Atheismus in der Schweiz
«In dunklen Zeiten wurden die Völker am besten durch die Religion geleitet, wie in stockfinstrer Nacht ein Blinder unser bester Wegweiser ist; er kennt dann die Wege und Stege besser als ein Sehender. Es ist aber töricht, sobald es Tag ist, noch immer die alten Blinden als Wegweiser zu gebrauchen.» Heinrich Heine, deutscher Dichter, 179-1856, Aforismen und Fragmente

Es gibt zwei widersprüchliche Schöpfungsmythen

In der Bibel stehen zwei Schöpfungsmythen, die sich gegenseitig widersprechen. Offensichtlich ist die Bibel eine zusammenstellung, ein Kanon von älteren Sagen und Märchen. Die Widersprüchlichkeit, nicht nur in diesem Punkt, beweist vor allem eines: Entweder ist die Bibel nicht Gottes Wort, oder Gott lügt.

Die Reihenfolge der Schöpfung nach den beiden Varianten
1. Mythos
Genesis 1.1-2.4
2. Mythos
Genesis 2.4-25
→ 1. Tag
Himmel und Erde
Licht: Tag und Nacht

→ 2. Tag
Aus Wasser entspringt der Himmel1)

→ 3. Tag
Wasser wird vom Land getrennt
Gras und Samenhaltiges Kraut wächst, sowie Fruchtbäume

→ 4. Tag
Sonne, Mond und Sterne

→ 5. Tag
Wassertiere, Seeungeheuer
Vögel

→ 6. Tag
Landtiere
Mensch, Mann und Frau gleichzeitig
Himmel und Erde

Gesträuch

Mensch: Gleichentags wie Himmel und Erde!

Garten Eden

Tiere hier als «Hilfe» für den Menschen

Frau aus der Rippe, die «Männin»

Widersprüche

  1. Am gleichen Tag wie Erde und Himmel (vorher 1. oder 2. Tag) wurde der Mensch geschaffen (vorher 6. Tag)!
  2. Nun wird angeblich erst der Mensch erschaffen (vorher: 6. Tag), dann die Tiere (vorher 6. Tag, vor dem Menschen) inklusive der Vögel (vorher: 5. Tag)
  3. Mann und Frau wurden vorher zusammen geschaffen (am 6. Tag), nun kommt erst der Mann, dann die Tiere dann erst die Frau, weil keines der Tiere dem Mann eine Hilfe sei.
  4. Nun ist die Frau plötzlich aus einer Rippe des Mannes gemacht, und damit nicht mehr gleichberechtigt.

Hier liegt eindeutig ein klarer Widerspruch zum vorhergehenden Sechstagemärchen vor:

An dem Tag, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, – […] – da bildete Gott, der Herr, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele. — Genesis 2.4,2.7

Der Zusammenhang kann leicht übersehen werden, weil er durch einen langen Einschub zwischen zwei Gedankenstrichen unterbrochen wird.

Ein gläubiger Mensch wird nun nach Ausreden suchen, um die Unterschiede weg zu diskutieren. Ein aufrichtiger Mensch aber muss erkennen, dass die Unterschiede den göttlichen Status der Bibel unwiderruflich widerlegen. Derartige Widersprüche gibt es in der Bibel unzählige, was nicht verwundert, wenn man erkannt hat, dass die Bibel weiter nichts ist, als eine von Menschenhand redigierte Zusammenstellung von Mythen und Legenden, die in einen historischen Kontext gestellt wurden.

Die beiden Schöpfungsmythen der Bibel wörtlich gegenübergestellt

Hier noch der Beweis durch Gegenüberstellung der Bibelstellen:

1. Mythos
Genesis 1.1-2.4
2. Mythos
Genesis 2.4-25
1.1 Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.
1.2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.
1.3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht. 1.4 Und Gott sah das Licht, dass es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis. 1.5 Und Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein Tag.
1.6 Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern! 1.7 Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so. 1.8 Und Gott nannte die Wölbung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag.
1.9 Und Gott sprach: Es sollen sich die Wasser unterhalb des Himmels an einen Ort sammeln, und es werde das Trockene sichtbar! Und es geschah so. 1.10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Ansammlung der Wasser nannte er Meere. Und Gott sah, dass es gut war. 1.11 Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut, das Samen hervorbringt, Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte tragen nach ihrer Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so. 1.12 Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. 1.13 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein dritter Tag.
1.14 Und Gott sprach: Es sollen Lichter an der Wölbung des Himmels werden, um zu scheiden zwischen Tag und Nacht, und sie sollen dienen als Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten und Tagen und Jahren; 1.15 und sie sollen als Lichter an der Wölbung des Himmels dienen, um auf die Erde zu leuchten! Und es geschah so. 1.16 Und Gott machte die beiden grossen Lichter: das grössere Licht zur Beherrschung des Tages und das kleinere Licht zur Beherrschung der Nacht und die Sterne. 1.17 Und Gott setzte sie an die Wölbung des Himmels, über die Erde zu leuchten 1.18 und zu herrschen über den Tag und über die Nacht und zwischen dem Licht und der Finsternis zu scheiden. Und Gott sah, dass es gut war. 19 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein vierter Tag.
1.20 Und Gott sprach: Es sollen die Wasser vom Gewimmel lebender Wesen wimmeln, und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels! 1.21 Und Gott schuf die grossen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen die Wasser wimmeln, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. 1.22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde! 1.23 Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein fünfter Tag.
1.24 Und Gott sprach: Die Erde bringe lebende Wesen hervor nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und wilde Tiere der Erde nach ihrer Art! Und es geschah so. 1.25 Und Gott machte die wilden Tiere der Erde nach ihrer Art und das Vieh nach seiner Art und alle kriechenden Tiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.
1.26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen! 1.27 Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 1.28 Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt die Erde, und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen! 1.29 Und Gott sprach: Siehe, ich habe euch alles samentragende Kraut gegeben, das auf der Fläche der ganzen Erde ist, und jeden Baum, an dem samentragende Baumfrucht ist: es soll euch zur Nahrung dienen; 1.30 aber allen Tieren der Erde und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, in dem eine lebende Seele ist, habe ich alles grüne Kraut zur Speise gegeben. 1.31 Und es geschah so. Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.
2.1 So wurden der Himmel und die Erde und all ihr Heer vollendet. 2.2 Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. 2.3 Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte. 2.4 Dies ist die Entstehungsgeschichte der Himmel und der Erde, als sie geschaffen wurden.
An dem Tag, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, 2.5 — noch war all das Gesträuch des Feldes nicht auf der Erde, und noch war all das Kraut des Feldes nicht gesprosst, denn Gott, der Herr, hatte es noch nicht auf die Erde regnen lassen, und noch gab es keinen Menschen, den Erdboden zu bebauen; 2.6 ein Dunst aber stieg von der Erde auf und bewässerte die ganze Oberfläche des Erdbodens, 2.7 — da bildete Gott, der Herr, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.
2.8 Und Gott, der Herr, pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. 2.9 Und Gott, der Herr, liess aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. 2.10 Und ein Strom geht von Eden aus, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilt er sich und wird zu vier Armen. 2.11 Der Name des ersten ist Pischon; der fliesst um das ganze Land Hawila, wo das Gold ist; 2.12 und das Gold dieses Landes ist gut; dort gibt es Bedolach-Harz und den Schoham-Stein. 2.13 Und der Name des zweiten Flusses ist Gihon; der fliesst um das ganze Land Kusch. 2.14 Und der Name des dritten Flusses ist Hiddekel; der fliesst gegenüber von Assur. Und der vierte Fluss, das ist der Eufrat. 2.15 Und Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren. 2.16 Und Gott, der Herr, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen; 2.17 aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben!
2.18 Und Gott, der Herr, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 2.19 Und Gott, der Herr, bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde; und genau so wie der Mensch sie, die lebenden Wesen, nennen würde, so sollte ihr Name sein. 2.20 Und der Mensch gab Namen allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber für Adam fand er keine Hilfe, ihm entsprechend.
2.21 Da liess Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; 2.22 und Gott, der Herr, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen. 2.23 Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heissen, denn vom Mann ist sie genommen. 2.24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden zu einem Fleisch werden. 2.25 Und sie waren beiden nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.
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Es gibt zwei widersprüchliche Schöpfungsmythen

1) Geschah das nicht schon am 1. Tag?
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