Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Die zehn Gebote sind gut (wall-e)

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Diskussionsbeitrag:

Am 21.10.2008 18:19 schrieb wall-e:

Hallo

Ich habe das Urteil über die 10 Gebote gelesen und bin mir sicher, dass eine der folgenden Aussagen zutrifft:

  1. Der Autor hat die Gebote gelesen, ohne sich über das Christetum bzw. das Volk Israel und die damalige Zeit Gedanken gemacht hat.
  2. Der Autor hat aus Prinzip etwas gegen biblische Texte und hat aus Prinzip ein schlechtes Urteil über die Gebote abgegeben.
  3. Der Autor will provozieren

Denn anders kann ich mir diese qualitativ minderwertige, einseitige und unobjektive Kritik nicht erklären. Aber gehen wir mal zu den Fakten über:

Der Autor kritisiert dass die ersten vier Gebote sich auf Gott beziehen. Seiner Meinung nach müsste „du sollst nicht töten“ als erstes stehen, oder zumindest weiter oben. Er benutzt die Worte „selbstsüchtig, selbstverliebt, eifersüchtig und egoistisch“. Der Autor übersieht total, dass die zehn Gebote nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen regelt, sondern auch die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Genau wie ein Gesetzbuch, wie zum Beispiel das Zivilgesetzbuch der Schweiz (ZGB).

Warum stehen die Gott-Mensch Gebote wohl vor den Mensch-Mensch Geboten? Natürlich, weil die gesetzgebende Autorität definiert werden muss, bevor sie ihre Gesetze deklarieren kann. Es ist ein systematischer Aufbau, der durchaus Sinn macht.

Vergleichen wir die Gebote weterhin mit den schweizerischen Gesetzbüchern, wird auch klar, wie uninformiert und unüberlegt der Autor schreibt, wen er Gottes erste vier Gebote als „selbstsüchtig, selbstverliebt, eifersüchtig und egoistisch“ bezeichnet. Der einzige Schwachpunkt des Vergleichs mit dem Schweizer Gesetz besteht darin, dass Gott für Israel wie ein Monarch (der Autor würde sagen ein Diktator), war, während wir in der Schweiz eine Demokratie haben. Aber egal, Gesetze haben die Selbe Wirkung. Nur die gesetzgebende Autorität ist nicht genau die Selbe, was kein Problem für die Vergleiche ist.

Wer in der Schweiz lebt, muss das Schweizer Recht beachten und den Schweizer Staat als Autorität anerkennen. Genauso muss der Israelit (der immerhin das Leben lebt, welches Gott ihm geliehen hat), Gott als Autorität betrachten. Ein Schweizer kann icht einfach sagen, dass er nur das Recht von China akzeptiert. Genau so kann ein Israelit nicht einfach einem anderen Gott nachrennen. Die Kritik am ersten Gebot ist somit unangebracht.

Das zweite Gebot sagt, dass man keine Gottesbilder erschaffen und anbeten soll. Das ist nur recht, denn ein Schweizer soll ja auch nicht einfach ein goldnes Kalb als gesetzgebende Aotorität anschauen.

Das dritte Gebot sagt, dass man den Namen Gottes nicht in den Schmutz ziehen soll. Der Autor will provozieren indem er dies als Selbstverliebtheit bezeichnet. Aber der Autor hätte sicher auch nicht gerne, wenn ich seinen Namen für schlechte Zwecke verwenden würde. Ich könnte ein Fluchwort eiführe, welches genau so lautet wie sein Name. Wenn das Wort erst mal allgemein Mode ist, wird man überall wenn ein Unglück passiert seinen Namen rufen. Das würde dem Autor sicher keinen Spass machen. Wen der Autor damit nicht einverstanden ist, soll sein Name ab sofort ein Synonym sein welches „abgefuckter dreckshurensohn von einem Nazi“ bedeutet ;-)

Das vierte Gebot: Gott hat sich den Luxus eines Ruhetags gegönnt. Das selbe Recht gesteht er dem Menschen zu. Das zeigt, dass Gott dem Menschen das selbe gönnt wie sich selber. Das empfinde ich als sehr gerecht und fair. Gott gönnt dem Menschen einen Feiertag. Es ist nur anständig, wenn wir Menschen Gott jeweils dafür danke sagen und ihn an diesem Tag besonders ehren. Dass der Autor etwas gegen die Sonntagsruhe (bzw. Samstagsruhe) hat, finde ich den lächerlichsten Abschnitt seines Textes. „Der grausame Gott befiehlt den Menschen, sich auszuruhen, anstatt sich in den Irrsinn zu arbeiten.“ Es ist einfach nicht zum ernst nehmen. Selbst der Autor kann das nicht ernst nehmen.

