Atheismus in der Schweiz
«Die Christen lieben ihre Nächsten nicht. Und sie lieben sie nicht, weil sie an den anderen nie wirklich geglaubt haben. Die Geschichte lehrt uns, dass sie ihn, wo sie ihm begegnet sind, bekehrt oder vernichtet haben.» Octavio Paz, mexikanischer Schriftsteller und Nobelpreisträger, 1914-1998; Essays I

Intoleranz in Religionen

Toleranz ist der Verzicht auf die Option, ein gegen sich gerichtetes Übel abzustellen.(Quelle: Toleranz)
Unter Intoleranz wird das Nicht-Dulden von Menschen verstanden, die anders sind. (Quelle: Intoleranz)

Einleitung

Obschon gerade die Christen von sich glauben, sie seien besonders tolerant und selbst nur von Intoleranz betroffen, ist Intoleranz gerade in Offenbarungsreligionen besonders stark verbreitet. Nicht nur der Koran, auch die Bibel ist sehr intolerant, gerade auch im neuen Testament. Aber auch andere vermeintlich tolerante Religionen zeigen sich je nach Situation sehr intolerant.

Von Intoleranz sind alle Religionen betroffen. In diesem Artikel gehe ich auf einzelne Religionen noch speziell ein.

«Toleranz» und Religion

Wenn in der Religion von «Toleranz» die Rede ist, geht es darum, andere oder fehlende Glaubensvorstellungen, andere Weltbilder, andere Werte oder andere Lebensweisen zu akzeptieren. Toleranz erfordert «den Verzicht auf die Option, ein gegen sich gerichtetes Übel abzustellen». Doch andere Werte und andere Lebensauffassungen sind kein Übel, sondern eine Bereicherung. Ausserdem richtet sich die jeweils andere Ansicht nicht gegen diejenigen, die dagegen opponieren. Zum Beispiel richtet sich ein homosexueller Mensch nicht gegen die Christen, sondern es liegt an der Borniertheit der Christen und ihrer unverschämten Vorstellung, nur sie seien Hüter des absoluten und einzig wahren Glaubens, dass die Christen immer alles als Angriff gegen sich auffassen.

Selbst wir Atheisten, die in Frontalopposition zu allen Religionen stehen, sind kein Übel, sondern zwingend notwendige Kritiker, die Klarheit und Wahrheit nicht scheuen und den Religionen, dem eigentlichen Übel und Ursache von viel Leid auf dieser Welt, ihr eigenes Unvermögen vorhalten. Kritik ist ein wichtiges Element für Fortschritt und Verbesserung. Die grösste Verbesserung wäre es, der Mensch könnte endlich seinen Aberglauben durch Bescheidenheit, Vernunft und eigene Denkleistung überwinden. Bescheidenheit bedeutet hier vor allem das Eingeständnis, dass menschliche Erkenntnis niemals absolut sein kann.

Die Religionen sind nicht wirklich tolerant, denn Toleranz würde voraussetzen, dass sie etwas gegen die Verbreitung von anderen Meinungen tun könnten, es aber nicht tun. Meist ist die Wirklichkeit aber anders: Hierzulande können sie die Meinungsäusserungsfreiheit nicht mehr bekämpfen. Wo sie es aber können, dort tun sie es in der Regel. Wenn die Religionen nichts gegen die Verbreitung anderer Meinungen unternehmen, so liegt oft nicht daran, dass sie freiwillig darauf verzichten, sondern vielmehr dass sie keine Macht mehr dazu haben. Doch solange und soweit es möglich ist, benutzen die Kirchen bis in die jüngste Zeit, teilwese noch heute, Gesetzesparagrafen gegen Gotteslästerung oder gegen Störung des Religionsfriedens, um Kritiker mundtot zu machen. Daher gehören solche Paragrafen ersatzlos abgeschafft. Die Toleranz, soweit es sie tatsächlich gibt, wurde gegen den Willen der Kirchen erzwungen. Christliche Toleranz ist das direkte Resultat der zunehmenden Machtlosigkeit von religiösen Institutionen.

