Atheismus in der Schweiz
«Zum Christentum wird man nicht geboren, man muss dazu nur krank genug sein.» Friedrich Nietzsche, deutscher Filosof, 1844-1900

Nur Wissenschaft führt zu wahrer Erkenntnis

Vergleicht man (Natur-) Wissenschaft mit anderen Ansätzen, die Welt zu untersuchen, wie z.B. die Filosofie oder Religionen, so kommt man zu einem eindeutigen Ergebnis: Nur die Wissenschaft kann zu wahrer Erkenntnis führen! Die Begründung liegt in der wissenschaftlichen Methodik.

Sorgfalt

Unsere Welt wird mit den Mitteln, die wir haben, sehr genau untersucht und vermessen. Danach versucht man, Theorien (Erklärungen, Thesen) zu entwickeln, die gemäss Ockhams Rasiermesser möglichst einfach sind, aber dennoch die Beobachtungen erklären können. Aus diesen Theorien werden Vorhersagen abgeleitet und die Vorhersagen wiederum durch neue Beobachtungen überprüft. Je mehr eine Theorie so überprüft wurde, als umso sicherer kann sie gelten. Kein anderer Ansatz geht dermassen penibel vor, wie der wissenschaftliche, nicht umsonst ist die wissenschaftliche Genauigkeit sprichwörtlich.

In der Filosofie oder in der Religion werden zuerst heuristisch die Thesen aufgestellt, und dann wird die Wirklichkeit nach der These interpretiert. Das kann verständlicherweise nicht zu korrekten Theorien führen, auch wenn die Begründungen und geistigen Verrenkungen, die gemacht werden, um eine These am Leben zu erhalten, manchmal geradezu genial abenteuerlich sind. Es ist die Reihenfolge, die nicht stimmt: Die These muss mit der Beobachtung übereinstimmen und nicht umgekehrt.

Kritik

Im Gegensatz zu Religion, wo Kritik unerwünscht und abweichende Ansichten als Häresie verunglimpft werden, ist Kritik ein fester und wichtiger Bestandteil der Wissenschaft. Dadurch ist es möglich, Irrtümer zu erkennen und zu korrigieren. Gerade in Religionen fehlt dieser wichtige Mechanismus. Darum werden selbst offensichtliche Fehler einfach schöngeredet und uminterpretiert, um so die eigentlich bereits widerlegte These doch noch halten zu können.

Dogmafreiheit

Die Wissenschaft kennt keine Dogmen. Alle Fragen werden so objektiv wie nur möglich angegangen. Dabei wird die einfachste mögliche Erklärung gesucht. Wenn jemand für dieselbe Beobachtung eine einfachere Erklärung anbieten kann, dann wird die einfachere Erklärung übernommen. Eine einfachere Erklärung ist eine Erklärung, die alle Beobachtungen erklärt, gleichzeitig aber möglichst wenige und möglichst einfache Voraussetzungen impliziert. Selbstverständlich versucht man, die Voraussetzungen zu überprüfen, ebenso wie Vorhersagen der Erklärung, um so die Konsistenz und Stabilität einer Erklärung zu gewährleisten. Eine solch objektive Vorgehensweise gibt es bei Religionen nicht. Im Gegenteil, es gibt Dogmen, die geglaubt werden müssen, und die man nicht hinterfragt. Wer in der Wissenschaft eine als sicher geglaubte Erkenntnis stürzt, erhält den Nobelpreis. Wer in der Religion ein Dogma widerlegt, wird ausgelacht, beschimpft, als Ketzer verurteilt und schlimmstenfalls verbrannt.

Kriterium für die Erkennung von Wahrheit

Eine Religion oder eine Filosofie bieten kein objektives Kriterium, um wahre von falschen Thesen zu unterscheiden. Angesichts der vielen existierenden Religionen und Filosofien, kann man sich ihnen gegenüber nur agnostisch verhalten: Es könnte sein, dass eine tatsächlich die Wahrheit verkündet, aber es gibt keine Möglichkeit herauszufinden, welche das ist. Zwar sind z.B. die Christen der Ansicht, ihre Religion sei die einzig wahre und sie hätten Kriterien dafür, doch entspringen diese Kriterien direkt der christlichen Religion. Die Argumentation wird dadurch zur zirkulären Logik. So argumentieren Christen z.B. damit, dass nur in ihrer Religion Gott seinen Sohn zu den Menschen schicke, um für diese zu sterben. Selbst wenn das stimmen würde, so ist es trotzdem kein Argument für diese Religion, denn ein für die Menschen sterbender Gottessohn ist kein Kriterium für den Wahrheitsgehalt einer Religion. Nur weil das Christentum den sterbenden Gottessohn kennt, machen die Christen diesen Umstand zum Kriterium. Das heisst, es ist kein objektives Kriterium, denn es entspringt der Religion, die damit bewiesen werden soll. Die Argumentation dreht sich im Kreis, der Aussagewert ist Null.

