Atheismus in der Schweiz
«Ich will zugeben, dass eine einzige Vorhersage Jesu Christi unbestreitbar eingetroffen ist: Ich komme nicht Frieden zu bringen auf Erden, sondern das Schwert.» Percy Byssche Shelley, englischer Dichter, 1792-1822

Eingetroffene Profezeiungen beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist

Es gibt unzählige verschiedene Religionen, von denen etliche von sich behaupten, die einzig richtige und wahre zu sein. Falls überhaupt eine Religion zutrifft, wie soll man entscheiden, welche das ist? Die Standardaufforderung von atheismus.ch an alle Anhänger einer Religion lautet daher: Beweise mir, dass Deine, und nur Deine Religion zutrifft.

Stellt man diese Frage Christen, so lautet die Antwort oft: «Eingetroffene Profezeiungen beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist»

Stimmt das?

Klaus Schmeh hat sich in einem Telepolis-Artikel unter dem Titel «Beweisen eingetroffene Profezeiungen, dass die Bibel das Wort Gottes ist?» eingehend mit dem Thema befasst.

Es gibt letztlich für alle diese sogenannten Profezeiungen eine rationale und natürliche Erklärung.

Die Argumente der Christen

Die Argumente der Christen lauten:

  • Es gibt in der Bibel viele Profezeiungen, die tatsächlich eingetreten sind.
    • Viele Profezeiungen beziehen sich auf Jesus und wurden durch sein Wirken erfüllt. Dies beweist auch die Richtigkeit des christlichen Glaubens gegenüber Judentum und Islam.
    • Einige haben sich im alten Testament der Bibel bereits erfüllt.
    • Wenige haben sich später, nach der Entstehung der Bibel erfüllt.
  • Die Profezeiungen, die noch nicht eingetroffen sind, beziehen sich auf die Zukunft und werden sich alle noch erfüllen.
  • Alle Profezeiungen wurden vor ihrer Erfüllung niedergeschrieben.
  • Solch exakte Vorhersagen können nicht von Menschen stammen, sie sind von göttlicher Weisheit. Dies beweist, dass die Bibel Gottes Wort ist.

Nachzulesen ist diese Standardargumentation der Christen etwa bei Werner Gitt in Fragen – die immer wieder gestellt werden., S.29: «Wir wollen hier die Frage nach der biblischen Wahrheit an einem ausgewählten Beispiel zeigen, das den Vorteil hat, mathematisch nachvollziehbar zu sein. Die Bibel enthält 6408 Verse mit profetischen Angaben, von denen sich 3268 bisher so erfüllt haben, während die restlichen Profetien noch zukünftige Ereignisse betreffen. Keine Voraussage ist verändert eingetroffen.»

Viele der hier angeführten Beispiele stammen aus obigem Buch, oder von http://www.dasjahrderbibel.de. Sie sind Zitiert nach «Beweisen eingetroffene Profezeiungen, dass die Bibel das Wort Gottes ist?».

Die Widerlegung

Jesus wurde passend gemacht

Egal, ob Jesus eine historische oder nur eine literarische Persönlichkeit ist, er hat nicht die Profezeiungen erfüllt, sondern die Geschichte über ihn wurde an die Profezeiungen angepasst.

Klaus Schmeh schreibt dazu:

Einige Autoren des Neuen Testaments hatten offensichtlich ein grosses Interesse daran, dass sich Profezeiungen des Alten Testaments in Jesus erfüllten. Dieses Interesse ist durchaus verständlich, denn für die Juden war es damals wie heute schwierig, Jesus als den im Alten Testament angekündigten Erlöser zu akzeptieren. Da konnten eingetroffene Profezeiungen als Argumentationshilfe recht nützlich sein.

Am Augenscheinlichsten wird dies im Matthäus-Evangelium, dessen Autor nicht weniger als 130 Zitate aus dem Alten Testament in sein Werk eingebaut hat. An elf Stellen heisst es sogar ausdrücklich, dass sich bestimmte Dinge im Leben Jesu ereignet haben, damit sich eine alttestamentarische Profezeiung (oder etwas, was der Evangelist dafür hält) erfüllt.