Daher ist es nicht Toleranz, die von den religiösen Menschen einzufordern ist, sondern Offenheit, Akzeptanz und Respekt gegenüber anderen Auffassung, sowie das Eingeständnis, nicht im Besitz einer alleinseligmachenden Wahrheit zu sein. Die Vertreter von Religionen sollen die Unzulänglichkeit ihrer eigene Religion erkennen und offen zugeben. Damit verbunden ist die Forderung auf freiwilligen Verzicht von Privilegien. Doch genau diese Einsicht der Unzulänglichkeit des eigenen Glaubens ist ein Widerspruch zur eigenen Wahrnehmung der Religiösen und zu den Grundsätzen ihrer Glaubensauffassung. Damit würden alle Dogmen, alle Glaubenssätze verfallen und die Beliebigkeit religiöser Ansichten käme offen ans Licht. Deshalb können Religiöse andere Ansichten nicht als gleichwertig respektieren, ohne die Grundsätze des eigenen Glaubens zu verraten.

Nicht umsonst schreibt die Wikipedia unter Intoleranz:

Intoleranz ist oft mit religiösem Fanatismus verbunden. Dies ist meist dann der Fall, wenn der eigene Glaube als einzig wahr angesehen wird und anderen Religionen die Gleichberechtigung abgesprochen wird.

Da die Voraussetzung von Toleranz die ist, dass man gegen «Übel» oder das, was man dafür hält, vorgehen kann, muss man die Toleranz einer Religion daran messen, wie sie ihre Vertreter verhalten, wenn sie uneingeschränkte Macht haben. So misst man die Toleranz des Islams an Staaten wie Saudi-Arabien, Afghanistan, Indonesien oder dem Iran. Den Buddhismus kann man messen an der Toleranz in Burma oder im vorchinesischen Tibet. Da es heute keine christlichen Staaten mehr gibt, muss sich die Toleranz des Christentums damit messen, wie es im Mittelalter, als es noch Macht hatte, mit Andersdenkenden umgesprungen ist. Beim Judentum muss man noch weiter zurück gehen, bis in die Mosaische Zeit, oder man betrachten den Umgang der Juden mit den Muslimen im heutigen Israel.

Intoleranz im Islam

In Bezug auf den Islam herrscht im Abendland am ehesten Einigkeit darüber, dass er äusserst intolerant ist. Anders als die Christen, welche ihren Herrschaftsanspruch in Europa an die Zivilgesellschaft abtreten mussten, beruft sich der Islam und islamische Staate noch heute auf eine jahrhundertealte Rechtssprechung, die kaum Freiraum für Abweichung von der Norm zulässt. Der Islam ist heute in etwa das, was das Christentum ohne Humanismus und Aufklärung wäre. Der Islam ist wie das Christentum, nur um fünfhundert Jahre rückständiger. Christen, welche heute abwertend und schnöde auf den Islam, seine Intoleranz und Frauenverachtung blicken, sehen in Wahrheit nur in die hässliche Fratze eines Spiegelbildes ihrer eigenen Religion.

Die Toleranz muss sich im Islam messen am Umgang mit Menschen wie Salman Rushdie, Ayaan Hirsi Ali, Theo van Gogh oder Geert Wilders. Schlimm ist, dass hier die Islamisten in ihrem Kampf gegen die Meinungsäusserungsfreiheit oft noch Unterstützung durch die Christen erfahren, denen es auch nicht an allzu fundamentaler Glaubenskritik gelegen ist. Der Umgang mit den dänischen Muhammad-Karrikaturen ist ein weiterer Prüfstein, an dem der Islam und das mit ihm auch in diesem Fall verbündete Christentum in vollem Umfang versagt haben.

Wenn man von Toleranz im Islam redet, ist es nicht einmal nötig, speziell auf die weltweit Aufmerksamkeit erregenden Terroranschläge einzugehen, den die sind nur die brutalsten Auswüchse der Intoleranz, die auf allen Ebenen des Islams festzustellen sind. Die Intoleranz ist nicht das Problem einzelnder Moslems, es ist ein fundamentales Problem aller Religionen und ganz speziell auch des Islams.

