Atheismus in der Schweiz
«Gibt denn niemand die Tatsache zu denken, dass von unserem grossen Sechsfachgestirn — Goethe, Herder, Klopstock, Lessing, Schiller, Wieland: nie sah die Welt gleichzeitig ihresgleichen! -, dass von diesen Sechsen nicht einer katholisch war; dafür aber drei — die besseren Drei! — erklärte Feinde jeder positiven Religion, deutlicher: des Christentums?!» Arno Schmidt, deutscher Schriftsteller, 1914-1979

Glaube ist ein minderwertiges Konzept

Religionen neigen dazu, «Glaube» zu etwas grossartigem hochzustilisieren. In Wirklichkeit ist «Glaube» sehr minderwertig.

Ambrose Bierce (1841-1914), ein amerikanischer Schriftsteller, hat das Problem sehr schön auf den Punkt gebracht, er schrieb:

«Glauben heisst: Dinge für wahr halten, für die es keine Parallele und keinen Beweis gibt und die jemand verkündet, der über kein Wissen verfügt.»

Die Definition von Ambrose Bierce bringt das Problem genau auf den Punkt. Im Gegensatz dazu versuchen Religionen die Unzulänglichkeit ihres Glaubens mit schönen Worten zu verschleiern. Die absolut lächerlichste Definition von «Glaube» hat Sämi in seinem Beitrag geliefert. Angeblich stammt sie aus der Bibel, obschon unsere Bibelversion das leicht anders formuliert (es ist ja schön, dass es so viele unterschiedliche Bibelvariationen gibt ;-)). Gibt man den Text bei Google ein, sieht man aber, dass Sämis Definition sehr oft verwendet wird. Also bitte, hier die Definition, die aus Sämis Bibel stammt:

Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

LOL Man muss das gelesen haben, und man muss es verstehen, das heisst, man muss die Intelligenz besitzen, über den Unsinn, der da in der Bibel gefaselt wird, lachen zu können. Das ist eine totale Bakrotterklärung! Das ist so lächerlich, dass es nicht weiter kommentiert zu werden braucht. Wer nicht lacht, hat nicht wirklich verstanden, was da im Hebräer 11,1 tatsächlich drin steht!1)

«Glauben» ist beinahe gleichbedeutend mit «nicht wissen». Wer etwas glaubt, der weiss nicht, ob es tatsächlich so ist oder nicht. Aber Glaube ist nicht einfach das Gegenteil von «Wissen», denn das wäre einfach «Nichtwissen». Doch «Glaube» ist weitaus schlimmer und minderwertiger als «Nichtwissen», denn Nichtwissen beinhaltet doch eine Form von Wissen: Man weiss, dass man eine bestimmte Sache nicht weiss (oder zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wissen kann). Dies ist ein sehr wichtiges Wissen. Der Glaube hingegen gibt nicht zu, dass er etwas nicht weiss, vielmehr tut er so, als ob er wüsste. Er vertraut in Dinge, die er nicht weiss, als ob sie wahr wären. Wer religiös glaubt, der weiss nicht und gibt das aber nicht zu! Er redet sich selbst ein, er müsse zuversichtlich sein und in das vertrauen, was er vermutet, irgendjemand ihm gesagt hat, oder er selbst gern hätte. Doch weder Bibeln noch Pfaffen sind eine gute Begründung, um in etwas zu vertrauen. Glaube ist nichts weiter als Betrug: Selbstbetrug.

Dem Gläubigen fehlt die Einsicht in die Beschränkungen seines eigenen Wissens, wobei wir von atheismus.ch anmerken müssen, dass das Wissen von Gläubigen sehr viel beschränkter ist, das Wissen von denen, die alles skeptisch bewerten, nur auf (wissenschaftlichen) Fakten aufbauen und sich dann selbst ein Urteil bilden. Wissen kann man sehr viel mehr, als die Gläubigen sich selbst gegenüber zugeben wollen. Man kann z.B. wissen, dass Religionen noch nie zur Wahrheitsfindung beigetragen haben. Man kann wissen, wo die Fehler der Religion liegen. Man kann wissen, wie die Religionen historisch zustande gekommen sind. Man kann wissen, wie Religionen funktionieren, warum sie Menschen gefangen nehmen können, warum sie faszinieren, wie sie sich ausbreiten, mit welchen Tricks sie sich gegen Kritik abschotten. Man kann auch wissen, wieviel Unheil Religionen bereits angerichtet haben und immer noch anrichten. Man kann wissen, dass Religionen intolerant sind, und man kann auch wissen, warum sie das sind. All das ist Wissen, das man mit einer anständigen Portion Skepsis und offenen Augen selbst erwerben kann, und all das ist Wissen, das gläubigen Menschen durch die absichtliche Verstockung ihres Herzens (um eine biblische Metafer zu verwenden, passender wäre eine absichtliche Verstockung des Hirns) vorbehalten bleibt. Das zeigt noch einen Aspekt, der Glauben schlimmer macht, als Nichtwissen: Glauben heisst, nicht wissen wollen, was dem Glauben widerspricht.