Als Beispiel führt er Matthäus 21,4 an:

Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Profeten, der da spricht: «Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.»
Matthäus 21,4

Matthäus kannte die Profezeiungen (Sacharja 9,9), und er wollte unbedingt die Göttlichkeit von Jesus beweisen. Also erfand er die Erfüllung der Profezeiung, selbst wenn Jesus zu Fuss gekommen oder auf einem Schwein geritten wäre, müsste es für Matthäus ein Füllen gewesen sein.

Es gibt keine Möglichkeit, nachzuprüfen, ob Jesus tatsächlich auf einem Eselsfohlen eingeritten kam, oder ob Matthäus dies nur erfunden hat. Diese Profezeiung soll ja gerade die Wahrheit und Göttlichkeit der Bibel beweisen, die wir in Frage stellen. Nun wird aber verlangt, dass wir der Bibel vertrauen, nämlich Markus. Die Argumentation dreht sich im Kreis. Daher kann eine solche Profezeiung nicht als Beweis für die Richtigkeit der Bibel akzeptiert werden.

Genauso nehmen Historiker heute an, dass der historische Jesus, falls er tatsächlich gelebt haben sollte, nicht in Betlehem sondern in Nazareth geboren wurde. Die Verlegung nach Betlehem erfolgte, weil dies besser in die Profezeiungen passen sollte.

Profezeiungen sind vage, sie passen im Nachhinein auf fast alles

Eine echte Profezeiung ist klar und präzise: Sie sagt aus, wann genau was in welcher Art geschehen wird. Könnte jemand vorhersagen, zu welchem Zeitpunkt ein Ereignis in der Zukunft stattfinden wird, und genaue Details, wie auch Umstände des noch nicht geschehenen Ereignisses nennen, und wurde das Ereignis später tatsächlich so geschehen, so wäre dies in der Tat eins sehr erstaunliche Sache. Derjenige, dem das gelingen würde, könnte sich mit Recht einen Profeten nennen. Würde er dies ausserdem wiederholt zu Stande bringen, und wäre Betrug dabei ausgeschlossen, so könnte er damit durchaus mein Weltbild beeinflussen.

Zum Glück für mein Weltbild sind ausnahmslos alle Profezeiungen der Bibel unklar und vage. Im Nachhinein findet sich sehr oft eine Begebenheit, auf die eine Aussage passen könnte. Dies führt zum Nostradamusprinzip:

Das Nostradamusprinzip

Ein Beispiel: Wenn ich selbst eine Profezeiung niederschreibe, die lautet: «Mars und Jupiter werden sich bekriegen, bis ihre Kinder den Tod finden», so bin ich überzeugt davon, dass sich irgendwann in den nächsten zweitausend Jahren mindestens ein Ereignis finden wird, welches dazu passt. Mars ist sowieso der Kriegsgott, da braucht man nur noch irgendein Volk, eine Person, ein Land, ein Titel, ein Amt oder ähnlich zu finden, das sich auf irgendeine Art und Weise mit dem Planeten Jupiter, dem Göttervater, oder einem Produkt dieses Namens in Verbindung gebracht werden kann. Kommt es nun zwischen den beiden zu einem Disput, und sterben dabei entweder Kinder, oder es leidet ihre Arbeit darunter, oder ähnlich, so hat sich die Profezeiung erfüllt. Ein Beispiel für die gültige Erfüllung meiner Profezeiung wäre: Im Jahre 2071 wird ein Raumschiff mit Namen «Jupiter» entwickelt. Das Militär (Mars) interessiert sich für dieses Projekt. Es kommt zum Streit (sie «bekriegen» sich) zwischen den Militärs (Mars) und den Ingenieuren (Jupiter). Als Folge davon wird das Budget beider Parteien gekürzt (ihre Kinder finden den Tod). Schon hat sich die Profezeiung erfüllt, obschon nie die Rede war vom Jahr 2071, vom Militär, Weltraumprogramm oder gar von einem Budget.

