Atheismus in der Schweiz
«Gebete, Auferstehung von Fleisch und Blut, ein richtend-strafendes Jenseits sind Buschzauber, Erfindungen verantwortungsloser theologischer instrumenteller Vernunft.» Walter Schäfer

Wunder

Ein Wunder ist ein nicht nachvollziehbares, den Naturgesetzen eindeutig widersprechendes Ereignis, bei dem eine Täuschung ausgeschlossen werden kann. Es handelt sich nur dann um ein Wunder, wenn Unterbewusstsein und Zufall als Ursachen ausgeschlossen werden können.

Gibt es Wunder?

Alles, was ich zum Thema Wunder sagen kann, ist, dass ich noch keines erlebt habe. Kein mir bekanntes Wunder konnte nicht früher oder später auf ein natürliches Ereignis, meist Betrug, zurückgeführt werden. Die meisten Wunder scheitern schon daran, dass sie nur vom hören sagen bekannt sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Beweislast grundsätzlich immer bei demjenigen liegt, welcher eine Behauptung aufstellt.

So wie ich die Welt wahrnehme, richtet sie sich nach strengen Gesetzen, die durch nichts gebrochen werden können. Alle Versuche, die ich kenne, diese Gesetze zu brechen, beruhen letztendlich auf Täuschung. Wunder haben immer nur «andere» erlebt.

Das eigentliche Wunder

Das eigentliche Wunder ist die Natur an sich. Wenn schon etwas zu bewundern gibt, dann nicht irgendwelche Götter, Betrüger, Priester und andere Scharlatane, sondern die Natur, das Universum mit seinen Gesetzen. Gesetze, die nicht gebrochen werden können, deren Einhaltung aber zur Entstehung von Leben und Intelligenz geführt hat. Das Leben ist wunderbar. Es ist falsch, statt das Leben zu geniessen, sich lieber nach anderen, unwahrscheinlichen Wundern zu sehnen. Es mag ja mal vorkommen, dass Personen, aus einer natürlichen Ursache heraus, aus einem Scheintod ins Leben zurückkehren. Aber man sollte wegen solch seltenen und für das Ganze nebensächlichen Ereignissen die Hauptsache, das Leben an sich, nicht aus den Augen verlieren. Ein schwacher Puls ist oft nicht mehr spürbar. Prompt wird eine noch lebende Person als tot bezeichnet. Sobald sie wieder zu sich kommt, ist das angebliche Wunder perfekt. Demgegenüber steht die Geburt eines neuen Lebens als alltägliches, aber dennoch faszinierendes, echtes Wunder.

Wunderberichte

In religiösen Zeitschriften, wie beispielsweise dem Blatt «Der gute Hirte» aus der Religionsgemeinschaft meiner Eltern, finden sich oft äusserst dämliche Wunderberichte, der Art, dass jemandem ein Unglück widerfährt, aber dank Gottes Hilfe und viel beten das schlimmste verhindert werden kann. Dies beinhaltet Geschichten über verlorenen Gegenstände, die nach einem Gebet auf wundersame Weise wieder gefunden werden. Manchmal geht es um Unfälle, bei denen sich jemand verletzt. Dank Gottes Hilfe trägt er keine schweren Schäden davon, oder manchmal darf er auch nur gerade das Leben behalten, Gott sei Dank.

Die Urheber solch idiotischer Geschichtchen beachten dabei nicht, dass weltweit täglich unzählige verlorene Gegenstände wiedergefunden werden, beten hin oder her. Sie vergessen, dass täglich unzählige Menschen knapp an grösseren Katastrofen vorbeigehen, Gott hin oder her. Zur Illustration möchte ich zwei wahre Begebenheiten aus meinem Bekanntenkreis aufführen.

Die Geschichte der T.B.

T.B. ist eine stark gläubige Christin. Eines Tages verlor sie beim Schwimmen ihren Ehering. Nebst der Tatsache, dass ein solcher Ring einen hohen persönlichen ideellen Wert beinhaltet, ist die gute Frau auch materiell nicht so stark gesegnet, dass sie den Verlust ohne weiteres hätte ersetzen können. Sie fiel folgerichtig auf die Knie und betete innigst zu ihrem Gott, er möge ihr bei der Suche zur Seite stehen. Sofort begab sie sich zurück an den Ort, wo sie glaubte, den Ring verloren zu haben. Trotz grosser Mühe musste sie mit leeren Händen zurückkehren.

Die Geschichte der C.H.

C.H., eine Atheistin, vergass ihre Handtasche im Tram. Darin befanden sich nebst Geld auch wichtige Ausweise und Kreditkarten. Den Verlust bemerkte sie erst zu Hause. Um die Verkehrsbetriebe anzurufen, war es bereits zu spät. Erst am anderen Morgen konnte sie jemanden auf dem Fundbüro erreichen. Sie bekam ihre Tasche wieder und es fehlte nichts. Sie hatte nicht gebetet, sie glaubt nicht einmal an einen Gott.

MRW (1998)

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