Atheismus in der Schweiz
Diskussion

18.11.2007 14:15 - mrw

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Diskussionsbeitrag:

Am 18.11.2007 14:15 schrieb mrw:

Antwort an David: Gott ist ein unmöglicher Zufall

Deinen Text unter "Meine Ansicht" kann ich restlos bestätigen. vorausgesetzt man fügt folgenden Satz am Ende hinzu: "All dies wurde von Gott geplant, verursacht und durchgeführt." damit meine ich: Evolution, Urknall, entstehung des Lebens. Ja, das gabs meiner Meinung nach auch. Aber ich halte es nicht für einen Zufall sondern ich denke, Gott hat das so gewollt.

Es ist aber nicht nötig, dass dies «von Gott geplant, verursacht und durchgeführt» wurde. Die Existenz eines solchen Gottes wäre ein viel unglaublicherer Zufall, als die Annahme, dass es keine solchen gibt. Und wenn es einen solchen Gott gäbe, wieso schafft er die Welt nicht einfach, so wie in der Bibel beschrieben? Wieso braucht er ein so kompliziertes Verfahren, in dem er die Welt wie durch Zufall im Laufe einer Milliarden Jahre langen Entwicklung langsam entstehen lässt?

Es funktioniert bestens ohne Gott. Die Annahme, ein Gott hätte den Urknall gestartet ist schlicht abwegig und unnötig. Sie erklärt nichts neues, sondern bringt die ungelöste Frage, wie und woher denn dieser Gott plötzlich ins Spiel kommen soll.

Argumente für Gott

Ich habe zwei Hauptargumente für die Existens von Gott. Eines ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass aus toter Materie Leben entstehen konnte.

Nur weil Du Dir etwas nicht vorstellen kannst, spricht das noch lange nicht dagegen. Du überschätzt Dich masslos. Die Evolutionsbiologen können sich sehr wohl vorstellen, dass aus toter Materie Leben entstehen kann. Es gibt hierzu zwei konkurrierende Theorien: «Stoffwechsel zuerst» und «Information zuerst», also die Frage, ob die tote Materie erst Stoffwechselkreisläufe bildete, aus denen sich Leben entwickelte, oder ob das Leben aus selbstreproduzierenden Molekülen entstand. Beide Theorien sind momentan möglich. Welche zutrifft ist noch nicht bekannt. Aber beide Theorien erklären genau das, was Du nicht verstehst: Wie sich von selbst aus toter Materie Leben entwickelte.

Jeder Wissenschaftler wird dir bestätigen, dass beim Urknall kein Leben möglich war.

Es ist völlig irrelvant, was zum Zeitpunkt des Urknalls möglich war, weil sich das Leben erst Jahrmilliarden später entwickelte, als es einen Planeten gab, die Erde, auf dem Leben eben möglich war.

Dein Erstes Argument ist somit widerlegt. Was ist Dein zweites?

Für mich ist die Existenz eines Wesens das sich unserem Verständins entzieht insofern logisch, da sich die entstehung des Lebens auch unserem Verständnis entzieht.

Sie entzieht sich Deinem Verständnis, nicht unserem! Die Evolutionsbiologen haben eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie das Leben entstanden ist. Ob Du das verstehst, ist dabei völlig irrelevant.

Unlogik mit Unlogik zu erklären, mag absurd erscheinen, aber es muss nicht zwingend falsch sein.

Es ist absurd und es ist falsch. Nur weil eine Erklärung unlogisch ist, heisst das noch lange nicht, dass eine andere unlogische Erklärung richtig ist. Vielmehr können auch beide Erklärungen falsch sein. Das ist es, was viele Christen nicht begreifen wollen: Auch wenn meine Meinung falsch ist, heisst das noch lange nicht, dass deswegen automatisch die christliche Erklärung richtig ist. Vielmehr könnte auch eine beliebige andere Erklärung richtig sein, vielleich auch eine, auf die noch niemand gekommen ist. Aber Christen neigen dazu, die Welt in Schwarz/Weiss und entweder/oder Entscheidungen einzuteilen. Das ist einfach nur falsch. Die Pascalsche Wette ist ein typisches Beispiel dieser unzulässigen Schwarz-/Weissmalerei.

Das eigentliche Wunder

In meinem Modell bleibt eine Frage offen: Wieso gibt es plötzlich einen Urknall (oder wenn dieser erklärt werden kann, z.B. durch Kollision zweier höherdimensionaler Welten, ändert sich die Frage in: Woher kommen diese höherdimensionalen Welten),

In Deinem Modell bleibt dieselbe Frage offen: Wieso gibt es plötzlich einen Gott, der eine Welt schaffen oder einen Urknall starten kann.

Das einzige, was meiner bescheidenen Ansicht nach wirklich unlogisch und kaum lösbar ist, ist die Tatsache, dass überhaupt irgendetwas existiert. Die Existenz an sich ist ein Wunder. Da braucht es keinen Gott. Materie, Energie, Zeit und Raum, das ist etwas absolut wunderbares, unlogisches und unerklärliches. Nicht Dein lächerlicher kleiner Wüstengott. Der ist insofern logisch, als er einem barbarischen, kriegerischen und patriarchalischen Kleingeist entsprang, eine Erfindung von dummen unwissenden Menschen in alten Zeiten. Aber die Tatsache der Existenz, die ist wunderbar, unerklärlich und unlogisch. Logisch wäre, wenn es rein gar nichts gäbe, keine Materie, keine Zeit, keinen Raum, keine Menschen und schon gar keine Götter.

Wenn ich sage, «die Existenz von Zeit und Raum» sind wunderbar, und Du behauptest «sie wurden von Gott» geschaffen, dann erklärt das rein gar nichts, denn dann würde ich sagen (wenn Du recht hättest, was Du nicht hast): «die Existenz von Gott ist wunderbar». Und achte auf die Betonung! Nicht Gott ist wunderbar, sondern die Existenz von Gott. Oder in meinem Modell, die Existenz von Zeit und Raum. Gott ist genauso bedeutungslos, wie Zeit und Raum. Es ist die Existenz, was in mir tiefe Bewunderung und tiefes Staunen auslöst, unabhängig davon, was existiert, seien das tote Planeten, Tiere, Menschen oder Geister.

Wenn Du die Existenz erklären kannst, dann kannst Du mehr als ich. Dann musst Du aber die Frage beantworten können: «Warum existiert Gott Wenn Du das nicht erklären kannst, hast Du nichts erklärt, was die Wissenschaft nicht viel besser erklären kann.

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