Glaube ist nicht das Resultat einer sorgfältigen Prüfung der Fakten, Glaube ist kein Urteil, sondern vielmehr Ausdruck eines Gefühls ohne Begründung. Der religiöse Glaube ist Ausdruck von Unsicherheit, nicht anders als der umgangssprachliche Glaube. Während sich in der Umgangssprache alle klar darüber sind, dass derjenige, der sagt: «Ich glaube, es wird morgen regnen», sich dessen nicht sicher ist. Er ist sich wohl sogar noch eine Stufe unsicherer, als wenn er den Wetterbericht gehört hätte, dann nämlich würde er sagen: «Ich habe gehört, es soll morgen regnen». Alle sind sich klar, dass diese Aussage Ausdruck einer reinen Vermutung ist, die er nicht anhand von Messdaten, sondern aus dem Gefühl heraus äussert. Anders in religiösen Fragen. Dort sind sich viele nicht richtig bewusst, dass «Glaube» ein sehr unsicheres Konzept ist, Ausdruck von grösster Unsicherheit.

Religionen aber sind auf Glaube angewiesen, da sie nichts besseres anbieten können. Daher haben sie ein Interesse daran, den Glauben über das, was er in Wirklichkeit ist, hinaus zu erhöhen. Das Christentum geht sogar soweit, von «Glaubensgewissheit» zu sprechen. «Glaubensgewissheit»! Das ist ein Widerspruch in sich, denn was man glauben muss, das weiss man nicht. Aber Religionen sind wahre Meister darin, ihren Anhängern den grössten Unsinn als Wahrheit zu verkaufen. Atheisten lassen sich da nicht täuschen: «Glaubensgewissheit» gibt es nicht. Dieses Wort ist ein Betrug an den Gläubigen, denen man damit weismachen will, dass sich die Wirklichkeit nach ihren Überzeugungen richten würde.

Der Mensch kann nicht glauben, was er will

Arthur Schopenhauer sagte einst: Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will. Das heisst konkret, dass sich ein freier Wille, falls wir einen solchen haben, darin erschöpfen muss, was wir tatsächlich tun, aber keinen Einfluss darauf hat, was wir tun wollen. Wir können Handlungen unterdrücken, die unserem Willen entspringen, aber wir könne nicht unseren Willen selbst unterdrücken.

Ein hypothetisches Beispiel: Angenommen, die Frau des Nachbarn gefällt mir, und ich begehre sie, dann kann ich entscheiden, dass ich nicht mit ihr ins Bett steige, selbst wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Dies kann ich bewusst so entscheiden durch das, was man als freien Willen wahrnimmt. Aber ich kann nicht entscheiden, dass sie mir nicht mehr gefällt. Sie gefällt mir einfach und daher will ich eigentlich mit ihr schlafen, aber ich habe keinen Einfluss darauf. Ich kann nicht frei entscheiden, dass sie mir nicht mehr gefällt. Wenn sie mir gefällt, dann gefällt sie mir und wenn nicht, dann nicht. Unser freier Wille erstreckt sich nicht darüber, was wir wollen, oder was uns gefällt, — und er hat keinen Einfluss darauf, was wir glauben!

Ebenso, wie wir nicht wollen können, was wir wollen, oder wie wir nicht mögen können, was wir wollen, können wir nicht glauben, was wir wollen. Wir können etwas nur dann glauben, wenn es uns auch glaubwürdig erscheint. Die Bibel aber, und mit ihr das Christentum, fordert aber von uns, dass wir glauben sollen. — Nur, das können wir gar nicht. Wir mögen etwas, oder wir mögen etwas nicht. Wir wollen etwas, oder wir wollen etwas nicht. Wir glauben etwas, oder wir glauben es nicht. Aber es ist keine bewusste Entscheidung. Wir haben keinen Einfluss darauf, was wir glauben und was nicht, ausser natürlich, dass wir uns Einflüssen bewusst entziehen, die unseren Glauben gefährden könnten. — Genau das aber verlangen die Religionen, und genau das tun viele Gläubige: Kritik an der Religion wird unterdrückt oder wegdiskutiert, statt sich mit ihr auseinanderzusetzen. Gläubige Menschen belügen und betrügen sich selbst und andere, indem sie Kritik ausweichen, sie unterdrücken, nicht wahrnehmen oder mit aller Gewalt verdrängen. Man betrachte nur einmal, wie es heute noch Menschen gibt, die um jeden Preis krampfhaft versuchen, Fehler in der Evolutionstheorie zu finden. Obschon alle Einwände längstens widerlegt sind und keinen Biologen in Verlegenheit bringen können, bringen diese Gläubigen immer und immer wieder dieselben falschen Einwände. Der eigene Glaube wird über die klaren Fakten gestellt, was dem eigenen Glauben widerspricht, das darf nicht sein. So bringen sie, kaum ist der Kreationismus in Verruf geraten, mit dem sogenannten «Intelligent Design» den alten Wein in neuen Schläuchen. Dabei wird ein bisschen mehr verwischt, ein bisschen mehr vernebelt, tatsächlich aber stehen dahinter die exakt gleichen Personen mit der exakt gleichen Abwehrhaltung gegen alles, was ihren Glauben gefährdet.

