Atheismus in der Schweiz
«Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je in Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen … sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht … Ich heisse das Christentum den einen grossen Fluch, die eine grosse innerlichste Verdorbenheit, den einen grossen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist — ich heisse es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit.» Friedrich Nietzsche, deutscher Filosof, 1844-1900

Widersprüche im christlichen Gotteskonzept

Das christliche Gotteskonzept führt sehr schnell zu unauflöslichen Widersprüchen. Sehr viele leiten sich aus dem Dogma der Allmacht ab. Die Widersprüche sind zueinander logisch unauflösbar. Ausserdem führt es zu unauflösbaren Widersprüchen mit der Darstellung der Bibel.

Einstieg

Allmacht = Allwissenheit = Zeitlosigkeit = Perfektion

Wenn Allmacht wirklich vorhanden ist, leitet sich daraus die Allwissenheit ab, wie ich schon schrieb: Wer alles kann, kann auch alles wissen. Ansonsten wäre das eine Einschränkung der Fähigkeiten. Ebenso beinhaltet Allmacht die Zeitlosigkeit: Wer alles kann, kann auch durch die Zeit reisen und zum Beispiel begangene Fehler korrigieren. Allmacht beinhaltet auch Perfektion: Wer alles kann, kann auch alles perfekt machen. Wer alles weiss, macht keine Fehler. Zur Not könnte er immer noch durch die Zeit reisen und vergangene Fehler korrigieren.

Falls Gott also allmächtig ist, muss er allwissend, zeitlos und perfekt sein. Mit diesen Punkten werden wir uns daher im Folgenden beschäftigen. Wenn wir zeigen können, dass auch nur einer davon unmöglich ist, so haben wir damit das Dogma der Allmacht gültig widerlegt.

Allmacht

Zur Frage der Allmacht gibt es bereits bekannte Widerlegungen, wie: «Kann ein allmächtiges Wesen einen Stein erschaffen, der so schwer ist dass es ihn selbst nicht heben kann?» Obschon hiermit die Allmacht bereits widerlegt wird, könnte man doch noch einwenden, dass ein solches Wesen auch die Gesetze der Fysik beeinflussen kann. Doch es geht hier nicht um die konkrete Frage mit dem Stein, denn dieser steht nur symbolisch für eine viel allgemeinere Fragestellung:

Kann ein allmächtiges Wesen seine Allmacht freiwillig beschränken?

In dem Moment, wo ein allmächtiges Wesen seine Allmacht beschränkt, ist es nicht mehr allmächtig. Doch weil die Allmacht auch die Macht über die Zeit bedeutet, ist das keine endgültige, sondern nur eine temporale Beschränkung: Das allmächtige Wesen kann seinen eigenen Entscheid in der Vergangenheit aufheben und ist wieder allmächtig. Es könnte folglich Gebiete in der Raumzeit erschaffen, in denen es selbst gewisse Aspekte seiner eigenen Allmacht verliert.

Dies würde aber wiederum die Allmacht insgesamt beschränken. Wenn wir die Perspektive eines zeitlosen Wesens einnehmen, das die gesamte Raumzeit überblicken kann, so sehen wir darin Löcher, in denen die Allmacht nicht vorhanden ist. Löcher in der Allmacht zerstören aber die Allmacht, die Allmacht hat nicht die Macht über alles.

Es sei denn, das allmächtige Wesen kann die Löcher der Allmacht durch seine Allmacht in anderen Raumzeitgebieten wieder stopfen. Doch damit haben wir wiederum einen temporalen1) Aspekt eingebracht. Die Zeit müsste somit mindestens zweidimensional sein, die Raumzeit nicht vier sondern fünf Dimensionen einnehmen. Wenn wir das Problem in einer zweidimensionalen Zeit lösen können, verlagern wir die ursprüngliche Frage nur in die sechsdimensionale Raumzeit mit einer dreidimensionalen Zeit. Gelöst ist das Problem nicht. Gelöst ist das Problem selbst dann nicht, wenn man den Übergang zur unendlichdimensionalen Zeit geht.

Wollte man die Frage nach der Möglichkeit zur freiwilligen Beschränkung der Allmacht bejahen, führt das somit zu einem logischen Widerspruch. Doch auch wenn man die Frage verneint, führt das zu einem logischen Widerspruch im Konzept der Allmacht, denn damit ist bewiesen, dass es etwas gibt, was Allmacht nicht kann. Da Allmacht per Definition aber alles kann, ist Allmacht nicht möglich.

Fazit: Allmacht ist gültig widerlegt.

Allwissenheit

Mit der Allwissenheit befasst sich bereits der Artikel Kein freier Wille im Christentum!

Fakt ist, dass der Mensch keinen freien Willen hat, wenn ein allwissendes Wesen existiert. Der freie Wille bedingt, dass künftige Entscheidungen noch nicht festgelegt wurden. Falls aber irgendwie künftige Entscheidungen bereits bekannt sind, dann wird die Entscheidung zu dem Zeitpunkt nicht mehr frei sein, sie wird genau so sein, wie sie bereits in der Vergangenheit bekannt wurde.

Da hilft es nichts, wenn Gott freiwillig auf seine Allwissenheit verzichtet, weil bereits das Potential zur Allwissenheit jeglichen Zufall und jegliche Freiheit des Wollens verhindert. Doch wie im obigen Kapitel gezeigt wurde, ist eine solche freiwillige Beschränkung logisch unmöglich.