Gebot fünf: Der Autor hat offenbar zu wenig Kritikpunkte gefunden, was dieses Gebot betrifft. Deshalb hat er die Kritik, dass der Mann vor der Frau erwähnt wird, hervorgebracht. Während er denkt, dass die Frau diskriminiert wird, diskriminiert er den Mann. Und das, obwohl es für das Kernthema total belanglos ist. Ausserdem zeigt es, dass er keine Ahnung von den gesellschaftlich- familiären Verhältnissen der damaligen Zeit hat. Dass der Mann vor der Frau genannt wird, war dazumal eine Selbstverständlichkeit. Des weiteren hat er offenbar keine Ahnung, dass es dazumal gesellschaftliche Norm war, dass sich die Kinder um die alt gewordenen Eltern kümmern. Eine sehr menschliche und ethische Regel in einer Zeit ohne Altersheime. Wohl sogar ethischer als die heutige Altersheimabschiebementalität. Kinder waren die Altersvorsorge der Eltern. Ausserdem haben die Eltern dem Kind das Leben erst ermöglicht. Das Kind ist den Eltern dafür zu Dank verpflichtet. Den jedes schöne und genusshafte Erlebnis des Kindes verdankt es den Eltern die es aufgezogen haben. Dafür soll das Kind dankbar sein. Natürlich soll es auch die Eltern zur Rechenschaft ziehen, wenn diese Fehler gemacht haben. Aber deshalb soll man die Eltern trotzdem immer noch ehren.

Gebot sechs: Der Autor heisst das Gebot prinzipiell gut. Seine Kritik bezieht sich viel mehr auf den Rest der Bibel, wo das Gebot relativiert wird. Offenbar besagt das Gebot, dass töten keine gutzuheissende Aktion im allgemeinen Sozialen Umfeld ist. Also wenn Person A die Nase von Person B nicht gefällt, ist das Töten von Person B keine legitime Art, sich des Problems zu entledigen. Man sieht, wie viele Menschenleben dieses Gebot gesichert hat. Der Mensch darf nicht eigenmächtig töten. Wird er jedoch von Gott zu einer Tötung legitimiert (durch eines der zusätzlichen Gesetze), handelt er im Namen der gesetzgebenden Autorität. Wir sehen Parallelen zum schweizer Gesetz: Ein Mensch darf eine anderen Menschen nicht der Freiheit berauben. Allerdings dürfen Menschen (Polizisten) im Namen des Staats einen verurteilten Verbrecher einsperren. Die Parallelen sind offensichtlich. In Staaten in denen die Todesstrafe noch existiert, sind die Parallelen noch offensichtlicher. Fazit: Dass das sechste Gebot durch die Gesetzestexte in bestimmten Fällen ausser Kraft gesetzt wird, ist absolut normal. Wenn man hier kritisieren will, dann soll man die Todesstrafe die Gott verhängt kritisieren. Aber diese ist nicht in den zehn Geboten verankert. Somit ist keine der vom Autor hervorgebrachten Kritikpukte am sechsten Gebot gerechtfertigt.

Gebot sieben: Der Autor gibt dem Gebot eine gewisse Legitimität. Ich will seine übrige Kritik auch teilweise gutheissen. Wird heutzutage jemand Zwangsverheitartet, ist eine Scheidung gutzuheissen. Man darf sich überhaut fragen, ob eine Ehe haltbar ist, wenn die Braut „Ja, ich will“ sagt und dabei lügt, weil sie nicht will. Wäre ein solcher Ehevertrag rechtsgültig? Aber beleuchten wir die Zeit von Mose und den Israeliten: Eine Heirat aus Liebe war dazumals nicht die Regel. Der Vater bestimmte, wen seine Tochter heiratete. Ein Mann musste beim Vater um die Tochter werben. Also hatten wir dazumals wohl hauptsächlich Zwangshochzeiten. Dies ist in diesem Fall nicht zu verurteilen, denn ein Single-Leben ohne sorgende Familie war dazumal (vor allem im Ater) schlimmer, als eine Heirat mit jemandem, den man nicht liebt.

Gebot acht: Der Autor befindet das Gebot für gut. Ich auch.

Gebot neun: Der Autor befindet das Gebot für gut. Ich auch.

Gebot zehn: Ich will hier die Kritik des Autors nicht gross kritisieren, denn was er schreibt stimmt eigentlich. Aber vorsicht: Begehren führt zu Eifersucht. Eifersucht führt zu Hass. Hass führt zu Streit. Streit führt zu Mord. Besser wäre es wirklich, wenn man mit dem zufrieden ist, was man hat und dem anderen sein Eigentum gönnt. Fazit: Ich gebe dem Autor recht, wenn er sagt, dass Begehren ohne Diebstahl kein Verbrechen ist. Aber Begehren kann der Keim für Unheil sein. Es ist kein besonders gefährlicher Keim, aber leider ein sehr Populärer.