Die Toleranz im Islam misst sich aber auch an der Freiheit des Einzelnen, seine Meinung öffentlich zu äussern. Sie misst sich aber insbesondere auch der Frau, ihren Rechten, ihrer Freiheit in Ausbildung und Arbeit, sowie in ihrer Bewegungsfreiheit. Und messen soll man die Toleranz vor allem in den Staaten, die sich rühmen, islamische Gesetze umzusetzen, in Staaten wie dem Iran, oder Saudi-Arabien, wo Frauen selbst das Autofahren untersagt ist, in Ländern wie Afghanistan wo vor allem auch unter den Taliban Frauen in Burkas gesteckt und entrechtet werden. Wenn einer in diesen Ländern eine abweichende Meinung äussert, oder gar Sexualpraktiken jenseits der Norm bevorzugt, so ist Steinigung noch die mildeste Strafe, die ihn erwartet.

Religionsfreiheit

Die Wikipedia schreibt unter Glaubensfreiheit im Islam:

Die Glaubensfreiheit im Islam bedeutet nach islamischem Recht die Freiheit der Muslime, ihren Glauben auszuüben, und die Freiheit aller, den Islam anzunehmen. Muslime besitzen nicht das Recht, zu einer anderen Religion zu konvertieren.
[…]
Der Abfall vom Islam wird nach der Scharia mit der Todesstrafe geahndet. Das Recht, das Judentum, Christentum oder den Zoroastrismus zu praktizieren, ist nach der Scharia mit erheblichen Einschränkungen gegeben. Andere Religionen sind nach klassischer Lehre verboten, wurden aber später teilweise erlaubt. Polytheisten haben nach klassischer Lehre die Wahl zwischen Islam oder Tod.
[…]
Das islamische Gesetz sieht für die Angehörigen des Islams die negative Glaubensverwirklichungsfreiheit nicht vor. Es legt vielmehr die Erfüllung der religiösen Pflichten (farâ'id) des Einzelnen fest. Der absichtliche Verzicht des Einzelnen auf die Verrichtung der im Gesetz vorgeschriebenen Pflichten – z.B. das konsequente Unterlassen des täglichen Gebets oder der «Austritt» aus der islamischen Gemeinschaft entweder durch Wort oder durch Wort und Tat – gilt als Apostasie (irtidâd/ridda) und wird scharî'a-rechtlich mit dem Tode bestraft.

Ein Kirchenaustritt ist im Islam somit nicht möglich. Wer als Muslim geboren wird, muss bis an sein Lebensende aktiver(!) Muslim bleiben. Tut er es nicht, wird das Lebensende zwangsweise vorverlegt. Umso mehr ist unter diesem Apekt der Mut der Exmuslime im Zentralrat der Ex-Muslime zu bewundern, die sich öffentlich zu ihrer Apostasie bekennen! Hinzu kommt, dass Juden und Christen unter islamischer Herrschaft nur eingeschränkt, Religionsfreie und Angehörige anderer Religionen gar nicht toleriert werden.

Der Islam ist somit eine durch und durch äusserst intolerante Religion.

Der Koran

Wie bei den Christen basiert die Intoleranz auch im Islam auf der jeweiligen unheiligen Schrift, hier auf dem Koran. Beispiele:

Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo ihr sie findet […] Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen — Sure 9,5
Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören — Sure 9,25
Siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben. — Sure 8,55

Die Sure 2,256, welche besagt: «In der Religion gibt es keinen Zwang», wird dahingehend interpretiert, dass man niemanden zum Glauben zwingen kann und nicht, dass jeder freie Wahl in seinem Glauben hätte. Das heisst Sure 2,256 schliesst nicht aus, dass man Ungläubige verfolgt, bekriegt und ermordet. Mit Einschränkungen leicht toleranter zeigt sich der Islam den anderen semitischen Buchreligionen gegenüber, dem Christentum und dem Judentum. Diese werden toleriert, solange sie ihre Abgaben entrichten und die Oberhoheit des Islams anerkennen.

Intoleranz im Christentum

Abkehr

Ähnlich wie der Islam will die katholische Kirche bis heute den Kirchenaustritt nicht kennen. Sie kriminalisiert den Kirchenaustritt und foutiert sich damit um das Menschenrecht auf Religionsfreiheit. Heute lässt uns Atheisten der Vorwurf des Schismas (Kirchenspaltung), der Häresie (eigene Meinung) oder der Apostasie (Kirchenaustritt) völlig kalt. Im Gegenteil, wir sind Häretiker und Blasfemiker par Excellence aus voller Überzeugung. Aber vor nicht allzulanger Zeit wäre so ein Vorwurf einem Todesurteil gleich gekommen (so wie es dies im Islam heute noch ist).

