Atheismus in der Schweiz
«Wem dient also der Glaube? Einzig und allein einigen Menschen, die sich des Glaubens bedienen, um die Menschheit zu unterjochen.» Paul Thiry D'Holbach

Die «Pascalsche Wette»

Genau genommen ist die Pascalsche Wette nicht ein Argument für «Gott» (was immer man darunter auch verstehen mag), sondern für den Glauben an einen Gott.

Blaise Pascal schlug vor, immer an den christlichen Gott zu glauben. Dies sei stehts die bessere Wette:

  • Wenn Gott existiert, und man glaubt an ihn, kommt man in den Himmel.
  • Wenn Gott existiert, und man glaubt nicht an ihn, kommt man in die Hölle.
  • Wenn Gott nicht existiert, hat man in beiden Fällen nichts verloren.

Also könne man auf der einen Seite nur gewinnen, auf der anderen nur verlieren. Dies ist ein schlimmer Fehlschluss.

Widerlegung der Pascalschen Wette

Es gibt nicht nur «entweder»-«oder»

Pascal vereinfacht die Frage nach der menschlichen Herkunft in unzulässiger Weise auf die Wahl zwischen zwei Alternativen.

Pascal meint, wenn man an Gott glaube, komme man in jedem Fall in den Himmel. Diese Annahme ist total falsch. Die Katholiken glauben, dass nur sie den rechten Glauben hätten. Die Reformierten sind da zwar etwas toleranter, aber es gibt unzählige andere Absplitterungen und Sekten, die sich als einzig-auserwählt glauben, so z.B. die Neuapostolen und bestimmt auch die Mormonen. Nun kommt es also bereits darauf nicht mehr nur darauf an, an einen Gott zu glauben oder nicht, sondern man muss auch noch Mitglied in der richtigen Kirche sein. Die Gewinnwahrscheinlichkeit ist bereits drastisch reduziert. Nun kommt noch hinzu, dass man bisher nur auf das Christentum gesetzt hat. Was ist, wenn die Juden recht haben, oder die Moslems, oder die Hindus, oder die Buddhisten, oder… – und all diese Religionen sind wiederum in viele Sekten, Lehren und Schulen aufgesplittert.

Das Pech mit dem Christengott

Der christliche Gott hat gezeigt, dass er extrem empfindlich ist darauf, ob jemand den exakt richtigen Glauben hat, oder nicht.

Wer nun an den Christengott glaubt, hat ein zusätzliches Problem: Dieser Gott ist extrem eifersüchtig! Wenn jemand an den falschen Gott glaubt, kann dieser Gott gut und gern mal ein ganzes Volk ausrotten. Wer sich nicht unterwürfig genug benimmt, wird bei ihm vernichtet. Die Gefahr ist gross, dass man in die Hölle geworfen würde, in das unauslöschliche Feuer1), nur weil man irgendeine Kleinigkeit falsch gemacht hat, z.B. weil man die Ketzer verschont hat, statt sie umzubringen, oder umgekehrt. Wer weiss den nun bei den vielen Lehren, was richtig ist und was falsch? Soll man die Schwulen nun steinigen, oder nur ins Gefängnis werfen, oder gar ihnen vergeben? Wehe dem, der das Falsche tut, in den Augen des biblischen Tyrannen!

Ein wichtiger Punkt geht dabei vergessen, besonders wenn man Strafandrohungen und Höllenqualen für Unglaube mit ins Spiel bringt: Wenn Gott mich so geschaffen hat, dass ich ihn nicht erkennen kann, wer ist dann schuldig, dass ich ihn nicht erkenne, Gott oder ich?

«Wenn Gott nicht existiert, hat man nichts verloren»

Man hat sehr wohl etwas zu verlieren: Das Leben!

Mit dem Glauben allein ist es nicht getan, dies ist der grösste Irrtum an der Pascalschen Wette. Zumindest bedingt der Glaube an den christlichen Gott einiges ab: Enthaltsamkeit und Bescheidenheit ist gefordert. Sex, Ehrgeiz, Streben nach Macht und Ruhm ist verpönt. Den weltlichen Dingen sollte man entsagen, sich dafür aber auf das Jenseits vorbereiten. Regelmässiger Kirchenbesuch und fleissiges Beten ist angesagt, die Ablieferung des Zehnten oder der Kirchensteuer, sowie bedingungsloser Gehorsam gegenüber der kirchlichen Obrigkeit wird vorausgesetzt.

