Atheismus in der Schweiz
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Re: Die «Bergpredigt» ist von hoher Moral (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 07.05.2009 00:40 schrieb mrw:

Am 04.05.2009 14:12 schrieb derpderp:
"Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. — Matthäus 5.3"
Ich denke nicht, dass sich diese Zeile auf diejenigen bezieht, die "arm im Geist" sind, sondern dass die Armen "im Geist glückselig sind" (denn ihrer ist das Reich der Himmel etc.), also dass sie sich glücklich schätzen können, arm zu sein. Wahrscheinlich weil sie nicht durch den Reichtum und den Luxus der Reichen verdorben sind, was ja damals wie heute öfters mal der Fall war. Korruption und Habgier sind Phänomene, die häufer in der Oberschicht vorkommen.

Dann wäre zumindest die Übersetzung falsch. Hinterlistig wie ich bin, würde ich anmerken, dass man arm im Geist sein muss, um ins christliche Himmelreich zu gelangen, denn ein intelligenter Mensch durchschaut das Brimborium.

Allgemein solltet ihr die Bibel nicht so ernst nehmen.

Da gebe ich Dir, da Du Dich als überzeugten Atheisten bezeichnest, schon recht. Das Problem sind nur die Christen, welche die Bibel tatsächlich heute noch als «Wahrheit» nehmen, die meinen, Andersdenkende und Abweichende ablehnen zu müssen, aber auch solche, die heute noch meinen, aus der Bibel eine zeitgemässe Religion ableiten zu können.

Meine Aussage ist die: Wenn (falls) man die Bibel ernst nimmt, dann schwankt sie zwangsläufig irgendwo zwischen unmenschlich und total lächerlich.

Wenn man die Bibel nicht ernst nimmt, wenn man sie nur als eines von vielen Büchern betrachtet, eines, das gerade aufgrund seines Alters und seinem eingeschränkten Weltbild besonders überholt ist, dann kann man sie neutraler betrachten, als ich das in der Regel tue. Wenn man die Bibel mit der gebührenden Distanz betrachtet, kann man sie auf die gleiche Weise als Teil des Weltkulturerbes betrachten, wie z.B. die griechische Mythologie auch.

Leider verhindern die gläubigen Christen, Juden und Moslems durch ihre bornierte Sturheit und ihre Unfähigkeit zur nötigen Distanz eine solche Herangehensweise und verlangen nach einer Kritik an der Bibel, so als ob sie tatsächlich «Gottes Wort» wäre, denn als genau das betrachten diese Menschen das Buch.

Wenn man den geschichtlichen Kontext betrachtet, so macht das mit der Sklavenhaltung schon Sinn, ist sogar ein Fortschritt. Wie war es denn vorher? Versklavung auf Lebenszeit? Ich bin kein Historiker und momentan nicht in der Laune, das nachzulesen, aber ich denke mal dass bis vor wenigen Jahrhunderten Sklaven i.d.R. gar nicht freigelassen wurden.

Ich denke nicht, dass die Bibel, oder der Koran (inklusive Sharia) in ihrer Zeit tatsächlich ein grosser Fortschritt gewesen sind. Betrachtet man, was gleichzeitig in anderen Ländern lief, erste Demokratien in Griechenland und Rom, welche Grösse gerade die griechische Filosofie noch lange vor Jesus erreicht hatte, dann ist die Bibel wohl eher ein Rückschritt. Man sollte auch in Erwägung ziehen, dass die ganzen Bücher Mose, welche angeblich zu Zeiten vor (je nach Berechnung) ca. 6000 Jahren («Schöpfung») gespielt haben sollen, in Wahrheit vermutlich im Babylonischen Exil verfasst wurden vor nur ca. zweieinhalbtausend Jahren (um -600). Zu der Zeit waren andere Kulturen schon wesentlich weiter entwickelt.

