Atheismus in der Schweiz
«Der Christ braucht Strafe, der Klerus liebt die Strafe, vom Beichtvater bis zum Himmelsvater straft alles. Und da sagt Jean Paul: Freude am Strafen hat nur der Teufel.» Karlheinz Deschner, deutscher Autor und Historiker, *1924

Keine Wahrheit aus Glaube

Weltweit gibt (und gab) es tausende von Religionen. Hingegen gibt es nur eine Wissenschaft. Was ist der Grund?

Die Wissenschaft bietet mit ihrer Methodik die Möglichkeit an, wahre und falsche Aussagen voneinander zu unterscheiden. Dem hat die Religion nichts entgegenzusetzen. Es gibt keine objektive Möglichkeit, eine wahre Religion von einer falschen zu unterscheiden. Darum ist Glaube ein minderwertiges Konzept.

Dieses Problem haben auch die Gläubigen erkannt und versucht Erklärungen zu finden, die zeigen sollen, warum ihr Glaube, und nur ihr Glaube, der einzig richtige sei. Allein die Tatsache, dass es immer noch genau gleichviele Religionen gibt, und beinahe täglich neue Sekten entstehen, beweist, dass diese Versuche gescheitert sind.

Die Wissenschaft hat es

Die Wissenschaft bietet in ihrem Denksystem auch die Kriterien an, wie eine richtige von einer falschen oder eine geeignete von einer ungeeigneten These zu unterscheiden sind. Diese Kriterien sind weltweit gleich und eindeutig. Ein chinesischer Wissenschaftler kann problemlos mit einem kenyanischen Wissenschaftler über eine Theorie diskutieren, diese bestätigen oder verwerfen und dabei auf gemeinsame Kriterien und eine gemeinsame Methodik aufbauen. Diese Kriterien stehen daher ausserhalb der konkret untersuchten Thesen, denn ansonsten wäre es eine zirkuläre, d.h. kreisförmige Beweisführung: Die These ist wahr, weil die These begründet, dass die These wahr ist. In der Wissenschaft würde eine solche Argumentation sofort verworfen. In der Religion ist sie leider üblich.

Der Religion fehlt es

Die Religion müsste nun qualitativ genau dasselbe bieten können, wie die Wissenschaft, wollte sie ernst genommen werden und vor allem, wollte sie korrekte Aussagen machen. Gefordert sind somit Kriterien, welche ausserhalb der einzelnen Religionen liegen. Es müsste wie bei der Wissenschaft ein Kriterium sein, dem Christen, Buddhisten, Shintoisten, Moslems, Juden, Esoteriker und Hinduisten genauso zustimmen können, wie Anhänger der griechischen, sumerischen, agyptischen, nordischen oder slavischen Götterwelt, genauso wie Anhänger einer Naturreligion. Ein solches Kriterium, mit dem man objektiv die Wahrheit von Religionen untersuchen könnte, gibt es nicht.

Übliche Argumentationen

Es folgt eine Liste üblicher Argumentationen mit einem Verweis, wo darauf eingegangen wird und warum diese nicht funktionieren. Allen ist aber eines gemeinsam: Sie beruhen auf einem Kreisschluss. Der Grund, warum ein Kriterium aufgestellt wird, liegt nicht darin dass es objektiv gesehen ein gutes Kriterium wäre, sondern er liegt immer darin, dass die Religion, welche man beweisen will, genau das Kriterium zu erfüllen scheint. Dumm nur, dass sehr oft gezeigt werden kann, dass selbst die zu beweisende Religion das eigens für sie aufgestellte Kriterium nicht oder nur unzureichend erfüllt.

Die Liste solch untauglicher Kriterien, die allesamt auf diesen Seiten widerlegt werden, sind, beinhaltet:

Profezeiungen

Häufig hört man als mögliches Kriterium für das Zutreffen einer Religion sei das Eintreffen von Profezeiungen. Dieser Punkt wird in konkreten Beispielen zwar schon unter «Eingetroffene Profezeiungen beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist» besprochen, aber hier an dieser Stelle wird das Kriterium selbst untersucht. Da die Bibel voller Profezeiungen ist, Christen Jesus als Erfüller von vielen Profezeiungen betrachten und daher gerade Christen dieses Kriterium oft einbringen, macht es Sinn, die Wahrheit dieser These anhand der Bibel und der biblischen Texte zu untersuchen.