Die erneuerte Wette

Die Pascalsche Wette ist widerlegt. Aber sie kann ohne weiteres so umformuliert werden, dass sie zutrifft:

Befolge diese Grundsätze:

  • Geniesse Dein Leben, als ob Du nur eines hättest.
  • Lebe Dein Leben so, dass Du es jederzeit vor Dir selbst verantworten kannst.
  • Achte auf Deine Gesundheit und achte die anderen Menschen.
  • Akzeptiere Dich mit all Deinen Fehlern, aber bessere sie, wenn Du kannst.
  • Kenne Deine Grenzen.
  • Sei stehts auf der Suche nach Wahrheit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
  • Glaube nichts! Verlasse Dich auf die Fakten und bewerte sie mit Bedacht.
  • Verschwende keinen Gedanken an Religionen2)

Kurz gesagt:

  1. Mache das Beste aus Deinem Leben, führe es so gut Du kannst!
  2. Leg Wert auf Dein eigenes Urteil.
  3. Aber ignoriere alle, die Dir Vorschriften machen wollen (inklusive atheismus.ch)!

Mathematische Spielerei

Der Gewinn bei dieser Strategie (in Klammer die Wahrscheinlichkeit des Eintritts3)):

  • Wenn kein Gott existiert, hast Du ein gutes und angenehmes Leben geführt. (99,99999%)
  • Wenn ein Gott existiert, oder sonst eine Religion recht hat, gibt es mehrere Möglichkeiten: (0,000001%)
    • Es ist ein guter Gott: (0,000000000001%)
      • Er wird Deine Ehrlichkeit und Dein Bemühen um einen guten Lebenswandel schätzen!
      • Du kommst in den Himmel oder erhälst eine andere Belohnung.
    • Es ist ein böser Gott: (0,000000000008%)
      • Es kommen sowieso alle in die Hölle, ausser den grössten Mördern der Menschheitsgeschichte.
      • Es wäre ethisch nicht zu verantworten, einem solchen Gott zu dienen. Die Hölle ist die bessere Option!
    • Es gibt keinen Gott, aber Du wirst wiedergeboren, oder kommst ins Nirwana: (0,000000000001%)
      • Du kannst Dich für Dein Leben verantworten und hast nichts zu befürchten.
    • Es ist ausgerechnet der christliche Gott: (0%)
      • Du wirst verdammt, weil Du nicht an ihn geglaubt hast.
      • Es wäre ethisch nicht zu verantworten, einem solchen Gott zu dienen. Die Hölle ist die bessere Option!
      • Der christliche Gott ist genügend widerlegt. Es ist klar, dass es ihn so wie in der Bibel beschrieben nicht geben kann.
    • Irgendeine andere Religion hat recht: (0,00000999999%)
      • Tja, wer weiss, was dann wäre…?

Fazit

Die Pascalsche Wette ist eindeutig widerlegt.

Die Pascalsche Wette kann man nicht gewinnen. Sie ist schlicht und einfach dumm und unüberlegt. Man fährt aber bestimmt nicht schlecht, wenn man die erneuerte Wette eingeht. Damit entfällt jedenfalls die Gefahr, dass man ob all der religiösen Vorschriften das diesseitige Leben vernachlässigt. Was ist, wenn wir doch nur das eine Leben hier auf Erden haben? Carpe Diem!

Siehe auch: Unglaube ist ungefährlich

Bewertung (03 argumente: 01 für: gott: die pascalsche wette)
Findest Du den Text überzeugend?
Ja, sehr. Ich war vorher anderer Meinung und habe diese Meinung nun geändert.3%(5)
Ja. Vorher war ich anderer Meinung, jetzt zweifle ich.1%(1)
Ja. Ich war vorher schon dieser Meinung und der Text hat mich darin bestärkt.25%(45)
Teilweise, er regt mich zum denken an.7%(12)
Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.6%(10)
Nein. Ich war vorher schon anderer Meinung und bleibe dies auch.8%(15)
Nein. Der Text hat mich in meiner gegenteiligen Ansicht bestärkt.51%(90)
2) Atheismus.ch verschwendet zwar auch viel Zeit mit Religionen, wenn auch nur, um sie zu widerlegen, und Menschen vor selbstverschuldeter Unmündigkeit zu bewahren, aber es ist halt niemand perfekt – und solange die Beteiligten an atheismus.ch ihren Spass dabei haben, geht das wohl in Ordnung. ;-)
3) Die Zahlen unterliegen einer gewissen Willkür in der Schätzung, sollten aber die Realität annähernd korrekt wiedergeben. Nach all dem, was auf diesen Seiten zusammengetragen wurde, ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Gott gibt, ohnehin praktisch gegen Null geht. Zudem ist Angesichts des Leidens auf dieser Welt die Wahrscheinlichkeit grösser, dass «Gott» böse ist, wenn es tatsächlich einen geben sollte. Man sollte daher sein Leben nach der grössten Wahrscheinlichkeit ausrichten, und die lautet: Es gibt keine Götter
Seitenzugriffe seit 19.01.2009: hier: 10106, atheimus.ch insgesamt: 1218635; Bewertungen: 178
Wiki-Verweis auf diese Seite: [[:03_argumente:01_für:gott:die_pascalsche_wette]]
Nächste Seite