Da sich Allwissenheit aus der Allmacht ableitet, ist damit auch die Allmacht gültig widerlegt.

Die Bibel baut auf dem freien Willen auf. Somit ist hier ein eindeutiger Widerspruch zwischen Allmacht, der daraus abgeleiteten Allwissenheit und der Bibel. Da die Bibel sowohl die Allmacht, wie auch den freien Willen behauptet, ist die Bibel hiermit durch inneren Widerspruch in zentralen Elementen gültig widerlegt.

Die Bibel hingegen geht davon aus, dass Gott nicht allwissend ist. Immer wieder ist Gott überrascht, oder erfährt Handlungen von Menschen erst im Nachhinein. Auch ist Gott enttäuscht und bereut seine früheren Taten, beispielsweise reut ihn bei Noah die Erschaffung der Menschen. Das ist nur möglich, wenn Gott nicht allwissend ist. Da er aber allmächtig sein soll, muss er auch allwissend sein. Da die Bibel die Allmacht behauptet, nicht aber die Allwissenheit, ist die Bibel hiermit durch inneren Widerspruch in zentralen Elementen gültig widerlegt.

Es kommt aber noch dicker: Freier Wille und Allmacht schliessen sich gegenseitig aus. Dabei spielt es keine Rolle, wer einen freien Willen haben sollte. Nicht nur der Mensch kann bei der Existenz von Allmacht keinen freien Willen haben, auch das allmächtige Wesen selbst kann keinen freien Willen haben.

Wiederum haben wir etwas gefunden, was ein allmächtiges Wesen nicht kann, gerade weil es allmächtig ist. Die Allmacht ist einmal mehr widerlegt.

Fazit: Allwissenheit ist gültig widerlegt.

Fazit: Allmacht ist gültig widerlegt.

Zeitlosigkeit

Auf das Problem der Zeitlosigkeit sind wir bereits zu Beginn gestossen. Zeitlosigkeit bedeutet im mindesten, dass man durch die Zeit reisen und begangene Fehler beheben kann. Doch das führt eine weitere Dimension der Zeit ein, dass wir, wenn wir Zeitlosigkeit postulieren, in einem unendlichdimensionalen Zeitraum landen, aber das Problem noch immer nicht gelöst haben.

Im zweidimensionalen Zeitraum würde es bedeuten, dass die Korrektur eines Fehlers der Vergangenheit sofort ein Paralleluniversum erschaffen würde, indem dieser Fehler getilgt ist. Doch das alte Universum läuft weiter, es sei denn, es würde gleichzeitig vernichtet. Doch dann stellte sich die Frage, ob ein allmächtiges Wesen diese Vernichtung auch verhindern könnte und beide Universen paralell weiterlaufen lassen könnte. Kann es das nicht, ist es nicht allmächtig. Wenn es das aber kann, ist es wiederum nicht zeitlos, denn die gemachten Fehler bleiben erhalten, das Problem ist nur auf eine zeitliche Dimension höher verschoben. Damit ist es ebenfalls nicht allmächtig.

Die Bibel stellt Gott hingegen ganz klar als von der Zeit abhängig dar. Ein zeitloses Wesen kann nicht seine früheren Taten bereuen, es kann sie ungeschehen machen. Ein zeitloses Wesen versucht nicht erst ein auserwähltes Volk zu erlösen, und muss dann wegen totalen Versagens sich selbst als eigenen Sohn auf die Erde schicken. Ein zeitloses Wesen braucht keinen komplizierten «Erlösungsplan», der immer wieder schief geht, es braucht gar keine Erlösung. Stattdessen kann es gemachte Fehler, z.B. bei der Erschaffung der Menschen, in der Vergangenheit, bei der Wurzel lösen, so dass alle Fehler und «Sünden» nie geschehen sind. Der Gott der Bibel hingegen muss andauernd reagieren und ist nicht Herr der Lage. Andauernd muss er irgendwelche unbotmässigen Völker vernichten, Kriege führen, um Platz für sein Volk zu schaffen, dagegen einschreiten, dass die Menschen andere Götter verehren, die Todestrafe einführen, um die Menschen zu Gehorsam zu zwingen. Dies alles sind nicht Handlungen eines allmächtigen und somit zeitlosen Wesens. Auch hier widerlegt sich die Bibel durch inneren Widerspruch in zentralen Elementen.

Fazit: Zeitlosigkeit ist gültig widerlegt.

Fazit: Allmacht ist gültig widerlegt.

Perfektion

Mit der Perfektion befasst sich bereits der Artikel Perfektion

Unsere Welt ist offensichtlich nicht perfekt. Ein allmächtiges Wesen könnte aber eine perfekte Welt schaffen. Damit ist bewiesen, dass unsere Welt nicht von einem allmächtigen Wesen erschaffen wurde.

Noch etwas: Ein allmächtiges Wesen begeht keine Fehler und schafft eine bessere Welt. Wenn also für uns Menschen, selbst mit unserem eingeschränkten Verstand, eine bessere Welt denkbar ist, dann ist der Gott der Bibel damit eindeutig widerlegt. Dazu hat atheismus.ch ein kleines Rollenspiel im Diskussionsforum gestartet: Rollenspiel: Wenn ich Gott wäre (mrw). Auch Du bist eingeladen. Zeigt uns, was man alles besser machen könnte als Gott.

Fazit: Perfektion ist gültig widerlegt.

Fazit: Allmacht ist gültig widerlegt.


Fazit: Der Gott der Bibel existiert mit Sicherheit nicht.

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