Frage
Kann man aufgrund eingetroffener Profezeiungen auf die Wahrheit einer Religion oder einer Schrift oder eines Profeten schliessen?

Antwort

Der Artikel «Eingetroffene Profezeiungen beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist» zeigt, wie kritisch Profezeiungen zu untersuchen sind.

Präzision der Vorhersage

Meist handelt es sich bei Profezeiungen um sehr vage und unklare Aussagen. Es gibt weder ein klar spezifiziertes Ereignis, noch einen klar definierten Zeitpunkt für sein Eintreffen in der Zukunft, noch die genauen Umstände, noch den genauen Ort. Eine präzise Profezeiung muss folgendes eindeutig spezifizieren: Was geschieht wann, wie und wo. Es ist sehr selten, dass dies so präzise vorhergesagt wird, dass sich alle im Vornherein darüber einig sind, wann welches Ereignis eintreten wird. Die meisten Profezeiungen werden erst gedeutet, nachdem sie erfüllt worden sind.

Korrekte Vorhersagen

Die einzigen Profezeiungen, die regelmässig mit hoher Genauigkeit eintreten, sind wissenschaftlich fundierte Vorhersagen, insbesondere z.B. der Wetterbericht. Keine religiöse Profezeiung ist so präzise und mit einer so hohen Trefferquote versehen, wie ein Wetterbericht. Selbst in diesem Bereich, bei den Profezeiungen, ist die Wissenschaft der Religion haushoch überlegen. Dies liegt nicht daran, dass die Wissenschaft bessere Visionen oder Offenbarungen hätte, sondern dass die Wissenschaft ein korrektes und auf seinen Wahrheitsgehalt objektiv geprüftes Modell der Welt aufstellt, und daraus korrekte Vorhersagen über künftige Ereignisse ableiten kann.

Verblendete Gläubige — einseitige Sichtweise

Während das Eintreffen einer Profezeiung als Beweis für die Wahrheit des ganzen religiösen Weltbildes gehandelt wird, weigern sich die Gläubigen, das viel häufigere Nichteintreffen von Profezeiungen als Widerlegung ihrer heiligen Schrift, ihrer Religion, ihres Priesters, Gurus oder Profeten zu akzeptieren. Eine einzige nicht eingetroffene oder falsche Profezeiung widerlegt eine ganze Religion, während noch so viele zutreffende Profezeiungen noch immer keinen eindeutigen Beweis liefern.

Ein typisches Beispiel ist die Sekte Fiat Lux um Frau Bertschinger alias Uriella, die bei einem Reitunfall auf den Kopf fiel und seither an Schläfenlappenepilepsien leidet. Sie hat den Weltuntergang bereits 1991 vorhergesagt und 1997 das Datum auf 1998 festgelegt. Dabei wurde sie sehr konkret und sagte beispielsweise einen Meteoriteneinschlag in der Nordsee voraus. Von all dem ist nichts eingetroffen. Trotzdem blieb Uriella weiterhin unumstrittene Sektenführerin. Ihrer Autorität tat die eindeutig falsche Vorhersage keinen Abbruch, ihre Anhängerschaft schwand deswegen nicht. Stattdessen wurde die Wirklichkeit, da sie nicht passte, passend zurechtgebogen. Das ist eine übliche Taktik von Gläubigen: Wenn etwas am Glauben nachweislich falsch ist dann wird die Wirklichkeit mit faulen Ausreden zurechtgebogen. Christen versuchen so z.B. den bösartigen, tyrannischen, mordenden und strafenden Gott, der viele Massaker verübte, mit ihrer Vorstellung eines liebenden Menschenfreundes zu vereinbaren. Das ist dort genauso schäbig und verlogen wie hier. In diesem Fall war die faule Ausrede die, dass die Welt dank der Gebete von Fiat Lux noch einen Aufschub erhalten habe. Trauriges Fazit: Gläubige Menschen sind dermassen verblendet, dass sie nicht mehr in der Lage sind, Fehler wie falsche Profezeiungen zu erkennen, und daraus die zwingend notwendigen Schlüsse zu ziehen.

