Atheismus in der Schweiz
«Wenn man lange genug gelebt hat, erkennt man, dass es am Ende doch nicht auf den Himmel, sondern auf die Menschen ankommt.» Hans Habe, deutscher Publizist und Schriftsteller, 1911-1977

Die Fossilien widerlegen die Evolution

Dieses Argument stammt aus einem Telepolis Artikel.

Behauptung

Die Fossilienfunde belegen keine Übergangsformen ("Missing Links") zwischen den Arten, die es aber nach Darwin zwingend geben müsste. Neue Arten entstehen immer plötzlich und übergangslos, wie dies für Schöpfungsakte charakteristisch ist.

Antwort

Im Original klingt dies dann beispielsweise so, wie auf der Internet-Seite des moslemischen Evolutionskritikers Harun Yahya (Gott oder die Evolution?):

Der Darwinismus verweist nicht mehr auf Fossilien als Beweis für die Evolution.

Denn in allen bisher weltweit durchgeführten Ausgrabungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde nicht eine einzige der «Übergangsformen» gefunden, die den Behauptungen der Evolutionisten zufolge millionenfach vorhanden sein müssten. Man hat erkannt, dass diese «Missing Links» nichts weiter als ein Mythos sind.

Yahya ist übrigens, wie seine christlichen Gesinnungsgenossen auch, Verfechter des Intelligenter-Entwurf-Gedankens. Biologen führen, so wie der exponierte Evolutionsbiologe Ernst Mayr, gegen das Fossilien-Argument reflexartig den Archaeopterix ins Feld (dessen erstes Exemplar schon 1856 gefunden wurde, also drei Jahre vor der Erstveröffentlichung von Darwins «Origin»). Anatomisch zeigt Archaeopterix deutlich sichtbare Kennzeichen von Reptilien (Klauen, Zähne) und Vögeln (Federn, Flügel, großes Gehirn). Er ist der Prototyp eines Missing Link. Yahya weiß dies natürlich und so hält er dem entgegen:

Die Evolutionisten können nicht mehr länger behaupten, dass Archaeopteryx der Vorläufer der Vögel war…

…denn jüngste Forschungen an Archaeopteryx-Fossilien haben die Behauptung, er sein ein «halber Vogel» gewesen widerlegt. Man hat erkannt, dass er sowohl die Anatomie als auch die Hirnstruktur besass, die zum Fliegen notwendig sind, dass er also ein Vogel war und somit der Mythos von der Vogel-Evolution unhaltbar geworden ist.

Die anatomischen «Zwischenzustände» des Fossils, genau wegen derer der Archaeopterix den Status als Missing Link verliehen bekommen hat, werden von Yahya gar nicht erwähnt! Er pickt sich nur eine biologische Detaildiskussion heraus, die den meisten Laien gar nicht bekannt sein dürfte und die daher seine Bedeutung gar nicht richtig einordnen können. In ihr ging es um die Frage, ob Archaeopterix schon so selbstständig fliegen konnte wie ein moderner Vogel, oder ob er eher ein Baum erklimmender Segelflieger war, so wie heutige fliegende Hunde.

Es ging also nur um die untergeordnete Frage, ob Archaeopterix noch viel Reptil und wenig Vogel war oder schon viel Vogel und nur noch wenig Reptil. Die in den letzten zehn Jahren vor allem in China ausgegrabenen, umfangreichen Fossilienfunde zur Vogelevolution und zum Auftauchen von Federn bei zweibeinigen, definitiv nicht flugfähigen Raubsauriern, lässt Yahya, wie andere Evolutionskritiker auch, außen vor. Denn diese Fossilienfunde unterstützen das Gedankengebäude einer nicht-zielgerichteten Evolution nur zu deutlich.

An diesem Beispiel lassen sich zwei wesentliche Elemente in der Argumentationsstrategie der Intelligenter-Entwurf-Anhänger festmachen. Erstens sind die von ihnen vorgebrachten Behauptungen viel schneller und knapper zu formulieren, als sachlich zu widerlegen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie meist dreiste Tatsachenbehauptungen darstellen. Zweitens wird ganz unverfroren behauptet, die Wissenschaft selbst liefere unwiderlegbare Beweise gegen Darwins Evolutionstheorie. Dies zielt ganz klar auf ein leicht zu beeindruckendes Laienpublikum, welches von der Naturwissenschaft vor allem einfache Ja-Nein-Wahrheiten erwartet.

Da die wirkliche Wissenschaft aber nicht so einfach gestrickt ist, kann von den Evolutionsgegnern leicht der Eindruck erweckt werden, als bildeten die Anhänger der Darwinschen Evolutionstheorie einen die wahren naturwissenschaftlichen Aussagen ignorierenden und unterdrückenden Geheimbund orthodox-dogmatischer Gralshüter. In Wirklichkeit sind es jedoch die selektiv vorgehenden Gegner der Evolutionstheorie, die die Wissenschaft durch tendenzielle Sichtweisen missbrauchen.

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