Atheismus in der Schweiz
«Wenn man mir sagt, es gebe Dinge, die über unsere Vernunft hinausgehen, so kann mich das nicht veranlassen, Unsinn zu glauben. Zweifellos gibt es Dinge, die über unsere Vernunft gehen; aber ich verwerfe kühn alles, was ihr widerstreitet, und alles, was gegen sie verstösst.» Denis Diderot, franz. Schriftsteller und Filosof, 1713-1784

Die Existenz eines Schöpfers ist offensichtlich

Dieses Argument stammt aus einem Telepolis Artikel.

Behauptung

Niemand käme auf den Gedanken, dass eine Uhr oder eine Kamera «einfach so, durch Zufall» entstehen könnte. Diese Gegenstände sind offensichtlich von einem intelligenten, schöpferischen Menschen erschaffen worden. Also sind die in der Natur zu findenden, funktional analogen Organe, wie beispielsweise das perfekte menschliche Auge, offensichtlich auch erschaffen worden.

Antwort

Menschen sind die einzigen Lebewesen auf der Erde, die bewusst schöpferisch tätig sein können und dies mit kausalem Handeln verbinden. Egal, wie unterschiedlich die individuelle schöpferischen Potenz auch sein mag zwischen Hobbymaler und Picasso, Rätselfreund und Einstein, für jeden von uns ist das «Erschaffenkönnen» ein selbstverständlicher, gewohnter Bestandteil unserer Fähigkeiten. Wir bauen eine Kamera zu dem Zweck, Bilder zu erstellen. Also gehen wir selbstverständlich davon aus, dass ein Kamera-analoges Organ wie unser Auge zu dem Zweck erschaffen wurde, uns sehen lassen zu können. Somit entpuppt sich das Argument, die Entstehung komplexer Organe bedürften offensichtlich eines Schöpfers, vor allem als ein unkreativ-engstirnig anthropozentrisches.

Kulturhistorische Amnesie

Das wirklich Erstaunliche an dem Design-Argument ist, dass es zwar heute als neu verkauft wird, in Wahrheit jedoch viel älter ist als die Evolutionstheorie. Die naturalistische Biologie des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts fusste darauf. Es war der Versuch, mit naturwissenschaftlichen Mitteln das Vorhandensein von Design und Zielgerichtetheit nachzuweisen, und somit Gott selbst. Naturalismus und Theologie gehörten zusammen. Daher musste jemand, der Biologe werden wollte, ganz selbstverständlich auch Theologie studieren. So erging es übrigens auch Charles Darwin. Er war kein Theologe aus Neigung, wie immer wieder behauptet wird, sondern jemand, der notgedrungen theologische Fächer belegen musste um sich mit dem zu beschäftigen, was ihn interessierte: die Biologie.

Im 18. Jahrhundert schon hatte der Philosoph David Hume die grundsätzlichen Widersprüche in teleologischen Denkmodellen aufgezeigt (Hume und Paley). Aber dies blieb lange Zeit ohne größere Wirkung und so veröffentlichte davon unbeeinflusst William Samuel Paley 1802 sein naturalistisches Standardwerk «Natural Theology». Darin stellt er sein berühmtes Uhrmacher-Argument auf. Es ist bis heute die Blaupause jedes Design-Arguments (Natural Theology).

Die Evolutionstheorie versetzte der naturalistischen Theologie nach Humes philosophischen Einwänden den endgültigen Todesstoss. Dass die naturalistische Theologie in Form des Intelligenten Entwurfs heute als Untote fröhliche Urstände feiert, ist somit ein Anachronismus, der nur mit weit verbreiteter kulturhistorischer Amnesie und bewusster, ideologischer Ignoranz erklärt werden kann, denn die Entwurfs-Argumente sind heute so nachweislich falsch wie 1802 oder 1859.

Es gibt keine perfekten Organe

Zum Abschluss dieses Themas noch ein biologisches Gegenargument. Die angeblich so perfekten Organe, wie das menschliche Auge, sind in Wahrheit alles andere als perfekt. Zumindest, um beim Beispiel des Auges zu bleiben, gemessen an den optischen Möglichkeiten, die physikalisch definierbar sind.

Auch das Auge ist nicht mehr als ein durch Zufall und Notwendigkeit geformtes, effizientes und rationelles Überlebensinstrument: Es liefert das, was zum Überleben notwendig ist, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dies schliesst systemimmanente «Fehler» ein (gemessen an einem «perfekten» Organ). Beispielsweise können Frauen ausgesprochen differenziert Farben wahrnehmen. Es gibt Hinweise, dass manche Frauen sogar vier Grundfarben wahrnehmen können, nicht nur die bekannten drei. Aber etwa 10% der Männer sind farbenblind. Mit Nachtblindheit jedoch haben vor allem Frauen zu kämpfen. Diese willkürliche Verteilung von Fehlern wäre sehr merkwürdig für den angeblich ach so intelligenten Entwurf.

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