Atheismus in der Schweiz
Diskussion

30.10.2007 17:49 - Kilian

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Diskussionsbeitrag:

Am 30.10.2007 17:49 schrieb Kilian:

Die Tatsache, dass diese Apokalypse nicht eingetreten ist, beweist, dass Jesus eben nicht Gottes Sohn ist. Dies hat nachhaltige Auswirkungen auf die weitere Beurteilung seiner «Lehre» und «Leistungen».

Natürlich hat es Auswirkungen auf Jesus' Lehre und kaum mehr jedes Wort von ihn kann man direkt aus des Vaters Mund kommend bezeichnen, doch das Nichteintreten der Apokalypse reicht meiner Meinung nicht für einen Beweis, dass Jesus nicht Gottes Sohn war, gerade wenn man bedenkt, dass es sich bei der Dreifaltigkeit um eine ziemlich einzigartige Konstellation handelt und das Wesen der Beziehung untereinander und die Ansprüche der drei Manifestierungen Gottes den meisten Menschen (mich eingeschlossen) nicht glasklar sind.

Wenn aber Jesus ein ganz normaler Mensch war, verdient seine Lehre nicht mehr Beachtung, als die eines jeden anderen Filosofen seiner Zeit. Und da gab es weit klügere Köpfe, als Jesus.

Mag sein, dass es jede Menge klugere Köpfe gab, doch selbst wenn Jesus "bloss" ein Mensch war, ist seine Lehre immer noch einzigartig und revolutionär für diese Zeit und nicht so leicht in einen Topf zu werfen mit allen anderen Messiasbewegungen. Deshalb, und auch weil die Auswirkungen seiner Lehren einen riesigen Einfluss auf Europa hatten, denke ich, dass er trotzdem grosse Beachtung (zustimmen muss ja keiner) verdient.

Die Aussage leitet sich aus der Bibel ab und steht im krassen Widerspruch zum Familienbild der Kirchen, deckt sich aber mit der christlichen Abneigung gegen die Natur, namentlich gegen Sex der nicht ausschliesslich der Reproduktion dient.

Bei den Kirchen steht noch vieles im krassen Widerspruch zur Bibel und sie (vorallem im Mittelalter) als christliche, moralische Instanz zu sehen, ist zweifelhaft. (Z.B. die ganze, machtgeile Priesterhirarchie, welche, anstatt Gott zu dienen, sich selbst dient)Ich habe nicht den Eindruck, dass es Jesus darum ging, die Form der Familie als falsch zu erklären, sondern eher darum, auszudrücken, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als die Familie. Die Ablehnung gegen Sex, der nicht zur Fortpflanzung dient, was bei vielen Christen leider bloss zu oft bedenkliche, krankhafte Züge angenommen hat, finde ich im Grunde genommen eine sinnvolle Idee. Natürlich geht das nicht von einem Tag auf den andern, aber die Loslösung vom egoistischen, triebhaften, irrationalen, manchmal unmoralischen Handeln, welches oft aus Sex resultiert, würde den Menschen sicherlich weiterbringen.

       Und wer einem der Kleinen, die glauben, Anlass zur Suende gibt, fuer den waere es besser, wenn ein Muehlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen wuerde. — «Das Evangelium nach Markus 9.42»
  Was das mit Intoleranz zu tun hat, weiss ich auch nicht. Jesus sagt lediglich, dass es besser wäre, zu sterben, als das sündige Verhalten eines anderen zu verursachen.

Es hat sehr viel mit Intoleranz zu tun, denn letztlich beschreibt es ziemlich genau, was später die Kirchen mit Ketzern, Sündern und Heiden gemacht haben. Jesus hat hier den Grundstein gelegt für die Grausamkeit des späteren Christentums.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus damit irgendwelchen herzlosen, grausamen Inquisitoren den Weg für ihre sadistischen Machenschaften bahnen wollte. (Genauso wenig, wie es Darwin mit seinen Thesen den Nationalsozialismus oder Karl Marx die Verbrechen der Sowjetunion fördern wollte)Diesen Vers könnte man viel besser auf das Tun der katholischen Kirche anwenden, nur schade, dass diese Machtsekte die Wahrheit für sich gepachtet hat…

Auch wenn man beim Kreuzestod ignoriert, dass man ihn eigentlich im Kontext des Erlösungsauftrages sehen müsste, und man dabei auf den Schluss kommt, dass es sich bei Jesus' Verhalten um Dummheit handelt, kann man ihm keine Feigheit unterstellen. Er ist nicht irgendwie aus Dummheit in die ganze Affäre hinein gerasselt, sondern wusste die ganze Zeit, welches Schicksal ihn erwarten würde. Tatsache ist, dass auch er in dieser Angelegenheit einen freien Willen hatte, nur zu oft musste er gegen Versuchungen kämpfen. Was die Grausamkeit und Unmenschlichkeit dieses Gottes angeht, ist man im Christentum allgemein keineswegs der Auffassung, dass der Vater Popcornverschlingend zusah und ihm die ganze Sache einen Heidenspass machte. Vielmehr wird betont, wie gross seine Liebe für die Menschen sei, dass er selbst seinen Sohn für sie Sache opferte. Soviel Mühe hätte das ihm ja keineswegs bereitet, wenn er wirklich ein grausamer und herzloser Gott wäre.

Zu den Vorwürfen, die das alte Testament betreffen, äussere ich mich noch nicht, da ich mich für eine sachliche Diskussion zu wenig mit der Materie auskenne. Auch bei der Geschichte mit der Steinigung der Frau ist nicht klar, aufgrund welcher Grundlage die Schriftgelehrten und Pharisäer Jesus verklagen möchten. Die Aussage, dass er sie vor der Steinigung gerettet habe, vermittelt allerdings den Eindruck, dass die Steinigung wirklich ein reales alternatives Szenario gewesen wäre und das Gesetz Moses ohne grosse Hindernisse praktiziert werden konnte. Damit hätte Jesus allerdings keinen Grund gehabt, sich herauszureden, wenn die Konsequenzen von einer Befürwortung der Steinigung nicht schwerwiegend gewesen wären. Somit ist seine Ablehnung der Steinigung kein Akt der Feigheit und Furcht vor dem römischen Recht, sondern eher eine Konfrontation mit den jüdischen Rechtsgelehrten, die später ja auch eine viel realere Gefahr für ihn waren.

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