Würde jemand nun hunderte oder tausende solch unklarer Vorhersagen verbreiten, so würde er von vielen als Profet gefeiert, sobald einige glauben, es seinen «viele» dieser Profezeiungen eingetroffen, und nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit werden sehr viele davon «eintreffen», wenn sie nur unklar genug formuliert sind. In Horoskopen ist die Formulierung jeweils so vage und unpräzis, dass sie auf jeden mindestens ein bisschen zutreffen könnte. Hinzu kommt, dass Menschen falsche Profezeiungen vergessen (oder auf die Zukunft beziehen), während sie von Norhersagen, die ein bisschen zutreffen dermassen beeindruckt sind, dass sie sich lange daran erinnern. Ich nenne diesen Effekt das Nostradamusprinzip, auf dem auch Horoskope und Astrologie beruhen.

Das Nostradamusprinzip besagt: Wenn einer unzählige unklare, möglichst allgemeingültige Formulierungen von sich gibt, braucht er nur abzuwarten, bis er von einem Haufen Dummköpfe zum grössten Profeten aller Zeiten ernannt wird.

Profezeiungen betreffen Gegenwart oder Vergangenheit

Eine echte Profezeiung betrifft die Zukunft, sie wird vor ihrer Erfüllung festgehalten. Dies trifft zwar auf die Profezeiungen des alten Testaments zu, welche das Leben von Jesu betreffen, denn das alte Testament wurde nachweislich vor dem neuen geschrieben. Es trifft aber meist nicht zu für die Profezeihungen, die sich bereits im alten Testament erfüllt haben. Dort ist es sehr oft so, dass die Profezeiung ungefähr zur gleichen Zeit niedergeschrieben wurde, wie ihre Erfüllung stattfand. So ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich oft nicht um Profezeiungen handelt, sondern um Berichte über tatsächlich bereits eingetroffene Ereignisse.

Profezeiungen spiegeln Zeitgeist und Wünsche

Die Juden hassten Babylon, folglich gibt es viele Verwünschungen und Untergangsbeschreibungen gegen Babylon, oder Samara, oder andere Rivalen. Solche Aussagen können nicht wirklich als Profezeiungen aufgefasst werden, viel eher spiegeln sie den Zeitgeist und die Wünsche ihrer Autoren wieder. Da alle Grossreiche irgendwann zerfallen müssen und keine Herrschaft ewig währt, müssen sich solche Profezeiungen ohnehin irgendwann erfüllen. Genauso könnte ich «profezeien», dass die USA wieder klein und bescheiden werden wird. Auch dies wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit demnächst bewahrheiten. Dies ist die Lehre der Geschichte und spiegelt natürlich auch menen Wunsch wieder.

Profezeiungen sind aus dem Zusammenhang gerissen

Immer wieder aus dem Zusammenhang zitiert. Ein einzelner Vers soll eine Vorhersage auf die Zukunft machen, während alle anderen Verse um ihn herum ausgeblendet werden. Oft ist es so, dass ein Vers auf eine Person, ein Ort oder ein Ereignis bezogen wird, obschon bei genauerem Lesen klar wird, dass eine ganz andere Person, Ort oder Ereignis gemeint war.

Profezeiungen widerlegen die Bibel

Ob einzelne eingetroffene Profezeiungen überhaupt die Wahrheit oder die Göttlichkeit der ganzen beweisen würden, kann man insgesamt in Frage stellen. Die ganze Bibel ist voll von Profezeiungen und abergläubischem Unsinn. Als wahr gelten kann eigentlich jeweils nur das, was sich beweisen lässt. Wenn ein Vers wahr ist, sind deswegen nicht automatisch alle anderen Verse auch wahr. Im Gegenteil, die Bibel ist eine willkürliche Zusammenstellung alter Schriften, von denen nicht alle gleich korrekt sein müssen. Manche mögen historische Begebenheiten wiedergeben, andere voll und ganz erfunden sein, wieder andere sind eine Mischung aus beidem.

