Atheismus in der Schweiz
Diskussion

30.10.2007 07:09 - Kilian

Hier sind Diskussionen zur Seite «Jesus hat ein vorbildliches Leben gelebt» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 30.10.2007 07:09 schrieb Kilian:

So ehrenhaft eure Ziele auch sein mögen, woran ich nicht zweifle, möchte ich doch auf einige Argumentationsschwächen in diesem Artikel eingehen:

Da Jesus in der Erwartung der Apokalypse lebte, ist es verständlich, dass seine Lebensweise nicht in jeder Hinsicht für eine ganze Gesellschaft ratsam wäre. Dass diese Apokalypse nicht eingetreten ist, raubt jedoch nicht der gesamten Lehre von Jesus jeglichen Sinn und sie verdient unzweifelhaft immer noch Beachtung.

Jesus war ein typischer beziehungsunfähiger, asexueller Jungeselle.

Bei dieser Aussage scheint es eher um den Effekt zu gehen, doch man darf nicht vergessen, dass die Bibel ihn immerhin als Sohn Gottes darstellt, der umher wandert, predigt und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Aufgrund dieser letzten Zeit seines Lebens, die so vollkommen anders war als der Rest seines Lebens und eigentlich jedes menschlichens Lebens solche absolute Schlüsse zu ziehen (mal davon abgesehen, dass die Evangelien vielmehr Jesus' Lehre als sein Alltagsleben darstellen wollen), erscheint mir doch reichlich unangebracht.

Jesus war streitsüchtig, selbstherrlich und intolerant

Wie hier die Bibelzitate kommentiert werden, ist in höchstem Grade lächerlich und macht keineswegs den Eindruck, dass es dem Schreiber wirklich darum ging, die Verse zu verstehen.

"Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert."

Zu behaupten, dass aufgrund dieser Aussage Streitsüchtigkeit eine Charaktereigenschaft von Jesus gewesen sei, ist ziemlich gewagt. Es könnte ja auch möglich sein, dass er kein "Wischiwaschi", sondern ein klares Statement abgeben wollte, dass er trennen wollte zwischen wahren Juden und herzlosen Gesetzesgläubigen, dass er genau hier keine Verwischung bewirken, sondern Konflikte, die nun mal notwendig waren, um die Trennung zu vollführen, provozieren wollte.

"Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. — «Das Evangelium nach Johannes 14.6-7»

Ihm hier Selbstherrlichkeit vorzuwerfen, finde ich etwas komisch. Ich meine, immerhin ist Gott in Jesus Fleisch geworden und hat sich so der Menschheit offenbart. Wie soll er dann sprechen? Wenn er nichts anderes als die Wahrheit sagen will, sollte die nicht der "political correctness" oder irgend etwas anderem zum Opfer fallen.

Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlass zur Suende gibt, fuer den waere es besser, wenn ein Muehlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen wuerde. — «Das Evangelium nach Markus 9.424

Was das mit Intoleranz zu tun hat, weiss ich auch nicht. Jesus sagt lediglich, dass es besser wäre, zu sterben, als das sündige Verhalten eines anderen zu verursachen.

Auch wenn Jesus gemäss der Überlieferung nie jemanden umgebracht hatte, so hatte er doch die Absicht, seine Feinde zu ermorden. Jesus war ein ohnmächtiger Feigling. Er war zu schwach, Menschen zu töten. Nur mit grossen Worten, da war er stark. Er war ein Schwätzer ohne Ethik und Moral.

Auch hier geht es ender um Emotionalisierung als wirkliche Sachlichkeit. Einem Menschen, der für die Menschheit freiwillig den Kreuzestod mit vorangehender Auspeitschung und Demütigung stirbt und sich nicht dagegen wehrt, obwohl er schon vorher weiss, dass es geschehen wird, zu unterstellen, dass er keine Moral und Ethik habe, nur in grossen Worten stark und ein Feigling sei, ist etwas sonderbar.

Jesus kann sich nicht beherrschen.

Statt zu akzeptieren dass jeder Feigenbaum keine Früchte trägt, wenn nicht die Zeit dazu ist, dreht er durch und verflucht den Baum. — Nicht auszudenken, was er getan hätte, wenn der Baum ein Mensch gewesen wäre.

Was immer auch diese Bibelstelle bezwecken will - mir selbst scheint sie keinen Sinn zu machen und ich weiss nicht, weshalb sie in das Evangelium aufgenommen wurde, abgesehen davon, dass sie einfach zeigt, dass Jesus leicht zu erregen war - mit den erwähnten Vorwürfen aus einer… EINER Passage gleich so viel über Jesus auszusagen, ist doch ziemlich unangebracht. Wie oft habe ich mich schon über irgendwelche Bauwerke aufgeregt oder irgendeine vereiste Strasse, auf der ich mit meinem Fahrrad stürze. Natürlich verfluche ich die entsprechenden Dinge auch, selbst wenn sie nichts dafür können. Bin ich deswegen dumm und schiebe meine Probleme auf Andere ab? Die Stelle, bei welcher Jesus sagt, dass seine Feinde vor ihm getötet werden sollte, macht auf mich im Gegensatz zu anderen Aussagen auch eher den Eindruck einer emotionalen Reaktion, als einem lang durchdachten Lehrsatz.

Wie auch schon bei eurer Kritik an der Bergpredigt empfehle ich euch, euch etwas mehr mit der Materie zu befassen, damit auch intelligente, angebrachte Kritik am Ende rauskommt. Den gleichen Fehler macht ihr schon bei eurer Kritik an der Bergpredigt, bei der euch das wirklich Revolutionäre an dieser Ethik, der eigentliche Kern, entgangen zu sein scheint und mit keinem Wort erwähnt wird.

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