Atheismus in der Schweiz
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01.01.2008 16:24 - mrw

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Diskussionsbeitrag:

Am 01.01.2008 16:24 schrieb mrw:

Antwort an Etem Zaman

Ein Mensch kann nur das verstehen, was in ihm bereits ist.

Nein, er kann neues dazulernen. Je neuartiger, desto schwieriger, aber er kann es.

Ihr habt als Kinder eine Gottesvorstellung vermittelt bekommen, mehr oder minder, bei jedem unterschiedlich stark ausgepraegt. Folglich distanziert ihr Euch mit der Zeit genau vor dieser Vorstellung, aus verschiedenen Gruenden heraus.

Nein, wir haben uns seither intensiv mit dem Thema beschäftigt und mit vielen Menschen diskutiert. Wir distanzieren uns von allen Gottesvorstellungen, die wir kennengelernt haben.

Wenn dann einer kommt, der Dir die Frage stellt welche Vorstellung Du zB. von Gott hast, antwortest Du dann (natuerlich aus Deiner Sicht betrachtet) richtig, dass Du gar keine hast und wenn Du auf eine triffst, dann glaubst Du es widerlegen zu koennen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Nein es ist die ganze Wahrheit. Wir Atheisten haben keinerlei Gottesvorstellung. Da die Götter Erfindungen von Menschen sind, müssen wir uns, wenn wir uns mit dem Thema auseinandersetzen wollen, in die Gottesvorstellung der Menschen versetzen, die an einen Gott glauben. Unsere Gottesvorstellung können wir nicht nehmen, weil es die nicht gibt. Wir müssen also in der Lage sein, uns in andere Denkweisen zu versetzen, um überhaupt über einen Gott diskutieren zu können. Dann versuchen wir zu zeigen, dass jede erdenkliche Gottesvorstellungen unlogisch und widersprüchlich ist. Aus den oben bereits genannten Gründen.

Denn in Wirklichkeit, ist jede Gottesvorstellung in Deinen Gedanken vorgepraegt von dem biblischen Gott und noch wichtiger von den Menschen, die es Dir vermittelt haben, richtig?

Eine Gottesvorstellung muss von den Menschen geprägt sein, die daran glauben, denn einen Gott ausserhalb der menschlichen Fantasie existiert nicht. Gott existiert nur in der Fantasie der Menschen, die an ihn glauben.

Ist der biblische Gott des alten Testaments nicht derselbe wie die des neuen Testaments, wenn man mal genau hinschaut, geschweige denn, dass es noch gleich sein soll mit dem juedischen oder dem islamischen.

Grundsätzlich ist es derselbe. Oder willst Du behaupten, dass zwischendurch ein Gott ausgewechselt wurde? Das wäre nicht im biblischen Sinn. Tatsächlich hat sich die Gottesvorstellung von den Menschen geändert, die die Bibel geschrieben haben. Im alten Testament war es ein kriegerisches archaisches Wüstenvolk im bneuen Testament waren es die Bewohner einer römischen Provinz. Im Koran wiederun war die Situation nochmals anders.

Das heisst nochmals ganz deutlich: Einen Gott ausserhalb der menschlichen Vorstellung gibt es nicht. Jede Referenz auf einen Gott beruht auf der Vorstellung der Menschen, die ihn erfunden haben, oder weiter an ihn glauben, und ihn so in ihrem Glauben kontinuierlich ihren Vorstellungen anpassen. Es gibt nämlich soviele Gottesvorstellungen, wie es Gläubige gibt. Jeder versteht unter «Gott» etwas ein klein wenig anderes. Hinzu kommt, dass die allgemeine Gottesvorstellung, die Gemeinsamkeiten in der individuellen Gottesvorstellungen, sich mit dem Zeitgeist ändern. So ist auch die Gottesvorstellung heutiger Christen grundlegend anders, als die der ersten christlichen Gemeinden, oder anders auch als die im Mittelalter.