So, das wär’s meinerseits. Ich hoffe, ich konnte zum denken anregen.

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Re: Die zehn Gebote sind gut (wall-e)


Am 21.10.2008 18:20 schrieb wall-e:

blöööööd. das formular hat die hälfte meiner Abschnitte verworfen. jetzt ist ja alles ganz unsystematisch.

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Re: Die zehn Gebote sind gut (memorystick)


Am 21.10.2008 23:00 schrieb memorystick:

Das war etwas mühsam zum lesen. Aber ich finde gut was du geshcrieben hast.

Und ich finde die zehn Gebote gut.

soll sein Name ab sofort ein Synonym sein welches „abgefuckter dreckshurensohn von einem Nazi“ bedeutet

Autsch :-D Also das war ja wohl ganz schön unter die Gürtellinie! Aber im Prinzip hast du vollkommen recht. Es soll ab sofort legitim sein, den das die Abkürzung "mrw" als Fluch zu verwenden. mrw nochmals! ;-)

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Re: Die zehn Gebote sind gut (gwendolan)


Am 21.10.2008 23:17 schrieb gwendolan:

"Dazumals war das normal…"

Dieses Argument bringst du dauernd. Und verkennst dabei, dass sich mrws Kritik gar nicht primär gegen die Regeln als Regeln für "damals" richtet - die Menschen "damals" wussten es einfach nicht besser und hielten diese Regeln tatsächlich für gut. Problematisch ist vielmehr, wenn gewisse Leute Regeln, die "damals" in einer archaischen, inhumanen Wüsten-Nomaden-Gesellschaft soweit akzeptabel gewesen sein mögen, auf die heutige Zeit übertragen wollen!

Merke: Wenn du argumentierst, ein Gebot sei historisch zu verstehen aus dem damaligen Kontext, dann gibst du damit zu, dass es eben für den heutigen Kontext völlig ungeeignet und wertlos ist. Betrachtet man die 10 Gebote aber nicht als zeitlos gültige, göttliche Vorgaben, sondern biegt sie nach Lust und Laune und Zeitgeist zurecht, dann verzichtet man ehrlicherweise lieber gleich darauf und steht dazu, dass die ethischen Regeln, für die man einsteht, dem eigenen Verstand entspringen und tut nicht so, als würde ihnen irgend eine göttliche Autorität anhaften!

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Re: Die zehn Gebote sind gut (torx)


Am 21.10.2008 23:33 schrieb torx:

Aber beleuchten wir die Zeit von Mose und den Israeliten: Eine Heirat aus Liebe war dazumals nicht die Regel. Der Vater bestimmte, wen seine Tochter heiratete. Ein Mann musste beim Vater um die Tochter werben. Also hatten wir dazumals wohl hauptsächlich Zwangshochzeiten. Dies ist in diesem Fall nicht zu verurteilen, denn ein Single-Leben ohne sorgende Familie war dazumal (vor allem im Ater) schlimmer, als eine Heirat mit jemandem, den man nicht liebt.

dem stimme ich zu. Dazu sollte man noch explizit erwähnen, dass es wohl das Ziel der Eltern war, alle ihre Kinder unbedingt unter die Haube zu bringen. Kein einziges Kind sollte alleine bleiben, da dies für den Sozialstatus und die Existenzsicherheit des Kindes eine Katastrophe gewesen wäre. Der Druck der auf den Eltern lastete, wenn sie nach einem geeigneten Ehepartner Ausschau halten mussten ist sicher oft gross gewesen. Ein verarmtes Kind war ja auch eine in den Sand gesetzte Altersvorsorge für die Eltern.

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Lange Antwort auf den ganzen Beitrag von Wall-e [ Re: Die zehn Gebote sind gut ] (mrw)


Am 22.10.2008 20:00 schrieb mrw:

So, Wall-e, nachdem ich auf einige Folgebeiträge geantwortet habe, komme ich zu Deinem Monsterbeitrag.

Am 21.10.2008 18:19 schrieb wall-e:
- Der Autor hat die Gebote gelesen, ohne sich über das Christetum bzw. das Volk Israel und die damalige Zeit Gedanken gemacht hat.

Da Christen davon ausgehen, dass Gottes Wort zeitlos ist, besteht keine Notwendigkeit dazu.

Wenn man die Bibel wirklich verstehen und erklären will, dann kommt man natürlich nicht darum herum. Dann aber ist die Bibel nicht ein Gotteswerk, sondern ein Buch von den jüdischen Priestern zur Kontrolle ihres Volkes und zum Erhalt ihrer Macht. Doch für den Artikel über die zehn Gebote habe ich mir eine christliche Brille aufgelegt und aus der Perspektive argumentiert, als ob die Geschichte wahr wäre.

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