Ich bin selbst überzeugter Atheist, gehe jedoch nicht so weit, die Bibel nur ihres religiösen Hintergrunds wegen abzulehnen oder (Teile davon) gar als komplett falsch oder "Dumm, dumm, dumm. Masslos und dumm." zu betiteln.

Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Nimmt man sie als «Gottes Wort», dann sind sie genau das: Über alle Massen dumm und blutrünstig. Nimmt man die Bibel als das, was sie tatsächlich ist, dann sind es nur Ergüsse eines primitiven Wüstenvolkes, vermutlich ein Versuch, versprengte Nomaden zu einem Volk zusammen zu schweissen, indem man ihnen eine gemeinsame Geschichte gibt. Und als das, na ja, kann man es gerade noch so durchgehen lassen.

Besonders grossartige Literatur ist die Bibel aber auch dann nicht. Im Wortlaut ist sie kaum zu lesen, so umständlich, ständig wiederholend und langatmig ist sie geschrieben. Zieht man einzelne Geschichten raus, verfasst sie neu in einer modernen Sprache, dann kommt noch die eine oder andere halbwegs brauchbare Geschichte heraus.

Ich denke eher, dass sie ein Werkzeug war, um gewisse moralische Regeln zu verbreiten (oder es zumindest zu versuchen). Man beachte das Wörtchen "war", denn heutzutage hat sie fast keinen praktischen Bezug mehr. Die Sklaverei wurde abgeschafft, die Todesstrafe ist verboten, Mord aus Gründen wie Ehebruch o.Ä. wird bestraft (Krieg ist wieder etwas anderes…)

Würden die Christen regieren, ich meine diejenige Minderheit, der der Glaube noch wirklich viel bedeutet (Evangelikale, Freikirchler, EDU, SD, …), dann wäre unsere Gesellschaft wohl bald nicht mehr so frei und liberal, wie sie es glücklicherweise im jahrhunderte langen Kampf gegen Kirchen und Glaube geworden ist. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass die Staaten des US-Amerikanischen «Bible-Belt» prozentual am meisten Menschen im Gefängis haben, die Todesstrafe noch nicht abgeschafft haben, und vom Norden zur Abschaffung der Sklaverei regelrecht gezwungen wurden.

Wir können von Glück reden, dass unsere Moral nicht mehr auf der Bibel beruht. Das hat sie zuvor viel zu lange.

So gesehen ist die Bibel tatsächlich "falsch", allerdings war sie das nicht immer (oder nicht in diesem Masse). Veraltet würde es besser treffen.

Vermutlich war sie das schon vor zweitausend Jahren. Immerhin verdanken wir den Christen nach der Hochblüte der Antike den Absturz ins finstere Mittelalter.

Leider nehmen manche Menschen die Bibel zu wörtlich… aber wer käme schon auf die Idee, sich an ein Gesetzbuch von 200 nach Christus zu halten?

Leider sehr viele, zu viele!

(Lies mal Hilfe und die Regeln zu DokuWiki1)

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Re: Die «Bergpredigt» ist von hoher Moral (datura)


Am 08.05.2009 23:27 schrieb datura:

"Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. — Matthäus 5.3"
Ich denke nicht, dass sich diese Zeile auf diejenigen bezieht, die "arm im Geist" sind, sondern dass die Armen "im Geist glückselig sind" (denn ihrer ist das Reich der Himmel etc.), also dass sie sich glücklich schätzen können, arm zu sein. Wahrscheinlich weil sie nicht durch den Reichtum und den Luxus der Reichen verdorben sind, was ja damals wie heute öfters mal der Fall war. Korruption und Habgier sind Phänomene, die häufer in der Oberschicht vorkommen.

Dann wäre zumindest die Übersetzung falsch. Hinterlistig wie ich bin, würde ich anmerken, dass man arm im Geist sein muss, um ins christliche Himmelreich zu gelangen, denn ein intelligenter Mensch durchschaut das Brimborium.

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1) Man kann auch richtige Fussnoten machen…
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