Nicht vergessen darf man hierbei allerdings, dass es auch heute noch Menschen gibt, gerade in kleinen übersichtlichen Gemeinden, die sich nicht trauen, offen zu ihrem Unglauben zu stehen, oder die nur aus Angst vor negativen Folgen Kirchenmitglied bleiben. Atheismus.ch spürt diesen Druck z.B., wenn Anfragen kommen, ob man nicht den eigenen Namen aus Beiträgen entfernen könne, weil z.B. bei der Lehrstellensuche nicht der eigene Name unter atheismus.ch bei Google auftauchen soll. Solche Ängste spiegeln nicht nur die «gefühlte» Intoleranz, sie entsprechen auch ganz realen Nachteilen. So werden die Macher von atheismus.ch nicht namentlich genannt, weil es in der Vergangenheit immer wieder zu persönlichen Belästigungen gekommen ist, und auch weil die Reaktionen unter «Gelöschte Diskussionsbeiträge», wo auch handfeste Drohungen zu finden sind, es ratsam erscheinen lassen, nicht namentlich in Erscheinung zu treten.

Allgemein kennt das Christentum nur den Eintritt durch Taufe und allenfalls «Versiegelung» (z.B. bei der Sekte der Neuapostolischen). Eine Enttaufung oder Entsiegelung kennt das Christentum ebensowenig, wie der Islam keinen Religionsausstritt akzeptiert.

Aktuelle Situation in der Schweiz

In der Schweiz zeigt sich die Intoleranz der Christen in vielen kleinen Punkten:

  • Sie beanspruchen für sich viele Sonderrechte:
    • Geldeintreibung (Kirchensteuern) durch den Staat
    • Kirchensteuern für juristische Personen, wo speziell auch im Fall eines muslimischen Dönerbudenbesitzers die Rechte von Angehörigen anderer Religionen missachtet werden, indem man sie zu Abgaben an christliche Institutionen zwingt. Dies ist genauso intolerant, wie der Islam, der im Gegenzug Christen nur gewähren lässt, wenn sie die muslimischen Abgaben entrichten.
    • Das Läuten der Kirchenglocken zu Zeiten, wo anderen jegliche Lärmbelästigung untersagt ist, oft sogar noch mitten in der Nacht. Überhaupt stellt das Läuten der Kirchenglocken nicht nur für Ungläubige eine erhebliche Belästigung dar und ist eine genauso unangebrachte und egoistische Werbeaktion der Kirchen, wie in den Islamischen Ländern der Ruf des Muezzin. Damit wollen die Kirchen (und in islamischen Staaten die Moscheen) sagen, dass sie Anspruch auf das flächendeckende Gebiet erheben, das sie beschallen, dass ihre Gesetze für alle gelten würden, man ihnen nicht entkommen kann und sie mehr Wert sind, als alle anderen. Kirchenglocken sind Christenpisse: Eine Art von urinieren über ein ganzes Gebiet, um das Revier zu markieren. Es ist ein tierisches Verhalten und als solches genauso rücksichtslos wie primitiv.
    • Eine andere Art von Christenpisse, von rücksichtsloser Gebietsmarkierung, ist das Verteilen von Bibeln in Spitälern oder Hotelzimmern.
    • In Radio und Fernsehen nehmen die Kirchen noch immer eine Stellung ein, die sie längst nicht mehr verdienen.
  • Christen wollen anderen ihre Moralvorstellungen und ihr Weltbild aufzwingen:
    • Noch immer gibt es Tanzverbote am Karfreitag oder Veranstaltungsverbote am Sonntagmorgen, denn dann sollen die Menschen ja in die Kirchen gehen.
    • Fundamentalisten sind der Meinung, das Recht auf menschliches Leben entstehe bereits bei der Zeugung und wollen daher allen Abtreibungen verbieten. Keinen Respekt vor dem Leben haben die Christen jedoch, wenn sie Abtreibungsärzte ermorden.
    • Im März 2008 gab es einen Werbefeldzug. Eine Firma warb mit einem Poster, wo ein teuflisch aussehende Mensch verschiedene Dinge, wie Macht oder ewiges Leben im Tausch gegen die Seele anbot. Sofort schrien die selbsternannten christlichen Moralhüter auf, das gehe doch nicht, und dann starte man die Werbung ausgerechnet an Ostern. Auch hier wieder: Hätten die Christen die Macht dazu gehabt, hätten sie ihre Privatmeinung der Allgemeinheit und dieser Firma aufgezwungen.
    • Dieser Sturm im Wasserglas geht in das gleiche Kapitel, wie der Aufstand der christlichen Fundamentalisten gegen D.J. Bobos Vampirlied im Eurovision Concours des Chansons.

