Atheismus in der Schweiz
«Was wird uns retten? Der Glaube?
Ich will keinen Glauben haben und lege auch keinen Wert darauf, gerettet zu werden.»
Jules Renard, französischer Schriftsteller, 1864-1910, Ideen, in Tinte getaucht

Jesus Christus hat tatsächlich gelebt

Christen sind davon überzeugt, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und Gottes Sohn war.

atheismus.ch hingegen ist skeptisch in der Frage, ob Jesus überhaupt gelebt hat. Hingegen sind wir überzeugt davon, dass Jesus, falls er gelebt hat, ein ganz normaler Mensch war, nicht ein Gottessohn.

Hier sollen die Argumente gegeneinander abgewogen werden. Weitere Argumente können in der Diskussion eingebracht werden.

Argumente für das Leben von Jesus

Jesus wird in der Geschichtsschreibung erwähnt

Oft behaupten Christen, Jesus würde in der römischen Geschichtsschreibung erwähnt. Die Erwähnung von Jesus in der Geschichtsschreibung ist aber sehr spärlich. Gemäss der Wikipedia gibt es keine einzige auserchristliche Erwähnung von Jesus zu seinen Lebzeiten: «Die ältesten dieser Notizen tauchen frühestens 40 Jahre nach Jesu Tod auf.» Es geht sogar noch weiter: Niemals wurde Jesus selbst erwähnt, sondern nur die Urchristen, welche sich ihrerseits auf Jesus beriefen. Das heisst, es gibt in der römischen Geschichtsschreibung keinen einzigen Bericht über Jesus, der nicht auf Hörensagen beruht. Es gibt in der römischen Geschichtsschreibung keinen einzigen Bericht über Jesus, der zu seinen Lebzeiten verfasst wurde. Es gibt in der römischen Geschichtsschreibung keinen einzigen direkten Hinweis auf Jesus, sondern ausschliesslich nur auf die christlichen Gemeinden. Der einzige direkte Hinweis bei Tacitus, der von Christen gern zitiert wird, ist gemäss dem Historiker und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner erwiesenermassen eine Fälschung (vgl. Karlheinz Deschner, «Der gefälschte Glaube: Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe»).

Es wurde das Grab von Jesus gefunden

Ein besonders unüberlegtes Argument ist das, welches Hanna in die Diskussion eingebracht hat:

auch unter

Es geht um den angeblichen Fund des Grabes von Jesus, komplett mit Knochen. Im ersten Artikel steht dann aber sogleich: «Hier geht es um Geld und um Schlagzeilen», denn es geht um einen Film, für den so geworben werden sollte. Weiter steht: «‹Es ist eine sehr schöne Geschichte, aber es gibt keinen Beweis dafür›, dass es sich wirklich um die Ruhestätte von Jesus handelt.» Der genannte Verweis widerlegt die Theorie bereits, dass hier die Grabstätte von Jesus gefunden worden sei. Eigentlich schade, denn wenn man wirklich die Knochen von Jesus finden würde hätte das eine klare Konsequenz: Damit wäre bewiesen, dass Jesus nicht in den Himmel aufgefahren ist. Für die Christen wäre die Entdeckung des Grabes von Jesus mit seinen Knochen darin eine Gefahr, würde sie doch ihren Glauben widerlegen.

Als Beweis für die Existenz eines historischen Jesus taugt diese Geschichte jedenfalls nicht.

Argumente gegen das Leben von Jesus

Keine Erwähnung in der zeitgenössischen Schriften

Das römische Reich hatte eine hochentwickelte Zivilisation. Dazu gehörten eine für damalige Verhältnisse moderne Verwaltung und Geschichtsschreibung. Wichtige Ereignisse wurden daher mit grosser Wahrscheinlichkeit der Nachwelt schriftlich erhalten geblieben. Wäre ein Gottessohn auf Erden gewandelt und hätte dieser echte Wunder vollbracht, so wäre das sicherliche ein so wichtiges Ereignis gewesen, dass es niedergeschrieben worden wäre. Trotzdem findet sich kein Wort zu Jesus. Wie oben bereits dargelegt, hat niemand Jesus zu seinen Lebzeiten bemerkt. Kein Geschichtsschreiber hielt ihn für erwähnenswert. Kein Statthalter fand es notwendig, den Kaiser darüber zu unterrichten, dass Gottes Sohn auf Erden wandle. Die Tatsache, dass keine unabhängige (nichtchristliche) Person, welche Jesus gesehen hat, je einen Bericht darüber schrieb, die Tatsache, dass niemand so beeindruckt von Jesus war, dass er unmittelbar darüber berichtete, lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder hat Jesus nie gelebt, oder sein Leben war zur damaligen Zeit bedeutungslos, insbesondere vollbrachte er keine Wunder.

