Atheismus in der Schweiz
«Wer in Glaubensfragen den Verstand befragt, kriegt unchristliche Antworten.» Wilhelm Busch, deutscher Dichter und Zeichner, 1832-1882

Das atheistische Weltbild

Das atheistische Weltbild basiert auf einem grossen Puzzle, mit dem wir die Welt abbilden wollen. Dieses Puzzle besteht aus vielen grossen und kleinen Teilchen. Ein grosser Teil des Puzzles ist fertig, einzelne Teile mögen noch fehlen, aber das Gesamtbild lässt sich bereits sehr gut erkennen.

Die Puzzleteile basieren auf der Auffassung, dass nur Wissenschaft zu wahrer Erkenntnis führen kann. Diese Auffassung ist im Beitrag «Nur Wissenschaft führt zu wahrer Erkenntnis» wohl begründet. Selbstverständlich kann man sie hinterfragen und wir Atheisten sind sehr interessiert, falls jemand eine andere Methodik bieten kann, die uns Menschen zu gesicherter Erkenntnis führen kann, nebst der Wissenschaft. Dabei kann man aber nicht mehr hinter die Erkenntnisse aus den Beiträgen «Nur Wissenschaft führt zu wahrer Erkenntnis» und «Glaube ist ein minderwertiges Konzept» zurück gehen.

Das wissenschaftliche Weltbild

Die Wissenschaft bietet die Basis unseres Weltbildes. Die Urknalltheorie als ein grosses Puzzleteilchen, das selbst wiederum aus unzähligen kleineren Teilen besteht, die sie belegen, zeigt uns zusammen mit der Hochenergie-/ Teilchenfysik und der Astronomie, wie unser Universum entstand. Die Evolutionstheorie, ebenfalls ein grösseres Puzzleteilchen, dass durch unzählige kleinere aufgebaut, belegt und ergänzt wird, zeigt plausibel die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten. In keinem Schritt dieser plausiblen und durch unzählige Experimente, Beobachtungen, Berechnungen und Funde ausreichend abgesicherten Erklärungen braucht es einen Eingriff von ausserhalb der Natur. Die Wissenschaft erklärt seit einigen Jahrhunderten Stück für Stück systematisch die Welt, ohne dass sie dabei je auf übernatürliches Wirken hätte zurückgreifen müssen. In unserem Universum geht alles mit rechten Dingen zu. Für einen Gott gibt es schlicht keinen Bedarf.

Das ist eine Seite, die wir beleuchten. Eine weitere sind die Religionen. Wir benötigen sie nicht, um die Welt zu erklären, trotzdem müssen wir uns die Frage stellen, ob Religionen etwas zu unserem Wissen beitragen können.

Das prinzipbedingte Unvermögen aller Religionen

Hier stellen wir erst einmal fest, dass es sehr viele Religionen auf der Welt gibt, und noch vielmehr gab, die heute nicht mehr geglaubt werden. Viele Menschen, haben ihre Religion, weil in einer entsprechenden Umgebung geboren und aufgewachsen sind. In der Regel (keine Regel ohne Ausnahme) zeigt die Beobachtung, dass Menschen ihre Religion nicht durch unabhängige Begutachtung aller verfügbaren Religionen wählen, sondern durch den Zufall ihrer Geburt und den Zufall ihrer Lebensumstände. Ein Mensch wird sehr viel eher zum Christen, wenn er in einem christlich geprägten Umfeld aufwächst, während ein Mensch aus einem buddhistischen Umfeld sehr viel wahrscheinlicher Buddhist wird. Manchmal kommt es vor, dass ein Mensch tatsächlich seine Perspektive zu öffnen versucht und andere Religionen betrachtet. Doch sehr oft ist er dann bereits so von der religiösen Vorstellungswelt der eigenen Herkunft geprägt, dass er die eigene Religion nicht mehr mit der gleichen Kritikfähigkeit beurteilen kann, wie andere Religionen. Die eigene Religion erscheint einem dann logisch und konsequent, weil man so gedrillt wurde, andere hingegen absurd und lächerlich. Dass Angehörige anderer Religionen aus ihrer Perspektive wiederum die eigene Religion als absurd und lächerlich wahrnehmen, das kommt diesen nur teilweise kritischen Menschen nicht in den Sinn. Sie messen dann andauernd die Welt mit zwei Massstäben: Den einen wenden sie nur auf ihre eigene Religion an, den anderen auf alle fremden Ansichten, die ihrer eigenen Ideologie widersprechen. Ein Beispiel ist die Islamkritik von Christen. Christen kritisieren im Islam oft genau die Frauenfeindlichkeit und Brutalität, die auch die Basis der christlichen Bibel bildet. Der einzige Unterschied in ethischer Hinsicht zwischen dem Christentum und dem Islam sind fünf Jahrhunderte Aufklärung. Nicht das Fundament, nicht die Bibel hat sich verändert, sondern die Gesellschaft, welche die Bibel interpretiert. Das hat mit Wahrheit nichts zu tun. Die Methode der Religionen ist bereits im Ansatz falsch.

