Atheismus in der Schweiz
Diskussion

06.10.2006 17:38 - anonymous

Hier sind Diskussionen zur Seite «Es gibt Bereiche, die die Wissenschaft nicht untersuchen kann» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 06.10.2006 17:38 schrieb anonymous:

Interessant ist, wie abwertend immer über Religion gesprochen wird, da fängt man fast an zu glauben man hätte es schon wieder mit einem Kult zu tun :) Die böse und durch und durch schlechte Religion, auf der anderen Seite die Fehlerlose Wissenschaft, die Offenbarung, Halleluja. Schwarz und Weiß, ohne genauer zu differenzieren. Tatsächlich aber - und da stimmen die meisten seriösen Wissenschaftler mit mir überein - sagt die Wissenschaft nichts über philosophische Fragen aus. Sie kann es auch überhaupt nicht, weil dies nicht dem Wissenschaftlichen Standard entsprechen würde.

Um z.B. Stephe Hawkins zu zitieren:

"I thought I had left the question of the existence of a Supreme Being completely open. . . It would be perfectly consistent with all we know to say that there was a Being who was responsible for all the laws of physics."

Gerade in der Kosmologie und Physik ist dies sehr oft der Fall, dass man IMMER über die Physik hinausgehen muss, um sie selbst zu erklären. Das Problem dabei - und das verwechseln viele - es gibt einen Unterschied zwischen Interpretation und Fakten. Die Wissenschaft nennt die Fakten, sie enstchlüsselt die Grammatik des Textes. Was dieser Text jedoch bedeutet, oder ob er überhaupt eine Bedeutung hat, kann sie nicht sagen. Hierzu ist die Philosophie zuständig. Netter Link zu diesem Thema: http://www.br-online.de/cgi-bin/ravi?v=alpha/centauri/v/&f=020721.rm .

Es gibt nämlich auch noch eine dritte Möglichkeit, die hier vergessen wurde. Es gibt "übernatürliches", aber wir können es nur Ansatzweise begreifen. Das tritt z.B. in der oben erwähnten Kosmologie oft ein. Natürlich ist "übernatürlich" hier vieleicht ein ausgelutschter Begriff, da wir nicht wissen wie weit die Gesetze der Natur wirklich gelten. Wobei es ein Kampf gegen die Windmühlen wäre, wenn man das an Begrifflichkeiten festmachen würde. Wissenschaft hat Grenzen und was dahinter liegt wird "übernatürlich" genannt. Das mag vieleicht ein wenig unglücklich sein, aber immerhin weiß da jeder, was gemeint ist. Zum Beispiel muss es letztendlich (sofern man keinen unendlichen Regress von Ursache und Wirkung annehmen will) eine erste unverursachte Ursache geben, sofern man die Logik als überall gültig ansieht. Was das war, darauf kennen wir keine Antwort und diese werden wir auch niemals kennen können (Münchhausen-Trilemma).

Sollte sich herausstellen, dass man Nahtoderfahrungen, irgendwelche Fälle von angeblicher Reinkarnation, Telepathie wirklich nicht mit unserem momentanen Weltbild erklären kann, dann würde es zu einem Paradigmawechsel kommen. Fraglich ist dann, ob es hier trotzdem Grenzen gibt. Vieleicht wenn man sich die 11 Dimensionen der String-Theorie zur Hilfe nehmen würde, wobei man letztendlich unterscheiden muss zwischen "das ist berechenbar oder nicht erfahrbar", "das ist völlig erklärt" oder "wir wissen, dass es so ist, aber wir können nicht verstehen, wie es funktioniert oder warum". Auf was ich hinaus will ist, dass nichts mehr übernatürlich ist, wenn man es verstanden hat, es jedoch trotzdem existiert und fraglich ist, ob wir, falls es existiert, es jemals verstehen können. Eine weitere interessante Ansicht, auf die nur selten eingangen wird ist der Idealismus, den viele Religionen (und auch Wissenschaftler!) vertreten. Die Vorstellung einiger Leute, dass das ganze Leben nur ein Traum ist, würde eine solche Argumentation völlig über den Haufen werfen.

DEBORAH BLUM (Pulitzer Prize Gewinnerin und amerikanische Autorin) beschrieb die Worte des bekannten Philosophen William James wie folgt:

"Either I or the scientist is a fool with our opposing views of probability, James wrote. The risk of appearing foolish, he believed, was the least of the dangers. There also was the risk of failing to investigate the world in all its dimensions, or making it appear smaller and less interesting than it really is. He worried about a time when people would become ``indifferent to science because science is so callously indifferent to their experiences. He worried that a close-minded community of science could become a kind of cult itself, devoted to its own beliefs and no more."

PS: Die Erkenntnis, dass die Erde flach sei wurde meines Wissens nach entgegen der landläufigen Meinung, selbst im Mittelalter nicht überall vertreten. Es war vielmehr ein Bild, was sich die Menschen immer gemacht haben. Auch was die ganzen schlechten Seiten von Religion angeht sollte man vorsichtig sein. Vieles davon was oben genannt wurde hat mit Religion ansich nix zu tun. Zum einen weil es nur einige Religionen betrifft, zum anderen weil auch religionsfreie Systeme darunter zu leiden hatten.

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