Atheisten hingegen sind in der Regel Menschen, die auf der Suche nach Wahrheit sind. Atheisten sind Menschen, die sich nicht selbst belügen und betrügen können, die nach Kritik suchen, statt ihr auszuweichen und die nachprüfbare Fakten über persönliche Gefühle stellen. Darum ist es uns Atheisten vollkommen unmöglich zu glauben.

Auch darum ist Glaube ein minderwertiges Konzept.

Der christliche Gott verträgt sich nicht mit dem Glauben

Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und den christlichen Gott widerlegen: Ein halbwegs intelligenter Gott weiss, dass Glaube auf Unwissenheit beruht. Er weiss, dass der Mensch nicht frei glauben kann. Er weiss, dass Glaube ein minderwertiges Konzept ist. Daher würde ein solcher Gott von den Menschen nicht verlangen, dass sie an ihn glauben müssten, er würde, wenn er die Macht dazu hätte, die Menschen um seine Existenz wissen lassen, denn Wissen ist immer besser als Glaube, und das Wissen verdrängt den Glauben. Ein Gott, der die Macht hat, uns wissen zu lassen und der uns gut gesinnt ist, der würde uns niemals in der Dunkelheit des Glaubens darben lassen, er würde uns ins Licht des Wissens führen, er würde uns seine Existenz nicht verbergen, nicht verheimlichen, nicht das Wissen über ihn dummen antiken Büchern und machtgierigen Kirchen überlassen, sondern er würde sich offen und ehrlich allen Menschen zu erkennen geben. Gäbe es einen guten und mächtigen Gott, wüssten wir das und müssten nicht daran glauben. Die Tatsache, dass Menschen an einen allmächtigen und gütigen Gott glauben, ist ein eindeutiger und unzweifelhafter Beweis dafür, dass es einen solchen Gott nicht gibt.

Die Existenz eines klugen, mächtigen und uns wohl gesonnenen Gottes kann eindeutig dadurch widerlegt werden, dass wir an einen solchen glauben müssten!

Vergleiche hierzu auch: Keine Wahrheit aus Glaube

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Diskussion

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«Glaube ist ein minderwertiges Konzept»

1) Für diejenigen, die es tatsächlich nicht begreifen können (oder vielmehr wollen), hier eine kleine Ausführung:
Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)
Was man hofft ist völlig beliebig. Man kann hoffen, was immer man will. Zum Beispiel kann ich hoffen, dass mich kleine grüne Männchen vom Mars abholen. Glaube ist nun, gemäss dieser biblischen Definition, die feste Zuversicht, dass mich kleine grüne Männchen vom Mars abholen. Diese Hoffnung ist natürlich kompletter Unsinn. Fakt ist, dass man alles hoffen kann, auch wenn das kompletter Unsinn ist.

Genau das gleiche gilt für das, «was man nicht sieht». Es gab mal den Glauben, dass Thor im Gewitter die Blitze blitzen und Donner grollen lässt. Der Glaube ist, wiederum nach biblischer Definition, «ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht». Ich sehe keinen blitzewerfenden Thor. Glaube ist ein Nichtzweifen an dem, was man nicht sieht, also ein Nichtzweifeln an einem blitzewerfenden Thor. Auch das ist natürlich wiederum kompletter Unsinn. Man kann jeden Unsinn postulieren, den man nicht sieht, weil es ihn nicht gibt.

Fazit: Die Aussage aus der Bibel ist logisch absolut identisch mit folgender Definition:
Der Glaube ist eine feste Zuversicht in jeglichen Unsinn, den man sich erhofft und ein Nichtzweifeln an beliebigem unsichtbarem Unsinn.
Glaube ist minderwertig, denn er unterscheidet nicht zwischen Sinn und Unsinn. Stattdessen verlangt er ganz gezielt «Nichtzweifeln» an dem, was man eigentlich als Unsinn klassifizieren müsste.
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