Die Wikipedia schreibt unter anderem zu diesem Thema: «Die jüdische Geschichtsschreibung war zur Zeit Jesu bereits recht ausgeprägt. Umso auffälliger ist das Schweigen wichtiger jüdischer Zeitzeugen des 1. Jahrhunderts zu Jesus. Weder Philo von Alexandria, der als Kenner der Sekten Palästinas galt, noch Justus von Tiberias, der in Jesu Nachbarschaft in Galiläa lebte und schrieb, erwähnen ihn in ihren Werken.»

Insgesamt spricht die fehlende Erwähnung von Jesus in zeitgenössischen antiken Schriften eher gegen seine Historizität, sicher aber gegen seine Bedeutung als Gottessohn.

Kein Evangelium entstand zur Lebzeit von Jesus

Erstaunlich ist auch, dass selbst die kanonischen Evangelisten erst lange nach dem Tod von Jesus begannen, sein Leben niederzuschreiben. Kein einziger Evangelist hat seine Erlebnisse unmittelbar aufgeschrieben. Das älteste Evangelium, das von Markus, entstand ca. im Jahre 50, also als Jesus beinahe schon zwanzig Jahre lang tot (oder im Himmel) war. Wieso schreiben die Evangelisten zuvor nichts auf? Eine plausible Erklärung hier ist, dass es Jesus nicht gab. Sie haben aus Erzählungen, aus Märchen um einen Messias, oder vielleicht auch aus vielen Geschichten über mehrere Erlöser, Geschichten zusammengetragen und diese in der Figur des «Jesus von Nazareth» vereinheitlicht. Spätere Evangelisten, nach Markus, kannten dessen Niederschrift und haben versucht, diese noch zu verbessern. Das würde zumindest auch erklären, weshalb Jesus von den älteren zu den jüngeren Evangelisten immer wunderbarer wird und plötzlich mehr und grössere Wunder vollbracht haben soll.

Die Leben-Jesu-Forschung

Die Leben-Jesu-Forschung startete mit dem Ziel, den historischen Jesus zu finden und endete mit einer Zweiteilung: Dem Jesus Christus der Glaubens auf der einen Seite, und dem historischen Jesus von Nazaret auf der anderen Seite. Es hat sich gezeigt, dass die beiden nicht identisch sind, unabhängig davon, ob letztere je gelebt hat. Die Faktenlage für einen historischen Jesus ist recht schwach.

Fazit

Für atheismus.ch spielt es keine Rolle, ob Jesus (als Mensch) gelebt hat oder nicht. Aufgrund fehlender Beweise gehen wir davon aus, dass es nie einen Menschen namens «Jesus von Nazareth» gab. Aufgrund der Faktenlage betrachten wir es als bewiesen, dass Jesus von Nazareth kein Gottessohn war, falls diese Person gelebt haben sollte.

Die naheliegende Annahme ist, dass es Jesus von Nazareth nicht gab, und dass er eine fiktive Persönlichkeit war, die von den Evangelisten für ihre Zwecke gestaltet wurde. Seine Entstehung ist erklärbar, wie die der Cargo Kulte: Aus Erzälhungen, Wünschen und Überlieferungen entsteht eine Person, der Wunder zugedichtet werden und von der man sich Frachtgut, oder eben Erlösung erhofft.

Die andere Variante ist, dass Jesus ein Mensch war, der eine Sekte gründete und mit seinen Jüngern auf den nahen Weltuntergang wartete. Dabei mag er den einen oder anderen Zaubertrick aufgeführt haben, echte Wunder waren aber sicherlich nicht dabei. Er tat nichts, was ihn aus der Masse der Erlösungsprediger hervorhob, nichts was ihn für damalige Geschichtsschreiber intressant gemacht hätte. Erst nachdem seine Sekte eine gewisse Bedeutung erlangt hatte, lange nach seinem Tod, wurde der eine oder andere Hinweis auf die Urchristen in nichtchristliche Texte aufgenommen.

Die dritte Variante, dass Jesus gelebt hatte und ein Gottessohn und Wundertäter war, kann aufgrund der Faktenlage ausgeschlossen werden. Es spricht alles gegen diese Variante.

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Diskussion

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Jesus Christus hat tatsächlich gelebt

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