Atheismus in der Schweiz
Diskussion

17.10.2007 01:49 - mrw

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Diskussionsbeitrag:

Am 17.10.2007 01:49 schrieb mrw:

Antwort an David: Wie Jesus nach Bethlehem kam

David, was denkst du, warum wurde in der Bibel ein so grosser Aufwand betrieben, um aus Jesus, ein Kind aus dem Hause Davids zu machen, nur um dann doch, einen Sohn Gottes aus ihm werden zu lassen.

Ein grosser Aufwand betrieben? Wenn es die Wahrheit ist, dann war es eben so.

Das ist doch recht blauäugig, nach dem Schema, wenn es in der Bibel steht, muss es so gewesen sein…

Es wurde ja extra betont, dass sich Josef nach Bethlehem, der Stadt Davids, seines Vorfahren, aufmachen musste (obschon das bei Volkszählungen im alten Rom sicher nie der Fall war, dass jemand zwecks Zählung in die Stätte seiner Vorfahren zurückkehren musste, obschon er weder dort geboren war, noch dort je wohnte)

Ach und ist in deinem Pass der Bürgerort etwa nicht eingetragen?

Und hat man je von Dir verlangt, um eine Volkszählung zu Steuerzwecken durchzuführen, dass Du Dich in die Heimatstadt eines Königs begibst, der tausend Jahre vor Dir gelebt hat, nur weil Du aus seiner Linie abstammst? Deinen Bürgerort ist vermutlich Dein Geburtsort, allenfalls ist er noch vom Vater oder Grossvater geerbt, aber er reicht kaum tausend Jahre zurück in die Vergangenheit.

Diese Information habe ich mir nicht selbst aus den Fingern gesaugt (so gut sind meine historischen Kenntnisse nicht), sondern aus Richard Dawkins, «Der Gotteswahn», Kapitel «Das Argument der heiligen Schrift» S.131. Dort steht (gekürzt):

Ein gutes Beispiel, wie der Text [der Bibel] durch religiöse Einstellung gefärbt wurde, ist der rührende Bericht über die Geburt Jesu in Bethlehem […] [A]ufgrund der Profezeiung im alten Testament (Micha 5.2) rechneten die Juden damit, dass der lang erwartete Messias in Bethlehem zur Welt kommen würde. Angesichts dieser Profezeiung merkt das Johannesevangelium (Johannes 7.41-42) ausdrücklich an, Jesu Anhänger hätten sich gewundert, dass er nicht in Betlehem geboren wurde […]

Weiter schreibt Dawkins, dass Matthäus und Lukas anders mit dem Problem umgingen: sie bringen Jesus zur Geburt nach Bethlehem, aber auf unterschiedlichen Wegen:

Matthäus belässt Maria und Josef längere Zeit in Bethlehem; nach Nazareth ziehen sie erst lange nach Jesu Geburt […] Lukas dagegen erkennt an, dass Maria und Josef in Nazareth lebten, bevor Jesus geboren wurden. Wie konnten sie im entscheidenden Augenblick in Bethlehem sein und die Profezeiung erfüllen? Lukas berichtet, Kaiser Augustus habe zur der Zeit, als Kyrenius (Quirinius) Statthalter in Syrien war, eine allgemeine Volkszählung zu Steuerzwecken angeordnet, und dazu habe sich «ein jeder in seine Stadt» begeben müssen. Josef war «aus dem Hause und Geschlecht Davids» und musste deshalb «in die Stadt Davids, die da heisst Bethlehem» ziehen.

Und hier folgt die entscheidende Aussage, auf die sich mein obiger Text beruft:

Das klingt nach einer plausiblen Lösung, doch wie A.N. Wilson in Jesus ([deutsch:] Der geteilte Jesus), Robin Lane Fox in The Unauthorized Version (Die Geheimnisse der Bibel richtig entschlüsselt) und andere dargelegt haben, ist das historisch völliger Unsinn. Wenn David überhaupt existierte, lebte er fast tausend Jahre vor Maria und Josef. Warum um alles in der Welt hätten die Römer von Josef verlangen sollen, dass er sich in die Stadt begab, wo fast ein Jahrtausend zuvor einer seiner entfernten Verwandten gelebt hatte? Es ist, als sollte ich zum Beispiel auf einem Volkszählungsformular angeben, dass meine Heimatstadt Ashby-de-la_Zouch ist, wenn ich meine Abstammung zufällig auf den Seigneur de Dakeyne zurückverfolgen könnte, der mit Willhelm dem Eroberer nach Grossbrittanien kam und sich in dieser Ortschaft niederliess.

Und weiter geht's in dem Tempo, nun wird die Bibel (wieder einmal) der historischen Unwahrheit entlarvt:

Ausserdem macht Lukas seine Datierung auch dadurch zunichte, dass er so taktlos ist, und Ereignisse erwähnt, die man in der Geschichtswissenschaft auch unabhängig von der Bibel nachprüfen kann. Es gab unter dem Stadthalter Quirinius tatsächlich eine Steuerschätzung – es war allerdings eine lokale Zählung, die keineswegs vom Kaiser Augustus angeordnet wurde –, aber die fand zu spät statt: im Jahr 6, lange nachdem Herodes gestorben war. Lane Fox gelangt zu dem Schluss, Lukas' Geschichte sei historisch falsch und in sich nicht stimmig, doch er hat Mitgefühl mit dem Dilemma des Evangelisten, der unbedingt Michas Profezeiung erfüllen wollte.

Und hat es Dich noch nie verwundert, dass die allseits beliebte Weihnachtsgeschichte nur in einem von vier Evangelien erzählt wird, wo doch praktisch alles andere vierfach vorhanden ist?, Oder dass über Jesu Herkunft in den Evangelien verschiedene Versionen existieren (s.o.)?

Übernahme von Mythen

Und gleich darauf, im selben Kapitel bei Dawkins, S.132 folgt etwas zum Thema von hans bezüglich der Mythen (die übrigens auch bei Karlheinz Deschner, «Der gefälschte Glaube: Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe»1) ausführlich zur Sprache kommen — wenn Dich das Thema wirklich interessiert, solltest Du das Büchlein lesen):

In der Dezemberausgabe 2004 von Free Inquiry stellt Tom Flynn […] eine Sammlung von Artikeln zusammen, in denen die grossen Lücken und Widersprüche der allseits geliebten Weihnachtsgeschichte dokumentiert werden. […] Und Robert Gillooly zeigt, wie alle wesentlichen Zutaten der Jesuslegende – der Stern im Osten, die Jungfrauengeburt, die Anbetung des Babys durch die Könige, die Wunder, die Hinrichtung, die Wiederauferstehung und die Himmelfahrt .. ausnahmslos aus anderen Religionen übernommen wurden, die es zu jener Zeit im Mittelmeerraum und im Nahen Osten bereits gab. […]

Das Thema habe ich übrigens bereits vor langer Zeit in einem Artikel auf diesen Seiten erwähnt: Die Gottwerdung Jesi. Die Information dort habe ich mehrheitlich nach Deschner zitiert.

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1) Gefälscht ist der christliche Glaube deshalb, weil seine Mythen anderen (älteren) antiken Legenden entnommen wurden.
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