Religion und Moral

Wer nun glaubt, dass Religion die Moral stärke, wird gleich nochmals enttäuscht. In den VSA gibt es den sogenannten Bible Belt, das sind die Südstaaten, in denen traditionell die fundamentalistischen Christen mehr Macht ausüben, als anderswo im Land. Zum einen waren es auch die Staaten, welche die Sklaverei bis zuletzt verteidigten, und in denen der Rassismus bis heute am stärksten wuchert, zum anderen aber zeigt sich die Unmoral der christlichen Intoleranz in der Gefängnisstatistik:

In den VSA, einem Land mit sehr starkem christlichem Fundamentalismus, wo der Präsident danach ausgewählt wird, wie nahe er den Fundamentalisten steht, und das Kreuzzüge gegen Ungläubige führt, wo in der Regierung gebetet wird, in diesem Land sitzt jeder hundertste Erwachsene im Gefängnis!

Zum Vergleich, wieviele der Einwohner inhaftiert sind:

  • VSA, Luisiana (höchster Wert der VSA, mitten im Bible Belt): 11,38‰
  • Durchschnitt in den gesamten VSA: 7,76‰
  • Russland: 6,3‰
  • VSA, Maine (tiefster Wert der VSA): 2,73‰
  • Durchschnitt in Europa (West und Ost): 2,25‰
  • England und Wales: 1,48‰
  • Volksrepublik China: 1,36‰
  • Deutschland: 0,93‰
  • Frankreich: 0,85‰
  • Dänemark (tiefster Wert Europas): 0,67‰
  • Italien (tiefster Wert Europas): 0,67‰

Quelle: USA: Gefängnisland Nr. 1

Das Fazit, das man daraus ziehen kann ist, dass entweder die Religion einen schlechten Einfluss auf die Moral hat, oder dass die Religion zu Intoleranz führt. nicht umsonst sind es ja gerade die christlichen Fundamentalisten, die nach «Nulltoleranz» rufen. Das traurige Resultat sieht man in den VSA: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung sitzt im Gefängnis. Tragisch ist auch, dass offenbar die Volksrepublik China ein sehr viel freieres Land ist, als die VSA, das seine Bewohner fast sechs Mal seltener ins Gefängnis steckt, als die VSA, und acht Mal seltener als in Louisiana!

Das Christentum ist eindeutig ein Todfeind von Toleranz.

Historische Betrachtung

Historisch gesehen ist die Geschichte des Christentums eine Geschichte der Gewalt und Intoleranz. Gerne berufen sich die Christen auf die Christenverfolgung im antiken Rom und verschweigen, wie grausam und nachhaltig die Christen später die Heiden ausrotteten, wo immer sie hinkamen. Christen hatten niemals Respekt vor anderen Traditionen. Wo sie hinkamen, haben sie Heiligtümer geschändet, Tempel entweiht, Götterbilder zerstört und heilige Bäume gefällt. Erklärtes Ziel bei ihren Raubzügen war immer die Missionierung der Andersdenkenden. In Europa war es jahrhundertelang bei Todesstrafe und Folter verboten, sich öffentlich gegen das Christentum auszusprechen. Selbst die kleinste Abweichung von der offiziellen Doktrin der allmächtigen Kirche (erst nur der katholischen, später auch der protestantischen) wurde grausam und gnadenlos verfolgt. Wer auch nur im Verdacht stand, ein Ketzer zu sein, hatte sein Leben bereits verwirkt.