Auf der anderen Seite hingegen widerlegt ein einzuges unwahres Wort, eine einzige widerlegte Aussage und eine einzige nicht eingetroffene Profezeiung die Bibel als ganzes, damit ist ihre Erhabenheit und Göttlichkeit widerlegt, den ein Gott sollte sich irren. Solche Beispiele gibt es natürlich viele, man muss sich nur mal ansehen, an wievielen Fronten die Christen vergeblich gegen Wissenschaft, kritische Bibelforschung, Leben-Jesu-Forschung kämpfen müssen. Da ist die Ttatsache, dass der Schöpfungsmythos eine Lüge ist, dass Moses nie die Juden aus Ägypten geführt hat, dass vieles aus dem Leben Jesu erfunden ist, dass selbst die Evangelien gleiche Begebenheiten ungleich erzählen, und nicht zuletzt. Ausserdem ist da noch das Versprechen, oder die Profezeiung von Jesus, dass er innerhalb weniger Jahre, innerhalb einer Generation zurückkehren werde1). Da diese Profezeiung nicht eingetreten ist, hat Jesus gelogen, die Bibel die Unwahrheit berichtet.

Somit ist die Bibel widerlegt. Aus und Ende.2)

Beispiele für angeblich erfüllte Profezeiungen aus der Bibel

Psalm 22

Verschiedene Stellen in Psalm 22 werden als Profezeiung auf Jesus angesehen. All diesen Interpretationen ist folgendes gemeinsam:

Psalm 22,2

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
— Psalm 22,2

Nach Matthäus 27,46 und Markus 15,34) sollen das genau auch die Worte gewesen sein, die Jesus am Kreuz zu neunter Stunde gerufen haben soll. Es wurde also «vorhergesehen».

Einwände:

  • Jesus wurde passend gemacht. Was beweist uns, dass Matthäus den Ausspruch nicht erfunden, und Markus bei ihm abgeschrieben hat?
    • Nicht alle Evangelisten berichten dasselbe.
      Schon Lukas hat diesen Ausruf offenbar vergessen oder nicht gehört, genausowenig kann sich Lukas an den Einzug von Jesus in Jerusalem auf dem Eselsfohlen erinnern.
    • Selbst wenn Jesus dies tatsächlich gesagt haben sollte, so kannte auch Jesus die Psalmen. Vielleicht hat er den Spruch tatsächlich gesagt, aber nur weil er ihn zuvor in den Psalmen gelesen hat! Dies nenn man eine sich selbst erfüllende Profezeiung.
  • Der Text ist aus dem Zusammenhang gerissen, es steht nirgens, dass er sich auf Jesus bezieht. Gemäss Zusammenhang ist das eine Aussage von David, die Jesus nur wiederholt.
Denn Hunde haben mich umgeben, eine Rotte von Übeltätern hat mich umzingelt. Sie haben meine Hände und meine Füsse durchgraben.
— Psalm 22,17

Dieses Zitat wird als in der Kreuzigung erfüllt angesehen.

Auch hier ist David gemeint, nicht Jesus. Ausserdem ist diese Stelle besonders vage und wird in verschiedenen Übersetzungen unterschiedlich wiedergegeben.

Sie teilen meine Kleider unter sich, und über mein Gewand werfen sie das Los.
— Psalm 22,19

Dieses Zitat soll sich durch Matthäus 27,35 erfüllt haben:

Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los warfen.
Matthäus 27,35

Auch hier gilt wieder: Die Kreuzigung ist so etwas wie der Höhepunkt der Geschichte, die Matthäus erfunden hat. Er zieht alle Register. Deshalb, und nur deshalb treffen so viele der angeblichen Profezeiungen ausgerechnet auf die Vorgänge rund um die Kreuzigung zu. Natürlich kannte Matthäus den Psalm, und hat Jesus passend gemacht. Auch dies ist kein Beweis für die Göttlichkeit der Bibel, sondern eher für die Leichtgläubigkeit der Menschen.