In der Wissenschaft gibt es hingegen sehr strenge Kriterien, um korrekte von falschen Thesen zu unterscheiden. Völlig unabhängige Theorien können objektiv miteinander verglichen werden. Dazu dienen die Methoden, die oben genannt wurde: Eine Theorie ist gültig, wenn sie die Beobachtungen erklärt, nicht widerlegt werden kann, das heisst logisch konsistent ist und den Beobachtungen nicht widerspricht, sowie wahre Vorhersagen macht. Zwei gültige Theorien sind gleichwertig, wenn sie dieselben Beobachtungen erklären können. Wenn zwei Theorien nicht gleichwertig sind, wird nach Ockhams Rasiermesser die einfachere Theorie genommen, also diejenige, welche im inneren Aufbau einfacher ist und weniger Annahmen treffen muss.

Fazit: Im Gegensatz zur Wissenschaft gibt es in der Religion (und in der Filosofie) kein objektives Kriterium, um eine richtige Religion von einer falschen Religion zu unterscheiden. Darum werden religiöse Dispute auch häufig durch Waffengewalt und Unterdrückung ausgetragen. Dem gegenüber gab es noch nie einen Krieg wegen unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansichten, und es wird deswegen auch nie einen Krieg geben, denn die Wissenschaft kann im Gegensatz zur Religion ihre Thesen unter Beweis stellen, und richtig von falsch unterscheiden.

Wissen, dass man die Wahrheit gefunden hat

Die Wahrheit zu kennen und zu wissen, dass man die Wahrheit kennt, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Ein gutes Beispiel hierfür ist der griechische Filosof Demokrit. Durch filosofische Überlegungen ist er zur Überzeugung gelangt, dass die Welt aus kleinsten Teilchen, sogenannten Atomen (unteilbare Materie) bestehe. tatsächlich ist er der Wahrheit erstaunlich nahe gekommen, — nur konnte er das nicht wissen. Andere haben anderes behauptet, ober ohne wissenschaftliche Methodik war es nicht möglich, den Wahrheitsgehalt einer These zu prüfen. Das heisst, es kann jemand, durch Zufall, die reine Wahrheit kennen, trotzdem nützt es ihm nichts, wenn er nicht weiss, dass dies die Wahrheit ist.

Beispiel: Nehmen wir an, die Welt wäre tatsächlich von Marsmenschen erbaut worden. Nun komme ich, und behaupte einfach so, aus reiner Intuition, die Welt sei von Marsmenschen erbaut. tatsächlich hätte ich die volle Wahrheit getroffen. Trotzdem nützt mir dieser Umstand nichts, denn ich kann selbst nicht wissen, dass ich die Wahrheit getroffen habe, weil ich durch reines Raten, durch Vermutung, durch Intuition, auf diese These gekommen bin. Das heisst, meine These ist zwar wahr, aber man kann es nicht feststellen, weil die wissenschaftliche Methodik fehlt, die sorgfältige und strukturierte Vorgehensweise, die strenge Überprüfung und die harte Kritik.

Schlussfolgerung

Aufgrund all dieser Tatsache gibt es nur eine Konsequenz: Einzig und allein die Wissenschaft ist in der Lage die Welt zu erklären. Nur die Wissenschaft kann uns näher an die Wahrheit bringen und uns gleichzeitig die Gewissheit geben, dass das, was wir erkannt haben, auch tatsächlich richtig ist. Die Erfahrung lehrt uns, dass diese Schlussfolgerung korrekt ist: Alles, was wir über uns, die Welt und das Universum wissen, wissen wir aus der Wissenschaft. Die Religion hat nichts dazu beigetragen. Im Gegenteil, wann immer es zur Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Religion gekommen ist, ist die Wissenschaft als Siegerin hervorgegangen. Nun wissen durch obige Ausführungen auch, warum das immer so sein muss.

Es gibt aber noch eine andere wichtige Schlussfolgerung: Falls wir eines Tages herausfinden würden, dass die Wissenschaft nicht in der Lage wäre, wahre Aussagen über die Wirklichkeit zu treffen, so gäbe keine andere Möglichkeit jemals auch nur ein winziges Stück von wahrer Erkenntnis zu erlangen! Und falls es tatsächlich Bereiche geben sollte, die von der Wissenschaft nicht erforschbar wären, dann wären wir niemals in der Lage, über solche Bereiche auch nur die geringste wahre Aussage zu machen. Ohne die Wissenschaft bleibt nur totaler Agnostizismus übrig.

Vergleiche hierzu auch: Keine Wahrheit aus Glaube

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