Nachträgliche Profezeiung

Wenn sowohl die Profezeiung, wie auch ihr Eintreffen beide in der Vergangenheit liegen, ist es oft schwierig, klar aussagen zu können, ob die Profezeiung vor oder nach ihrem Eintreffen gemacht wurde. Die Möglichkeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass erst ein Ereignis stattfand, und erst hinterher jemand behauptet, das sei schon lange vorhergesagt worden. Gerade bei biblischen Profezeiungen im alten Testament fällt dies oft schwer.

Die Menge an Profezeiungen

Wenn Profezeiungen nur schwammig genug formuliert werden, kann im Nachhinein sehr oft ein Ereignis gefunden werden, das zutreffen könnte. Werden nun viele solch schwammiger Profezeiungen gemacht, so ist es kein Zufall, dass einige davon als zugetroffen interpretiert werden können.

Gilt eine Profezeiung oder ein Wunder als Kriterium für Wahrheit?

In der Bibel gilt eine eingetroffene Profezeiung, und auch ein Wunder, nicht unbedingt als Kriterium für Wahrheit! Die Autoren der Bibel waren sich bewusst, dass sie kein Monopol auf Wunder oder korrekte Profezeiungen haben. Daher haben Sie selbst die Beweiskraft von Wundern negiert:

Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht. 24.24 Denn es werden falsche Christi und falsche Profeten aufstehen und werden grosse Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. — Die Bibel, Matthäus 24.23-24

Hier muss der Autor des biblischen Textes zugeben, dass es nicht möglich ist, aufgrund von zutreffenden «Zeichen und Wunder» auf die Wahrheit einer Aussage zu schliessen. Und was macht dieser Kerl zum Kriterium, um wahr von falsch zu unterscheiden? Er setzt sich selbst als Massstab ein! Nur Profezeiungen, Zeichen und Wunder, die mit seinem eigenen Dogma übereinstimmen gelten als korrekte Zeichen für Wahrheit. Dieses Schema ist in der Bibel öfters zu beobachten. Es ist typisch, aber kein Kriterium für Wahrheit, sondern im Gegenteil ein untrügliches Zeichen für Beliebigkeit, dass die Orthodoxie immer genau das akzeptiert, was ihren Dogmen entspricht und alles ablehnt, was ihnen widerspricht, selbst wenn die Argumente, Kriterien oder Zeichen qualitativ vollkommen identisch sind.

Fazit: Eine «wahre» Profezeiung zu erkennen und dies von einem durch Zufall oder schwammiger Formulierenden Zusammentreffen zu unterscheiden ist schon sehr schwierig. Erstaunlich wäre nur, wenn derselbe Personenkreis immer wieder sehr konkrete und in der Mehrheit zutreffende Vorhersagen machen würde, und sich das nicht mehr statistisch erklären liesse. Doch so etwas schafft keine Religion, sondern nur wer ein korrektes Modell der Wirklichkeit hat. In erster Linie also die Wissenschaft.

Fazit

Religion bietet keine effektive Möglichkeit, richtig und falsch voneinander zu unterscheiden. Sie ist daher vollkommen beliebig und in jeder Hinsicht untauglich.

Verweise

Vergleiche auch:

Bewertung (07 artikel: keine wahrheit aus glaube)
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Ja, sehr. Ich war vorher anderer Meinung und habe diese Meinung nun geändert.3%(1)
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Ja. Ich war vorher schon dieser Meinung und der Text hat mich darin bestärkt.69%(22)
Teilweise, er regt mich zum denken an.6%(2)
Nein. Ich war vorher schon der gleichen Meinung und bleibe dies auch.3%(1)
Nein. Ich war vorher schon anderer Meinung und bleibe dies auch.9%(3)
Nein. Der Text hat mich in meiner gegenteiligen Ansicht bestärkt.9%(3)

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