Psalm 69,22

Und sie gaben mir zur Speise Gift, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.
— Psalm 22,19
Als aber einige von den Umstehenden es hörten, sagten sie: Der ruft den Elia. Und sogleich lief einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.
Matthäus 27,47-48

Dieselben Einwände wie oben:

Die Geschichte stammt von David, der gemeint war mit der ersten Person, und sie wurde passend gemacht.

Sacharija 11,12

Und ich sprach zu ihnen: Gefällt's euch, so gebt her meinen Lohn; wenn nicht, so lasst's bleiben. Und sie wogen mir den Lohn dar, dreissig Silberstücke.
— Sacharija 11,12

Dieser Text soll den Verrat von Judas an Jesus für 30 Silberstücke vorhersagen.

Einwände:

Hesekiel 22

Tyrus wird von gemäss Hesekiel 22 Nebukadnezar vernichtet.

Einwände:

Die Belagerung durch Nebukadnezar fand zwischen 586 und 573 v. Chr. statt, während die Entstehung des Buchs Hesekiel von der wissenschaftlichen Bibelforschung auf den Zeitraum zwischen 600 und 560 v. Chr. datiert wird.

Die Christen argumentieren dann, es gehe um die Einnahme durch Alexander 332. Dies zeigt nur, wie vage dieser Text ist, er kann auf zwei Ereignisse bezogen werden. Auch wird der Text hier zu grosszügig ausgelegt, denn Alexander ist nicht Nebukadnezar.

Lukas 21,6

Jesus soll gemöss Lukas 21,6 die Zerstörung von Jerusalem «vorhergesehen» haben. Nun, man soll nicht vergessen, dass alle Evangelien lange nach dem angeblichen Wirken von Jesus geschrieben wurden. Zwar soll Jesus um das Jahr 30 u.Z. gestorben sein, während die Römer Jerusalem im Jahr 70 u.Z. zersört haben. Die Entstehung des Lukas-Evangeliums hingegen wird von der wissenschaftlichen Bibelforschung auf etwa 80-90 u.Z. datiert, wodurch die Zerstörung Jerusalems bei der Niederschrift bereits Geschichte war. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Lukas die Vorhersage nicht erfunden hat.

Jesaja 27,6 und 55,13

Manche Interpretationen sind geradezu absurd. So soll das Zitat…

In den kommenden Tagen wird Jakob Wurzeln schlagen, Israel blühen und knospen; und sie werden mit Früchten füllen die Fläche des Erdkreises.
Jesaja 27,6

…den heutigen Handel Israels mit Zitrufrüchte vorhergesagt haben. Ein typischer Fall des Nostradamusprinzips, ebenso die Aussage, dass…

Statt der Dornsträucher werden Wacholderbäume aufschiessen, und statt der Brennesseln schiessen Myrten auf.
Jesaja 55,13

…die Vorhersage der «Programme zur Wiederaufforstung von Millionen frischer Bäume» sei, die in Israel in der jüngeren Vergangenheit unternommen wurden.

Die Rückführung der Juden

Ein oft gehörtes Argument für eine eingetroffene Profezeiung ist die Verstreung der Juden in alle Nationen, und ihre Rückführung nach Israel, welche die Christen mit dem (von Christen) gegründeten (und von Juden forcierten) Staat Israel als erfüllt betrachten.

Zu einem ganz grossen Anteil handelt es sich hier wohl um eine sich selbst erfüllende Profezeiung: Sowohl Juden (Zionisten), wie auch Christen haben hartnäckig und nachdrücklich darauf hingearbeitet, dass die Juden Palästina besetzen und einen Staat gründen konnten. Die sogenannte Profezeiung hat sich also nicht von selbst erfüllt, vielmehr haben die gläubigen Menschen, Christen und Juden, hart dafür gearbeitet, dass sich die Profezeiung erfüllt, die nun dieselben gläubigen Menschen als einen Beweis für die Richtigkeit der Bibel und die Erfüllung ihrer Profezeiungen verkaufen wollen. So etwas kann natürlich nicht als Beweis gewertet werden, das wäre absurd.

