Atheismus in der Schweiz
«Die Werke von Kopernikus und Galilei standen bis 1822 auf dem Index. Drei Jahrhunderte Starrsinn, das ist hübsch.» Albert Camus, franz. Schriftsteller, 1913-1960

Einzigartigkeit der Entstehung

Manchmal bringen Christen als Argument für die Göttlichkeit der Bibel die angebliche Einzigartigkeit ihrer Entstehung und ihre innere Einheit:

Normalerweise schreibt ein Autor ein Buch und es muss gut geplant werden. Die Bibel wurde jedoch von mehr als 40 Schreibern verfasst, besteht aus 66 Büchern und wurde in einem Zeitraum von etwa 1'500 Jahren geschrieben.
Wie konnten so viele verschieden Autoren in so verschiedenen Orten und Kulturen über eine so lange Zeit ein Buch über so viele Themen schreiben, welches trotzdem so vollkommen in seiner Einheit ist?

Ist das wirklich so ein Wunder?

Die Wikipedia meint zur Bibel:

Es handelt sich um verschiedene redaktionelle Zusammenstellungen von Büchern aus dem Kulturraum der Levante und dem Vorderen Orient, die im Verlauf von etwa 1200 Jahren entstanden sind und bis zum 2. Jahrhundert zuerst von Juden, dann auch von Christen kanonisiert wurden.

Im Klartext: Es gab immer wieder redaktionelle Überarbeitungen, die für eine Vereinheitlichung sorgten. Die Bibel wurde nicht durch Gottes Hand zu einer Einheit, sie wurde von den Menschen dazu gemacht.

Man kann auch leicht beobachten, dass innerhalb eines Buches die Einheitlichkeit grösser ist, als zwischen Büchern, die weit auseinander liegen. Es fällt auch auf, dass es keine Zauberei war, neue Bücher zu schreiben, die in den Kanon passten, wenn man jeweils die älteren kannte, sie berücksichtigte und sich auf diese bezog. Der Glaube an den einzigen wahren, brutalen und überaus eifersüchtigen Kriegsgott ist der rote Faden, der das alte Testament zusamenhält und die Brücke schlägt zum neuen. Viele Geschichten sind zudem erst einmal über lange Zeit durch mündliche Überlieferung weiterentwickelt worden, bevor sie jemand aufschrieb. Durch die ganze Bibel hindurch baut das neue jeweils auf dem alten auf. Es wurde selten etwas neu erfunden, es wurde jeweils das alte ergänzt und weiterentwickelt. Nur darum passt es zusammen.

Aber es gibt auch markante Unterschiede, so z.B. die deutliche Wandlung von der Vaterreligion der Juden im alten Testament zur Sohnreligion der Christen im neuen. Auch innerhalb des alten und neuen Testaments gibt es Teile, die sich deutlich unterscheiden, sowohl im Stil, als auch in der Aussage. Im neuen Testament passt z.B. die Offenbarung des Johannes nicht zu den Evangelien, ausser dass der Schreiber diese kannte und sich darauf bezieht.

Für die Entstehung der Bücher Mose gibt es sogar eine einleuchtende Theorie: Es ist archäologisch nachgewiesen, dass der Auszug aus Ägypten und der blutige Einmarsch des Volk Gottes ins gelobte Land nie stattfand. Die Bücher Mose sind also erstunken und erlogen. Der Zweck dahinter war, aus den verstreuten Bergstämmen eine Nation, ein Königreich zu schmieden. Dazu war eine gemeinsame Vergangenheit nützlich. Da es eine solche nicht gab, wurde auf der Basis des Volksaberglaubens eine erfunden. Im Deuteronomium 4.3-14 wird auch auf diesen Zweck hingewiesen:

4.3 Eure Augen haben gesehen, was der Herr wegen des Baal-Peor getan hat. Denn jeden, der dem Baal-Peor nachgelaufen ist, den hat der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte vernichtet. 4.4 Ihr aber, die ihr dem Herrn, eurem Gott, anhinget, ihr seid heute alle am Leben. 4.5 Siehe, ich habe euch Ordnungen und Rechtsbestimmungen gelehrt, so wie der Herr, mein Gott, mir geboten hat, damit ihr danach handelt mitten in dem Land, in das ihr kommt, um es in Besitz zu nehmen. 4.6 So bewahrt und tut sie! Denn das ist eure Weisheit und eure Einsicht in den Augen der Völker, die all diese Ordnungen hören. Und sie werden sagen: Ein wahrhaft weises und verständiges Volk ist diese grosse Nation! 4.7 Denn wo gibt es eine grosse Nation, die Götter hätte, die ihr so nahe wären wie der Herr, unser Gott, in allem, worin wir zu ihm rufen? 4.8 Und wo gibt es eine grosse Nation, die so gerechte Ordnungen und Rechtsbestimmungen hätte wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege? 4.9 Nur hüte dich und hüte deine Seele sehr, dass du die Dinge nicht vergisst, die deine Augen gesehen haben, und dass sie nicht aus deinem Herzen schwinden alle Tage deines Lebens! Und tue sie deinen Kindern und deinen Kindeskindern kund: 4.10 An dem Tag, an dem du vor dem Herrn, deinem Gott, am Horeb standest, als der Herr zu mir sprach: «Versammle mir das Volk, dass ich sie meine Worte hören lasse, die sie lernen sollen, um mich zu fürchten all die Tage, solange sie auf dem Erdboden leben und die sie ihre Kinder lehren sollen!», 4.11 da tratet ihr hinzu und standet unten am Berg. Der Berg aber brannte im Feuer bis ins Herz des Himmels, und da war Finsternis, Gewölk und Dunkel. 4.12 Und der Herr redete zu euch mitten aus dem Feuer. Die Stimme der Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war zu hören. 4.13 Und er verkündigte euch seinen Bund, den zu halten er euch gebot: die zehn Worte. Und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln. 4.14 Und mir gebot der Herr zu jener Zeit, euch Ordnungen und Rechtsbestimmungen zu lehren, damit ihr sie hieltet in dem Land, in das ihr hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen.

Dieser Text ist der Gründungsmythos der Juden, sozusagen ihr Bundesbrief. Aus dem Text geht klar hervor, dass es darum geht, eine Nation zu schmieden, die sich auf eine gemeinsame Vergangenheit berufen soll und die durch den gemeinsamen Glauben an einen einzigen Gott zusammengehalten werden soll. Den Glauben an andere Götter sieht man als Bedrohung der Einheit.

Es geht nur um den Zweck, nicht um Wahrheit.

Dies ist ausserdem ein zirkuläres Argument, es dreht sich im Kreis: Man will beweisen, dass die Bibel göttliche Wahrheit ist, also macht man eine Eigenschaft der Bibel zum Kriterium für Wahrheit, ohne dabei begründen zu können, warum dies ein objektives Kriterium sein soll. Vergleiche hierzu auch Keine Wahrheit aus Glaube.

Bewertung (03 argumente: 01 für: bibel: entstehung)
Findest Du den Text überzeugend?
Ja, sehr. Ich war vorher anderer Meinung und habe diese Meinung nun geändert.8%(3)
Ja. Vorher war ich anderer Meinung, jetzt zweifle ich.0%(0)
Ja. Ich war vorher schon dieser Meinung und der Text hat mich darin bestärkt.44%(16)
Teilweise, er regt mich zum denken an.6%(2)
Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.3%(1)
Nein. Ich war vorher schon anderer Meinung und bleibe dies auch.14%(5)
Nein. Der Text hat mich in meiner gegenteiligen Ansicht bestärkt.25%(9)

Diskussion

Diskutiere den Inhalt dieser Seite unter:
Einzigartigkeit der Entstehung

Seitenzugriffe seit 19.01.2009: hier: 4994, atheimus.ch insgesamt: 1218635; Bewertungen: 36
Wiki-Verweis auf diese Seite: [[:03_argumente:01_für:bibel:entstehung]]
Nächste Seite