Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: 30.12.2007 09:42 - Jack (sara)

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Diskussionsbeitrag:

Am 09.03.2010 19:57 schrieb sara:

Hallo Jack,

Wir haben die Wissenschaft seit erst 200 Jahren.
Richtig, und gerade deshalb mahne ich zur Vorsicht und stelle ein grosses Fragezeichen hinter der Evolutionstheorie und der Abiogense. Vor nicht allzu langer Zeit, behauptete man beispielsweise noch steif und fest, der Neandertaler sei der Vorfahre des Menschen. Diese Theorie wurde mittlerweile revidiert und für ungültig erklärt.

Das ist ja gerade das Geniale der wissenschaftlichen Methode :-) Es gibt einen inhärenten "Autokorrekturmechanismus". Wenn die Evolutionstheorie wirklich falsch ist (meiner Meinung nach sehr sehr unwahrscheinlich aber nicht ausgeschlossen..), dann werden irgendwann einmal neue Erkenntnisse die alten überholen, es wird einen peer-review Prozess geben, der schliesslich zu einem "dogmatischen Shift" führen wird.

Bis dahin jedoch ist es doch ok, den Stand der "heutigen" wissenschaftlichen Erkenntnisse (i.e. Evolutionstheorie) eher als Richtlinien gelten zu lassen, als eine 2500 Jahre alte, dogmatische Doktrine, die vielen neueren Erkenntnissen einfach nicht mehr stand hält, die selber keinen Autokorrekturmechanismus beinhaltet, sondern (im Gegenteil) ihren Anhängern "blindes Vertrauen ohne kritisches Hinterfragen" predigt, und die um jeden Quadratzentimeter "Status-Quo" kämpfen muss, damit ihr nicht der letzte Boden auch noch unter den Füssen weggezogen wird (i.e. Schöpfertheorie)..

Persönlich sehe ich auch nichts Schändliches darin zuzugeben, dass ich in der Vergangenheit etwas "Falsches" als wahr angenommen hatte (z.B. die Idee, dass die Neanderthaler unsere direkten Vorfahren waren), unter der Bedingung, dass:

1) die damaligen Erkenntnisse diese Theorie als die wahrscheinlichste und vernünftigste erschienen liessen

2) ich stehts bereit bin, unter gegebenen Umständen (neuen Erkenntnissen, die ich kritisch evaluiere) meine Meinung "anzupassen" oder zu "revidieren"

3) ich stehts zugeben kann, dass man auch heute viele Dinge (noch) nicht weiss, und gewisse Dinge wahrscheinlich niemals wissen wird. Darin ist auch nichts schändliches.

Ich zeige nur auf, dass die Theorie der spontanen Lebensentstehung noch lange nicht bewiesen, resp. "nachgekocht" worden ist. Solange dies nicht 1:1 repliziert wurde, kann man dahinter ein grosses Fragezeichen setzen. Mit anderen Worten, es ist kein "Fakt".

Ahhhh.. die Frage "was ist ein Fakt" ist Subjekt der Epistemologie und hat Jahrtausende von philosophischen Interpretationen hinter sich… Im Grunde können wir doch gar nichts als "Fakt" annehmen, vielleicht ist alles nur ein Traum, oder eine Sinnestäuschung, oder wir sind alle nur Teil einer Matrix ;-)

Irgendwo muss man jedoch - aus rein praktischen Gründen und um nicht irrsinning zu werden - eine Grenze ziehen.. Welches Niveau an Beweisfülle und -glaubhaftigkeit ist für jeden von uns notwendig, um einen Fakt als einen Fakt zu akzeptieren?

Es gibt Studien, die besagen, dass wenn ein neuer "Fakt" in das schon bestehende Weltbild einer gegebenen Person passt, er viel eher angenommen und integriert wird, als wenn er gegen das Weltbild derjenigen verstösst. Das geht sogar soweit, dass in den USA befragte Republikaner eine Aussage von ihrem republikanischen Kandiaten als Wahrheit, die gleiche Aussage vom demokratischen Kandidaten jedoch als strikte Lüge interpretiert haben… (muss den Artikel wieder hervorgrübeln gehen..)

