Atheismus in der Schweiz
«Oh, wir haben dich gesucht, Gott, in jeder Ruine, in jedem Granattrichter, in jeder Nacht. Wir haben dich gerufen. Gott! Wir haben nach dir gebrüllt, geweint, geflucht! Wo warst du da, lieber Gott?» Wolfgang Borchert, deutscher Dichter, 1921-1947, «Draussen vor der Tür»

Die Arbeit von Benjamin Libet

Den Anstoss für diesen Artikel gab eine Rezension über Benjamin Libets neustes Buch «Mind Time – Wie das Gehirn Bewusstsein produziert» in der Zeitschrift «Spektrum der Wissenschaft» vom Juli 2005 auf Seite 104. Weitergehende Informationen entstammen der Wikipedia.

Benjamin Libet ist ein amerikanischer Fysiologe und fanatischer Anhänger des Dualismus. Seit dem Ende der 1950er Jahre betreibt er Hirnforschung mit dem Ziel, Beweise dafür zu finden, dass das Bewusstsein nicht ausschliessliches Produkt von Neuronen ist, sondern dass umgekehrt der menschliche Geist, das Bewusstsein, Einfluss auf die Neuronen im Gehirn hat. Seine Experimente sind weltberühmt, zeigen aber nicht das von ihm gewünschte Resultat. Im Gegenteil, all seine Experimente legen nahe, dass der menschliche Geist ein ausschliessliches Produkt der Arbeit von Neuronen im Gehirn ist. Der Geist steuert nicht den das Gehirn, das Gehirn ist der Geist. Die Willensbildung ist eine körperliche Aktivität, genauso wie das Atmen.

Benjamin Libet selbst ist eigentlich eine tragische Figur. Sein ganzes wissenschaftliches Leben hat er damit verbracht, den Dualismus zu beweisen, stattdessen hat er ihn widerlegt. Alle Libet Experimente belegen, wie stark geistige Erlebnisse – ob Wahrnehmungen oder Entschlüsse – von vorhergehenden unbewussten Hirnvorgägen abhängen. Leider zieht er daraus nicht die logische Konsequenz und akzeptiert den Materialismus als logische und wahrscheinliche Alternative. Stattdessen streitet er sich in Verkennung seiner eigenen Resultate weiter für den Dualismus. Weil er keine handfesten Beweise für den Dualismus erbringen konnte, begnügt er sich mit Plädoyers, was sich in seinem neuesten – und Angesichts seines Alters von neunzig Jahren wohl auch letzten – Buch im Nachdruck einer Kampfschrift manifestiert.

Wenn ein intelligenter Mensch, wie Benjamin Libet, ein Leben lang Forschung betreibt, mit dem Ziel, den Dualismus zu beweisen, dabei aber mit seriösen Untersuchungen Resultate erzielt, die eher den Dualismus widerlegen, als ihn zu beweisen, dann kann man den Dualismus wohl zu Recht als widerlegt fallen lassen. Immerhin kann man Benjamin Libet nicht vorwerfen, bei seinen Forschungen für eine Widerlegung des Dualismus voreingenommen gewesen zu sein. Tragisch ist nur, dass er offenbar als einziger sich von seinen eigenen Resultaten nicht überzeugen lässt.

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