Noch heute ist die katholische Kirche diesen Prinzipien treu geblieben. Noch heute sieht sie sich als einzige wahre Kirche. Andere Glaubensgemeinschaften werden nicht aus Überzeugung toleriert sondern aus purer Ohnmacht. Daher ist es durchaus konsequent, wenn sowohl der aktuelle Papst wie auch seine Vorgänger der Ökumene ablehnend gegenüber stehen und beispielsweise ein gemeinsames Abendmahl nicht erlauben.

Die Bibel, das Fundament

Woher kommt diese Gewalt? War nicht Jesus ein Prediger von Toleranz und Liebe? Wie so vieles fault auch das Christentum von der Wurzel her. Es ist eine moderne, vom Humanismus geprägte Vorstellung, dass Jesus Liebe für alle gepredigt haben soll. Ebenso wie das absolute Verständnis des Tötungsverbots ein modernes Verständnis ist. Tatsächlich bedeutet das Gebot «Du sollst nicht töten» vielmehr, dass man nicht ohne Grund töten soll. Und Gründe, jemanden zu töten liefert die Bibel viele: Fluchen, Arbeit am Sabbat, Anbeten fremder Götter, Zauberei, Sex ausserhalb der Norm. Aber auch im Krieg galt das Tötungsverbot nicht, im Gegenteil: Die Juden sind auf Geheiss Gottes mit ihren Kriegsgegnern besonders grausam umgesprungen ja sie hatten nichteinmal Greise, Frauen und Kinder verschont. Man sollte die Bibel nicht ausschnittweise sondern im Zusammenhang lesen. Das Tötungsverbot beispielsweise wird unmittelbar ergänzt durch einen Nennung todeswürdiger Verbrechen und steht zudem im Zusammenhang mit grausamen Eroberungsfeldzügen voller Kriegsverbrechen.

Die Forderung nach Liebe ist bei Jesus ähnlich zu verstehen: «Liebe Deinen nächsten Mitjuden», oder bei Paulus: «Liebe Deinen nächsten christlichen Mitbruder». Gerade zur Zeit von Paulus haben die christlichen Gemeinden angefangen, sich gegen aussen klar abzugrenzen und wie in Gerd Lüdemann, «Die Intoleranz des Evangeliums: Erläutert an ausgewählten Schriften des neuen Testaments» darlegt, haben sich schon die ersten christlichen Gemeinden gegenseitig bekämpft und verleumdet.

Jesus sagte: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich1) Dies lässt keinen Spielraum offen für andere Weltanschauungen. Wenn also Christen diese Aussage glauben, dann können sie andere Religionen gar nicht akzeptieren sie müssen andere Religionen als minderwertiger betrachten. – Nicht etwa weil es rationale Argumente dafür gäbe, sondern nur weil es den Christen durch ihre Glaubenssätze so vorgegeben ist.

Betrachtet man zudem die Aussage von Jesus: «Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen wuerde2)», dann wird klar, dass es bei Jesus mit der Liebe für von seinen Auffassungen abweichende Werte nicht weit her ist. Menschen, die andere Werte haben als er, Menschen also, die in dem, was Jesus als «Sünde» betrachtet nichts Verwerfliches sehen, solche Menschen will Jesus ertränken, um die zum Schweigen zu bringen. Das ist pure Intoleranz.

Wie Gerd Lüdemann in seinem Buch Gerd Lüdemann, «Die Intoleranz des Evangeliums: Erläutert an ausgewählten Schriften des neuen Testaments» erläutert, findet man im neuen Testament immer wieder Hinweise auf die Intoleranz zwischen den konkurrierenden christlichen Urgemeinden und Predigern. Zum Beispiel im Galaterbrief:

Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!3)

Im Alten Testament ist die Intoleranz offensichtlich, z.B.: «so sollt ihr alle Bewohner vertreiben vor euch her und alle ihre Götzenbilder und alle ihre gegossenen Bilder zerstören und alle ihre Opferhöhen vertilgen4)» Gott duldet keine Konkurrenz und keine abweichenden Meinungen, weder im alten noch im neuen Testament. Die Intoleranz der Christen ist daher eine logische Folge der Intoleranz des Christentums. Mehr Beispiele aus der Bibel sind im Artikel: Die Bibel, ein teuflisches Buch!