Es ist das gleiche, wie wenn ich vorhrsagen würde, dass ich nächstes Jahr in den Urlaub fahren werde, obschon ich vielleicht kein Geld dazu habe. Dann spare ich ein Jahr lang und arbeite hart, und schaffe es, dass ich tatsächlich in Urlaub fahren kann. Bin ich nun ein Profet, oder ein Gott, oder was? Hmmm, Opfer in Form von Geld nehme ich als Gott jederzeit gern reichlich entgegen. ;-)

Hesekiel

Was sagt die Bibel:

Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen. […] Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein.
Hesekiel 36.24,28

Das ist doch eingetroffen, oder?

Vermutlich bezieht sie sich auf einen Vorgang in der Vergangenheit, denn die «Juden» waren fast nie in ihrer Geschichte ein geschlossenes Volk, sondern versprengte Stämme, die immer wieder vertrieben wurden und spater zurückgekehrt sind. Die Bibel selbst berichtet immer wieder von den Vertreibungen, Kämpfen und Rückeroberungen.

Aber es spricht noch mehr gegen den Bezug auf das heutige Israel:

Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut. Und ich werde euch befreien von all euren Unreinheiten.
Hesekiel 36.26-27, 26.29

Ist das die Vorhersage über das Verhalten der Israeli gegen die Palästinenser? Die Israeli machen nicht gerade den Eindruck, sie seien «befreit von all euren Unreinheiten», im Gegenteil, sie führen sich auf wie die Bererker, ihr Verhalten im geraubten Land ist widerlich. — Andererseits ist das in der Bibel beschriebene blutrünstige Verhalten Gottes auch widerlich, von daher, wenn sein Ungeist in ihrem innern ist, erklärt das natürlich einiges…

Und es heisst weiter:

Und ihr werdet an eure bösen Wege denken und an eure Taten, die nicht gut waren, und werdet an euch selbst Ekel empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Greuel.
Hesekiel 36.31

Davon ist bei den israelischen Juden nichts zu erkennen.

Ausserdem spricht noch gegen den Bezug auf das heutige Israel:

Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, Herr: Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. Und ich werde meinen grossen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der Herr bin, spricht der Herr, Herr, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise.
Hesekiel 36.22-23

Diese Verse widerlegen die ganze Theorie, denn was sagen sie aus: Der Name Gottes wurde unter den Nationen von den Juden entweiht.

Auf heute bezogen stimmt das nicht: Die (gläubigen) Juden leben in der Fremde separiert vom Rest der Bevölkerung und entweihen den Namen ihres Gottes nicht.

Diejenigen, die den Namen Gottes in alle Nationen getragen und entweiht haben, sind nicht die Juden, sondern die Christen. Die Profezeiung stimmt somit nicht, oder kann zumindest nicht auf die heutige Situation bezogen werden.

Wie gesagt, eine Profezeiung muss exakt formuliert sein und exakt so eintreffen. Abweichungen widerlegen jede Profezeiung.

Christen könnten nun argumentieren (und das tun sie teilweise auch), die Juden seien von Gott abgefallen, hätten ihn entweiht, weil sie Jesus nicht als Erlöser akzeptiert hätten. Demzufolge müssten sich nun alle Juden in Israel zum Christentum bekehren, ansonsten wäre diese Profezeiung nicht erfüllt. Diese Vorstellung ist natürlich volkommen absurd, dennoch kann man die Behauptung ungehindert aufstellen, mit dem Hinweis, dass sich die Profezeiung in naher Zukunft erfüllen werde. Genauso wie die Christen seit 2000 Jahren nach wie vor behaupten, Jesus käme «gleich zurück».