Folglich müsste es ein Kriterium geben, anhand dessen man Religionen neutral beurteilen und bewerten kann. Die Suche nach einem solchen Kriterium verlief erfolglos. Nur die Wissenschaft bietet ein Instrumentarium zur Kritik. Bei den Religionen wird im Gegenteil viel Energie darauf verschwendet, Kritik bereits im Keim zu ersticken. Als Beispiel nehme man z.B. Johannes 20.24-29: Jesus kritisiert Thomas, weil dieser einen Beweis für die Auferstehung sehen will. So wird systematisch die Kritikfähigkeit geschwächt. Stattdessen sollte man Thomas dafür loben, dass er nicht einfach den Worten glauben schenkte, sondern einen Beweis sehen wollte. Letztlich könnte man jede beliebige Behauptung ohne Überprüfung glauben. Das Resultat ist dann aber nicht ein felsenfester Glaube, sondern absolute Beliebigkeit, denn glauben kann man prinzipiell alles, was ja auch die Existenz von so vielen unterschiedlichen Religionen in aller Deutlichkeit zeigt. Daraus schliessen Atheisten, dass es grundsätzlich falsch ist zu glauben und keine Religion zur Wahrheitsfindung etwas beitragen kann.

Die spezielle Problematik der semitischen Religionen

Erst nach diesen Überlegungen beginnen wir, einzelne Religionen zu betrachten. Wir haben bereits gesehen, dass Religionen an sich nichts zur Wahrheitsfindung beitragen können, weil sie Glaube verlangen und somit völlig beliebig sind. Dennoch könnte es sein, dass Religionen aus rein psychologischer oder moralischer Sicht ihren Beitrag an die Menschheit leisten. Und genau da setzt nun unsere Bibelkritk ein. Wir stellen fest, dass gerade das Christentum und mit diesem auch alle anderen semitischen Religionen, in moralischer Hinsicht erhebliche und unüberbrückbare Defizite aufweisen. Die Bibel verherrlicht einen gewalttätigen Gott, der Massaker verursacht, Sklavenhaltung billigt und die grausame Todesstrafe durch Steinigung fordert. Sie propagiert das Konzept der Erbsünde, um Menschen in die Abhängigkeit der Gnade ihres Gottes zu führen. Sie erfindet unzählige «Sünden», mit denen sie den Menschen den Weg zum Glück aus eigener Kraft verbauen will. Selbst eine Sündenvergebung ist nur möglich, durch einen grausigen Kreuztod des Gottessohns. zugleich aber droht die Bibel weiterhin mit dem ewigen Feuer der Hölle, in das unbotmässige Menschen geworfen werden sollen. Ans Ende der Zeit, das laut Bibel vor zweitausend Jahren unmittelbar hätte bevorstehen sollen, setzt dieser Gott mit der Apokalypse die totale Vernichtung. Dazu gibt es aus moralisch-ethischer Sicht nur ein mögliches Urteil: Absolut unethisch und grauenvoll!

Wenn man nun aber die Herkunft der Bibel betrachtet, unter dem Blickwinkel, dass dieses Buch von jüdischen Priestern in Bedrängnis geschrieben wurde, mit dem Ziel, die Juden unter widrigen Umständen zusammenzuhalten, dann wird es endlich verständlich. Die Bibel ist trotzdem noch grauenvoll und ethisch verwerflich, aber es wird wenigstens verständlich, unter welcher Motivation das Buch, oder vielmehr die Schriftensammlung entstand. Gleichzeitig ist diese Betrachtungsweise, die einzige, die stimmig ist und zu keinen logischen Widersprüchen führt, die endgültige Verabschiedung von der Bibel als heiliges Wort Gottes.

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