Atheismus in der Schweiz
«Meiner Meinung nach ist Gott ein Pole, denn er hat die Schöpfung ein bisschen verpfuscht.» Andrzej Szczypiorski, polnischer Schriftsteller

Karfreitagsei und Leichtgläubigkeit

Der Legende nach sollen Eier nicht faulen, die am Karfreitag gelegt wurden, selbst wenn sie an der prallen Sonne liegen. Diese sogenannten «Karfreitagseier» wurden unter Frage: Karfreitagsei??? (benji) diskutiert. Die beste Antwort war die von holon:

Da haben wir doch mit dem Karfreitagsei wieder ein wunderschönes Beispiel, wie glaubensanfällig wir doch sind. Wie der Alltag zeigt, sind wir aber nicht nur in religiösen Anbelangen leichtgläubig. Der Zauberer in der Manege oder am Fernseher fasziniert uns so sehr, dass wir geneigt sind ihm zu glauben, dass er wirklich zaubern kann. Wieviele Leute haben nach Uri Geller kaputte Uhren und Löffel aus der Schublade geholt. Wir neigen einer Respektperson zu glauben, was auch immer sie uns ernsthaft glauben machen will. Einem Lehrer, einem Arzt in seinem weissen Kittel oder irgend einer Person, die uns geistig überlegen scheint. Der Arzt kann uns sogar Scheinmedikamente abgeben und die Beschwerden verschwinden weil wir glauben das echte Medikament gekriegt zu haben.

Wenn ich hier schnell abschweifen darf, der Placeboeffekt, äussert der sich nicht auch bei der Alternativ-Medizin, bei homöopathischen Mitteln und bei unseren gläubigen Artgenossen, wenn sie zu ihrem Gott beten? Kann der Glauben wirklich eine chemische Reaktion in unserem Körper auslösen, die unsere Schmerzen beseitigt, oder ein Glücksgefühl auslöst? Kann Glauben Berge versetzen? Dies wohl schon eher nicht, aber haben wir es hier nicht mit einem Fänomen zu tun, wo der Glauben für uns einen Sinn haben kann? Dürfen wir Atheisten, nur aus diesem ethischen Grund, dem Patienten sagen, das Medikament hat keinen Wirkstoff, die Alternativ-Medizin ist fauler Zauber und dem Gläubigen Gott existiere nicht? Das ist für mich das einzige Hemmnis, dem Kind die Wahrheit zu sagen.

Um zurück zu kommen zur Leichtgläubigkeit: Ist es doch ein universelles Erscheinungsbild von der Dämonenbeschwörung der Höhlenbewohner bis zum heutigen Monotheismus, wo sogar die gleichgültige Mehrheit noch gesteht, dass es irgend eine höhere Macht geben muss. Universell auch, dass über den ganzen Globus verteilt die meisten Menschen sich an irrationale Glaubenssätze halten. Es ist ein Fänomen, das wir nicht einfach der Dummheit der Menschen zuschreiben können. Man kann sagen, es ist eine Eigenart die uns Menschen endemisch, nur unsere Art betreffend, uns von unseren Verwandten den Tieren in einem negativen Sinn unterscheidet. Wenn uns die Geschichte etwas anderes zeigen würde als die katastrofale Auswirkung dieser Eigenart könnte man davon ausgehen, der Mensch sei ein vernünftiges Wesen. Sind wir aber nicht, die Natur hat bei uns ein paar Schrauben locker gelassen. Man kann ruhig von einem Fehler sprechen, wenn ein längeres Überleben dadurch in Frage gestellt ist.

Also, appellieren allein an die vielgerühmte Vernunft wie es auch diese Seite versucht, hilft nichts. Es ist kein psychologisches Problem, sondern es hat eine fysiologische Ursache. Und bei körperliche Schwächen, sollten eigentlich letztendlich Medikamente ansprechen. Wer dabei humane Bedenken hat, sei daran erinnert, dass wir dem Kochsalz Jod beimischen, um den Kropfkretinismus zu verhindern und den daraus folgenden Schwachsinn entgegen wirken können.

(Quelle: Re: Frage: Karfreitagsei??? (holon))

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