Doch auch diese Interpretation kann dank der Bibel leicht widerlegt werden:

Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.
Hesekiel 36.25

Es geht nicht um die Ablehnung von Jesus, es geht nur um «Götzen». Der biblische Gott hat eine psychotische Abneigung gegen Konkurrenz, das sehen wir in der Bibel immer wieder, aber man kann nicht sagen, dass die Juden in der Verstreuung in irgendeiner nennenswerten Art und Weise anderen Göttern gedient hätten, im Gegenteil, sie pflegen ihren Glauben auf eine extreme Art, und separieren sich vom Rest der Bevölkerung, und das seit Jahrhunderten.

Zudem sollte gerade der folgende Nebensatz den Christen zu denken geben:

[…] und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein.
Hesekiel 36.28

Wenn die Profezeiung tatsächlich in Zukunft eintreffen sollte, so wird der Gott wieder ein Gott der Juden sein, kein Gott der Christen. Die Juden werden wieder sein auserwähltes Volk sein, und Geburt, nicht Glaube.

Doch die ganzen Verse sind reichlich vage und jede Interpretatin sehr hypothetisch, wildeste Spekulation. Die ganze Profezeiung ist wohl viel eher eine Wunschvorstellung ihres Autors. Keinesfalls aber ein Beweis für die Wahrheit der Bibel, mehr für die Absurdität der christlichen Vorstellungen davon, was ein Beweis ist. Es zeigt, an welchen Strohhalmen Christen ihren Glauben fetklammern müssen.

Jesaja

Ebenfalls als Ankündigung für die Rückkehr der nach Israel wird der folgende Vers gewertet:

Ich werde zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fernher und meine Töchter vom Ende der Erde,
Jesaja 43.6

Die Profezeiung ist, wer hätte das gedacht, wiedereinmal sehr vage.

Das ist nun eindeutig aus dem Zusammenhang gerissen und hat rein gar nichts mit der Staatsgründung von Israel zu tun, wie schon das Komma am Ende des Verses andeutet, denn der folgende Vers lautet:

jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja, gemacht habe!
Jesaja 43.7

Gemeint sind also nicht nur die Juden, sondern jeder Mensch, den Gott geschaffen hat. Nach der gängigen semitischer Auffassung hat Gott aber alle Menschen geschaffen (auch wenn die Bibel etwas anderes sagt), somit sind wohl alle Menschen damit gemeint, nicht nur die Juden. Gerade die Christen fühlen sich ja auch angesprochen, wenn von den Söhnen und Töchtern Gottes, die er erschaffen hat, die auf seinen Namen genannt (getauft) wurden, die Rede ist. Wenn nun gerade diese Christen den Vers hier nur auf die Juden und Israel beziehen, so entbehrt das nicht einer gewissen Ironie.

Weiter ist auch aus dem Zusammenhang nicht klar, wohin die Gotteskinder gebracht werden sollten, es heist nur «gebt her» und «haltet nicht zurück». Das auf die Staatsgründung von Israel zu beziehen, ist zu weit hergeholt, ein typischer Fall des Nostradamusprinzips.

Zudem widerlegt diese Auslegung der Profezeiung selbst, denn es steht im Zusammenhang:

Weil du teuer bist in meinen Augen und wertvoll bist und ich dich liebhabe, so gebe ich Menschen hin an deiner Stelle und Völkerschaften anstelle deines Lebens.
Jesaja 43.7

Israel wurde gegründet, aber Gott hat nicht ganze Völkerschaften anstelle des Lebens der Juden geopfert, im Gegenteil. Gott liess sein Ebenbild3) Adolf Hitler millionen von Juden ermorden. Nicht andere Völker wurden gemeuchelt anstelle der Juden, nein Gott hat Jakob selbst geopfert.

