einstellung des Patienten ist stark mitverantwortlich für die Heilung. Beim Placebo-Effekt verabreicht man dem Patienten eine wirkungslose Arznei, z.B. ein Glas Wasser. Trotzdem stellt sich ein kleiner Heilerfolg ein, ganz einfach deshalb, weil der Patient glaubt, ihm werde geholfen und diese Einstellung einen guten Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat. Darum müssen Medikamente auch immer im Vergleich zu Placebos getestet werden. Ein Medikament ist nur dann wirksam, wenn seine Wirksamkeit die des Placebos übersteigt. Wenn es um Heilungen durch Gebete geht, finden keine solchen Tests mit Placebos statt.
5. Irrtum: Es ist statistisch kein Effekt auszumachen
Statistisch lässt sich keine Wirkung von Gebeten nachweisen. Krankheit ist im Leben eines Menschen etwas normales. Einige sterben, viele überwinden die Krakheit, manche kämpfen ein Leben lang damit. Aber es gibt keinen statistischen Zusammenhang zwischen Glaube, Gebet und Heilung. Die Überzeugung, dass einem geholfen wird, kann natürlich im Sinne eines Placebos einen guten Einfluss auf den Verlauf einer Krankheit haben.
Es gibt aber auch Studien, die aussagen, dass beten bei Krankheit schadet1): Denjenigen, die vom Gebet wussten, ging es schlechter. Auch hier vermutlich ein Placebo: Sie dachten wohl, ihre Krankheit sei besonders schwer, dass man für sie beten musste.
Resultat der Studie im Überblick:
| Es wurde gebetet | Patient wusste davon | Komplikationen |
|---|---|---|
| Nein | Nein | 51% |
| Ja | Nein | 52% |
| Ja | Ja | 59% |
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