Es ist also verständlich, dass jemand wie Du, der an die Schöpfertheorie glaubt, mehr Beweise benötigt als jemand wie ich, der die Evolutionstheorie schon lange als die beste Erklärung für die beobachtete Komplexität des Lebens ansieht. Für Dich, falls du die "Beweise" für die Evolutionstheorie und die Abiogenese je als gültig ansehen kannst, hiesse dies konsequenterweise eine grundsätzliche Umkrempelung deiner ganzen Lebensanschauung, was sich verunsicherend und bedrohend anfühlt (hab ich auch durchgemacht, es ist fürchterlich), für mich jedoch nur eine Bestätigung in meiner eigenen, was eigentlich nur als positiv empfunden werden kann..

Wir alle empfinden Resistenzen gegenüber Argumenten, die unsere Weltanschauung herausfordern oder "anzugreifen" scheinen und sind sehr defensiv diesen gegenüber (bei mir sind das Argumente der extremen Parteien, ich muss mich bei der Nase nehmen, dass ich objektiv und logisch kohärent bleibe..) Es ist aber wichtig, dass wir auch in diesen grundsätzlichen Fragen objektiv zu bleiben versuchen, und die gleichen kritischen Standards anwenden, wie bei Argumenten, die uns bestätigen..

Ich würde wagen zu behaupten, dass du dich mit deinem "erst wenn es im Labor bewiesen wird, ist es wirklich ein Fakt" Argument an einen Strohhalm klammerst, und alle andern Indizien, die in Hülle und Fülle um uns sind und FUER die Evolutionstheorie und die Abiogenese sprechen, einfach als ungültig abtust.. Auch wenn man NIE in einem Labor den ununterbrochenen Prozess der Entstehung einer funktionierenden, sich reproduzierenden Zelle aus einzelnen Molekülen nachstellen kann, so sind die Hinweise aus so zahlreichen anderen Disziplinen wie der Paläontologie, der Archäologie, der Genetik, der Molekularbiologie, der Biochemie, der Geologie, der Medizin, der Botanik, der Astonomie [u.v.m.], halt doch überwältigend und weisen stark und unbeirrbar nur in eine einzige Richtung: die der Evolutionstheorie.

Für eine anschauliche und verständliche Zusammenfassung aller heute bekannten "Beweise" für die Evolutionstheorie siehe Richard Dawkins' neustes Buch "The greatest show on earth". Wenn ich richtig verstanden habe, musst du ja sehr gut English sprechen ;-)

Lieb grüsst, Sara

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Re: 30.12.2007 09:42 - Jack (jack)


Am 10.03.2010 16:21 schrieb jack:

Am 09.03.2010 19:57 schrieb sara:
Ich würde wagen zu behaupten, dass du dich mit deinem "erst wenn es im Labor bewiesen wird, ist es wirklich ein Fakt" Argument an einen Strohhalm klammerst, und alle andern Indizien, die in Hülle und Fülle um uns sind und FUER die Evolutionstheorie und die Abiogenese sprechen, einfach als ungültig abtust.. Auch wenn man NIE in einem Labor den ununterbrochenen Prozess der Entstehung einer funktionierenden, sich reproduzierenden Zelle aus einzelnen Molekülen nachstellen kann, so sind die Hinweise aus so zahlreichen anderen Disziplinen wie der Paläontologie, der Archäologie, der Genetik, der Molekularbiologie, der Biochemie, der Geologie, der Medizin, der Botanik, der Astonomie [u.v.m.], halt doch überwältigend und weisen stark und unbeirrbar nur in eine einzige Richtung: die der Evolutionstheorie.

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