Atheismus in der Schweiz
«Was ist der Unterschied zwischen dem «Lone Ranger» und Gott? — Den «Lone Ranger» gibt es tatsächlich. (Anmerkung von atheismus.ch: «The Lone Ranger» war eine langjährige Radio- und Fernsehserie)» Edward Abbey, amerikanischer Schriftsteller und Humorist, 1927-1989

Der Zufall kann nichts erklären

Dieses Argument stammt aus einem Telepolis Artikel.

Behauptung

Zufallsmutationen spielen in der Darwinistischen Evolutionstheorie eine entscheidende Rolle. Aber schon eine einzelne Zelle ist so komplex, dass sie nicht auf dem Wege des Zufalls entstehen kann.

Antwort

Dieses Argument greift geschickt zwei Begriffe auf - Zufall und Komplexität - zu denen wohl die meisten Menschen intuitiv-dezidierte Ansichten haben. Spontane Meinungsäußerungen wie «den Zufall gibt es nicht» sind immer wieder anzutreffen. Die fysikalischen Aussagen der Quantenmechanik, in der – trotz intensiver, gegenteiliger Bemühungen – keine verborgenen, deterministischen Parameter entdeckt werden konnten, sondern nur der «reine Zufall», spielen für solche Meinungen offensichtlich keine Rolle.

Das Kreuz mit dem Zufall

Es gibt inzwischen handfeste Belege dafür, dass Menschen grundsätzliche wahrnehmungsfysiologische und begriffliche Probleme mit dem Zufall haben. Es ist ihnen beispielsweise praktisch unmöglich, Folgen von Zufallszahlen zu erzeugen. Werden Probanden aufgefordert, hinreichend lange Zufallsfolgen aus Nullen und Einsen zu erzeugen, so generieren sie beispielsweise die ihnen besonders unwahrscheinlich erscheinende Sequenzen wie «1111» oder «00000» weitaus seltener, als es der mathematische Zufall tun würde. Untersuchungen von Peter Brugger an der Universität Zürich haben zudem gezeigt, dass Probanden detaillierte «Gesetze» für ihnen präsentierte Szenarien erfinden, die in Wahrheit jedoch rein zufällig erzeugt worden waren. Der Zufall kommt in unserem aktiven und passiven psychologischen Repertoire nicht vor – also lehnen viele Menschen sein Auftreten und seine Relevanz spontan ab. Leichtes Spiel für Evolutionsgegner.

Es ist zu vermuten, dass genau wegen dieser psychologischen Grundeinstellung die Argumente der Verteidiger der Evolution bei vielen Menschen einfach ins Leere laufen. Die Evolutionswissenschaftler versuchen meist, rational aufgrund der biologischen Faktenlage zu argumentieren. Die unbewussten, psychologischen Hürden, die bei den Gegnern erst einmal überwunden werden müssten, damit diese überhaupt in der Lage sind, sich auf rationale Argumente einzulassen, sind meist gar nicht bekannt.

Komplexität und Zufall

Ähnlich ist es mit dem Begriff der «Komplexität», der jedoch erst im Zusammenhang mit dem Zufall seine volle antievolutionäre Bedeutung entfalten kann. Michael J. Behe, ein Vorreiter des der Intelligenter-Entwurf-Bewegung, argumentiert vorzugsweise mit der angeblich «nicht-reduzierbaren Komplexität» von Molekülen oder Zellen. Würde man nur einen Bestandteil, etwa eine Organelle, einer hoch entwickelten, eukaryontischen Zelle entfernen, so könne die Zelle nicht mehr existieren. Es sei also vollkommen ausgeschlossen, dass sich solche Zellen, wie von Darwin behauptet, schrittweise, aufgrund zufälliger Mutationen, entwickelt hätten. Sie müssten, um lebensfähig zu sein, von Anfang an alle Bestandteile komplett enthalten haben.

Ein seit Jahrzehnten immer wieder angeführtes Beispiel gegen die Evolution in diesem Zusammenhang ist die Komplexität des Cytochrom-c-Moleküls. Schon vor 25 Jahren widmete sich Hoimar von Ditfurth deshalb diesem Thema. Er widerlegte in seinem Buch «Wir sind nicht nur von dieser Welt» die Behauptung, das Molekül hätte nicht durch evolutionäre Mechanismen entstehen können. Wohl gemerkt, er tat dies nicht in einem Buch, in dem er eine vehemente Attacke gegen die Kreationisten ritt, sondern in einem, in dem er als Wissenschaftler auf die Religionen zugehen wollte.

Ähnlich fällt die spontane, oberflächliche Bewertung von Anti-Evolutionisten aus, wenn es um komplexes Verhalten geht. Beispielsweise feierte der im letzten Jahr in die Kinos gekommene Dokumentarfilm «Die Reise der Pinguine» bei Intelligenter-Entwurf-Anhängern und Kreationisten vor allem deshalb Erfolge, weil das merkwürdige, scheinbar selbstlose Verhalten der erwachsenen Pinguine «ganz offensichtlich zu komplex» sei, um evolutionär erklärbar zu sein. Diese Wahrnehmung ist jedoch vor allem der rational schwer nachvollziehbaren Machart des Filmes anzukreiden: Es ist eine unverzeihliche Schwäche des Films, dass die Pinguine in ihm vollkommen vermenschlicht dargestellt werden und die längst bekannten Mechanismen der Selektion, der sie unterworfen sind, und die ihr scheinbar so mysteriöses Verhalten verständlich machen, nicht einmal ansatzweise erklärt werden.

Siehe auch: Es ist zuviel Zufall im Spiel

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Der Zufall kann nichts erklären

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