«Das Christentum ist tolerant»
Heutige Christen sind oft der Meinung, dass das Christentum eine tolerante Religion sei, viel toleranter jedenfalls, als der Islam, dessen Terror die Welt immer mal wieder in Angst und Schrecken versetzt.
Doch diese Auffassung ist vollkommen falsch. Der einzige Grund, weshalb das Christentum als tolerant erscheint, ist der, dass der Blickwinkel sehr eingeschränkt ist: Man sieht nur die gelebte Religiosität der Mehrheit unter den Christen hier und heute.
An anderen Orten dieser Welt, insbesondere in Afrika, aber auch in den VSA ist das Christentum richtiggehend intolerant. In den VSA beispielsweise ermorden fundamentalistische Christen Ärzte in Abtreibungskliniken. Auch bei uns waren die Christen nicht immer so tolerant wie heute. Noch heute reagieren viele Christen äusserst gereizt, wenn man ihre Glaubenswahrheiten in Frage stellt. Aber vor noch nicht allzulanger Zeit war auch in Europa selbst der leiseste Zweifel an christlichen Dogmas bei Folter und Todesstrafe verboten. Das was wir heute hier als «Christentum» wahrnehmen, ist in Wirklichkeit ein kleiner Rest an Religion, geläutert durch Humanismus und Aufklärung. Nach den blutigen Religionskriegen zwischen den Katholiken und den Protestanten war es eine Frage des Überlebens, sich wenigstens auf Toleranz zwischen den christlichen Konfessionen zu verpflichten. In harten Auseinandersetzungen wurden den Christen immer mehr Freiheiten abgetrotzt, bis wir unsere heutige offene Gesellschaft erreicht hatten.
Unter Intoleranz in Religionen gibt es einen ausführlichen Artikel, der auch auf das Christentum eingeht.
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