Intoleranz im Judentum

Was unter Intoleranz im Christentum über die Intoleranz im alten Testament der Bibel steht, gilt für das Judentum uneingeschränkt auch. Im Judentum hat die Intoleranz aber noch eine sehr spezielle Form: Die Juden glauben, das einzige von Gott erwählte Volk zu sein. Dies mindert zwangsläufig den Wert aller anderen Menschen. Hier mischt sich Intoleranz mit Rassismus und der Vorstellung, Angehörige eines auserwählten Gottesvolkes zu sein. Die Juden in Israel versagen insbesondere im Umgang mit ihren arabisch stämmigen Mitbürgern, die systematisch diskriminiert werden, und im Umgang mit den Palästinensern, die von Israel wie Tiere behandelt werden und denen die Juden kein menschenwürdiges Leben zugestehen. Stattdessen rauben sich orthodoxe Juden palästinensische Gebiete zusammen und errichten darauf illegale Siedlungen.

Wenn man bedenkt, dass das Judentum ebenso wie das Christentum auf dem alten Testament der Bibel aufbaut, verwundert dieses Verhalten nicht sonderlich, sind doch gerade die fünf Bücher Moses voll von illegalen Landnahmen, Kriegsverbrechen, Intoleranz und Schändungen fremder Heiligtümer, genauso wie die zehn Gebote vor allem Gebote der Intoleranz sind.

Intoleranz im Buddhismus

Aus dem Wikipediaeintrag zu Intoleranz:

Aber auch zum Beispiel buddhistische Führer neigen in Ländern, in denen er staatstragend ist, oft zu Intoleranz gegenüber anderen Weltanschauungen, wie die japanischen Christenverfolgungen des 16. Jahrhunderts oder die heutige Verfolgung der christlichen und animistischen Karen durch Buddhisten in Burma zeigen.

Ein weiteres Beispiel für Intoleranz im Buddhismus ist der tibetische Buddhismus bevor Tibet 1950 wieder chinesisch wurde:

Die religiösen Herrscher hatten aus Tibet nach dem Abzug der Briten und der kaiserlichen Truppen einen verbotenen Gottesstaat gemacht. Die Mönche kontrollierten die Bildung und verwehrten der Bevölkerung Wissen über die Welt ausserhalb Tibets. Die Mehrheit des Volkes wurde von einer aristokratischen und klerikalen Minderheit unterjocht mit dem Argument, dass die eigene schlechte Position durch ein schlechtes Karma aus einem früheren Leben verschuldet sei. Platz für andere Meinungen gab es da nicht.

(Quelle: Anti-Umwelt-Aufstand?)

Scheintoleranz in modernisierten Religionen

Das was wir in Europa heute als «Christentum» wahrnehmen, ist kein authentisches Christentum mehr, falls es je ein solches gab, sondern eine durch Humanismus und Aufklärung bereits stark gemilderte und zurückgestutzte Version davon. Darum fühlen sich die durchschnittlichen Christen auch tolerant und stellen keine direkte Gefahr mehr dar.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass alles, was in modernisierten Religionen an Toleranz vorhanden ist, aus reiner Notwendigkeit entstand, nicht aus Einsicht. Die Christen mussten lernen, wenigstens unter sich friedlich zu leben, nachdem sie in konfessionellen Bruderkriegen Europa an den Rand der Zerstörung gebracht hatten. Der moderne Islam musste lernen, dass er der geballten Kriegsmacht des Westens nicht mehr gewachsen ist, und seine Ansprüche auf die eigenen Herrschaftsgebiete reduzieren. In diesen aber stehen nicht selten brutalste Gotteststaaten, in denen keine Abweichung toleriert wird.

Anders hingegen die Fundamentalisten, also all jene Menschen, denen die Religion viel in ihrem Leben bedeutet. Diese Menschen lehnen die moderne Theologie mit ihren Relativierungen ab, lehnen die Wissenschaft und besonders die Evolutionsbiologie ab und berufen sich auf ein wörtliches Bibelverständnis. Diese Menschen sind es auch, die sich intolerant gegenüber Andersdenkenden verhalten und sich sehr schnell provoziert fühlen. Es sind in der Regel nicht die Mitglieder einer offiziellen Landeskirche, sondern Anhänger von extremeren Gemeinden, wie ICF, Chrischona, GvC. In der Schweiz organisieren sich diese Extremisten in den christlich-fundamentalistischen Kleinparteien EVP und EDU. Sie stellten mit ihren mittelalterlichen Ansichten eine echte Bedrohung für unsere hart erkämpften Freiheiten dar, würden sie mehr Macht erlangen. Daher ist es die Pflicht aller freiheitsliebenden Demokraten, diese Bewegungen zu bekämpfen. Man darf niemals tolerant sein gegenüber Intoleranz.