Fazit

Trotz intensiver Suche konnte noch keine Bibelstelle gefunden werden, aus der sich eine eindeutig formulierte Profezeiung ableiten lässt, die nachweislich zu einem späteren Zeitpunkt eingetroffen ist. Eine solche Profezeiung müsste den folgenden Anforderungen genügen, um als Beweis für die Göttlichkeit der Bibel gelten zu können:

  • Sie müsste im Zusammenhang eindeutig als Profezeiung zu erkennen sein.
  • Sie müsste eindeutig formuliert sein: Wann genau geschieht was genau und wie?
  • Sie müsste nachweislich zu einem späteren Zeitpunkt genau so wie profezeit eingetreten sein, für alle eindeutig zu erkennen.
  • Da die Bibel voll von vagen Andeutungen ist, dürfte eine einzelne erfüllte Profezeiung als Beweis nicht ausreichen, es sei denn, sie wäre wirklich überzeugend (auch für Nichtchristen).

Dies fehlt. Somit ist erwiesen: Es gibt keine eingetroffenen Profezeiungen, die beweisen würden, dass die Bibel Gottes Wort wäre. Die Bibel ist nach wie vor ein Buch wie jedes andere, ein wenig schlechter noch, und mit einem unverschämt frechen Anspruch an die eigene Bedeutung.

Leider haben die Christen durch ihren Glauben den Bezug zu Wahrheit und Realität verloren und jegliche Vorstellung davon, was glaubwürdig ist, was nicht, was als Beweis gelten werden kann und was nicht. Mit vagen Andeutungen und absurden Auslegungen, mit Wortspielen und Halbwahrheiten versucht man das einstürzende Glaubensgebäude zu retten. Das Christentum ist nicht auf Sand gebaut, es steht auf Treibsand, wenn es solche Argumentationen als «Beweise» anbringen muss.

Dies ist ausserdem ein zirkuläres Argument, es dreht sich im Kreis: Man will beweisen, dass die Bibel göttliche Wahrheit ist, also macht man eine Eigenschaft der Bibel zum Kriterium für Wahrheit, ohne dabei begründen zu können, warum dies ein objektives Kriterium sein soll. Vergleiche hierzu auch Keine Wahrheit aus Glaube.

Bewertung (03 argumente: 01 für: christentum: eingetroffene profezeiungen beweisen dass die bibel gottes wort ist)
Findest Du den Text überzeugend?
Ja, sehr. Ich war vorher anderer Meinung und habe diese Meinung nun geändert.2%(2)
Ja. Vorher war ich anderer Meinung, jetzt zweifle ich.2%(2)
Ja. Ich war vorher schon dieser Meinung und der Text hat mich darin bestärkt.25%(29)
Teilweise, er regt mich zum denken an.9%(11)
Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.1%(1)
Nein. Ich war vorher schon anderer Meinung und bleibe dies auch.11%(13)
Nein. Der Text hat mich in meiner gegenteiligen Ansicht bestärkt.51%(60)

Diskussion

Diskutiere den Inhalt dieser Seite unter:
Eingetroffene Profezeiungen beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist

1) In den Evangelien steht ganz klar und eindeutig eine Profezeiung, die sogar den Zeitrahmen ihrer Erfüllung klar definiert:
Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich.
Matthäus 16.28
Das bedeutet im Klartext, dass Jesus innerhalb weniger Jahre, innerhalb einer Generation, sicher aber noch vor dem Tod zumindest einiger der Zuhörer, der Jünger, zurückkommen würde. Alle Jünger, die damals dabei waren sind mittlerweile längstens verstorben. Wer dem widersprechen will, muss einige lebende Jünger von Jesus, die ihn persönlich kannten, vorweisen können, um zu widerlegen, dass Jesus gelogen hat. Diese Profezeiung hat sich nachweislich nicht erfüllt, somit ist die Bibel als ganzes widerlegt!
2) Wer kennt noch weitere Profezeiungen, die nicht eingetroffen sind? Bitte unten in der Diskussion anbringen.
3) Nach der Bibel ist jeder Mensch, auch Adolf Hiltler, ein Ebenbild Gottes:
Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! […] Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.
Genesis 1.26-27
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