Neben der Tatsache, dass sowohl altes, wie auch neues Testament aus menschlicher Redaktion stammen und damit schon subjektiv beeinflusst sind, …

Sie sind nicht von Menschen redigiert, sondern von Menschen erfunden. Menschen haben die Sagen und Mythen ihrer Vorfahren gesammelt und kanonisiert.

… ist da noch die Tatsache, dass die Personen, die Dir in Deinen "Aufnahme jahren", als Kind ihr eigenes Gottesbild vermittelt haben, Dich nocheinmal subjektiv beeinflusst haben.

Das erste, was ich tat, als ich mich entschloss, nach der Wahrheit zu suchen, statt den Glauben meiner Eltern zu übernehmen war, subjektive Prägung zu identifizieren und zu eliminieren. Nur so kann man objektiv verschiedene Ideen vergleichen. Betrachtet man nämlich eine Relgion aus angemessener Distanz, stellt man schnell fest, dass diese Religion keine objektve Rechtfertigung besitzt. Jede Religion ist subjektiv, darum immer objektiv falsch. Nur die Wissenschaft bietet die erforderliche Distanz und Objektivität.

Dabei will ich aber nicht pauschalisieren, wie hier einige vorher, sondern ehrlich und unvoreingenommen erstmal genau festmachen, was denn einige unter Gott sich vorstellen.

Wir stellen uns nichts eigenes darunter vor. In unserem Weltbild kommt keine Form von «Gott» vor. Das ist es was Du wohl nicht verstehen kannst.

Ich finde es schon stark, dass man behauptet, man koenne etwas verstehen und sich hieneinversetzen, wenn man vorweg kategorisch jede Vorstellung davon ablehnt.

Da hast Du etwas falsch verstanden. In unserem Weltbild kommt der Begriff «Gott» nicht vor. Wir akzeptieren, dass es Menschen gibt die einen Gott erfinden, weil es für sie in irgendeiner Form bequem, zweckmässig oder nützlich erscheint. Wir sind aber in der Lage zu zeigen, dass dies unnötig, schlecht und falsch ist.

Also wenn ich zB. ein Kindergaertner bin, kann ich mir eine Vorstellung darueber erlauben, was ein Pilot genau tut, ohne selbst einmal geflogen zu sein, oder wenn, dann nur als einfacher Passagier und zudem noch kategorisch ablehnen, jemals eine Vorstellung darueber zu entwickeln, dass ich mal fliegen werde? Hmm ich glaube nicht.

Das ist ein sehr dummer Vergleich, weil wir Atheisten uns sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt haben und so zu Spezialisten auf dem Gebiet geworden sind. Es wäre genauso falsch, Du würdest behaupten, ein Richter könne einen Mord nicht beurteilen, ohne selbst einmal zum Mörder geworden zu sein. Selbstverständlich kann man sich in etwas hineinversetzen und etwas aus einer fremden Perspektive beurteilen. Das nötige Wissen und die Erfahrung vorausgesetzt. Diese Voraussetzung ist bei uns Atheisten gegeben.

Vielleicht koennen wir ja gemeinsam erstmal das Wort definieren, welches wir untersuchen…

Wir untersuchen kein Wort, wir untersuchen ganze Luftschlösser, errichtet von Religionsstiftern und ausgebaut von Priestern und bewohnt von den Gläubigen.

Also ueber welche genaue Gottesvorstellung reden wir jetzt?

Wenn wir mit Dir reden, über Deine. Wenn wir mit jemand anderem reden, über seine. Hast Du eine? Dann definiere sie, und wir gehen darauf ein. Im Allgemeinen, wenn wir nicht speziell auf eine Person eingehen, reden wir über die Gottesvorstellung, wie sie in Bibel, Christentum und den hiesigen Kirche vermittelt wird, weil diese hierzulande am weitesten verbreitet ist.

Im übrigen stimme ich Gwendolan bei.

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