Toleranz im Atheismus

Der europäische Atheismus fusst auf den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrhunderte. Unsere Basis sind die Werte von Renaissance, Humanismus, Aufklärung, Demokratie und Menschenrechte. Daher halten wir es wie Voltaire: Wir mögen anderer Ansicht sein, aber wir setzen alles daran, dass jeder seine Meinung frei äussern kann. Wir tolerieren andere Meinungen nicht nur, wir akzeptieren sie und wir setzen uns mit ihnen auseinander. Diese Internetseiten sind ja gerade ein Beispiel für eine intensive Auseinandersetzung mit anderen Meinungen.

Doch eine andere Meinung zu akzeptieren heisst nicht, dass man sie übernehmen muss. Dies ist ein falsches Verständnis von Toleranz das jeweils durchbricht, wenn man uns vorwirft: «Ihr seid intolerant». Man kann andere Meinungen zugleich akzeptieren und bekämpfen, solange man sie mit Worten, mit Argumenten bekämpft. Erst in dem Moment, wo andere Meinungen mit Repression, Waffen und Gewalt bekämpft werden ist das Ende von Toleranz erreicht. Eine aktive Toleranz bedeutet auch aktive Kritik an der Meinung anderer und gleichzeitig das Zulassen von Kritik an der eigenen. Wir lassen sogar in unserem Diskussionsforum Menschen gegenteiliger Auffassung zu Wort kommen, ohne die Beiträge zu löschen. Selbstverständlich halten wir argumentativ dagegen, aber die Tatsache dass wir der Gegenseite gar noch eine Plattform anbieten zeigt, dass wir die Meinungsfreiheit ernst nehmen und bereit sind, über die Mindestanforderungen hinaus zu gehen. Wir könnten diese Internetseiten auch ohne Forum betreiben, oder das Forum nur für Atheisten öffnen, tun das aber bewusst nicht, weil uns der Dialog wichtig ist.

Grenzen der Toleranz

Richtig verstanden muss Toleranz, ich nenne es lieber «Akzeptanz» oder «Respekt vor anderen Meinungen», auch Grenzen haben, denn unbeschränkte Toleranz bietet der Intoleranz keinen Einhalt. Für atheismus.ch sind die Grenzen der Akzeptanz erreicht, …:

  • … wo die eigene Meinung durch Berufung auf «höhere Mächte» ungerechtfertigt erhöht wird. Die Qualität einer Meinung misst sich nicht an ihrem Bezug auf unbewiesenen Aberglauben, sondern an ihrer inneren Konsistenz und ihrer argumentativen Begründung.
  • … wo abweichende Meinungen bedroht werden, sei dies nun durch Androhung von Höllenqualen oder durch reale gesellschaftliche, wirtschaftliche oder gar vitale Sanktionen.
  • … wo Religionsgemeinschaften Privilegien beanspruchen, welche nicht allen Weltanschauungen gleichermassen offen stehen.
  • … wo öffentlicher Raum in einem Mass beansprucht wird, indem man ihn anderen Weltanschauungen nicht zugesteht.

Kurz gesagt: Toleranz und Akzeptanz müssen auf Gegenseitigkeit beruhen, ansonsten verkehren sie sich ins Gegenteil.


Eine gute Ergänzung zu diesem Artikel ist der Artikel Intoleranz in der Wikipedia, von wo auch etliche Zitate stammen.

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Ja. Ich war vorher schon dieser Meinung und der Text hat mich darin bestärkt.55%(56)
Teilweise, er regt mich zum denken an.8%(8)
Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.4%(4)
Nein. Ich war vorher schon anderer Meinung und bleibe dies auch.5%(5)
Nein. Der Text hat mich in meiner gegenteiligen Ansicht bestärkt.25%(25)

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