Atheismus in der Schweiz
Diskussion

21.11.2006 12:55 - mrw

Hier sind Diskussionen zur Seite ««Der Glaube gibt mir Kraft!»» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 21.11.2006 12:55 schrieb mrw:

anonymous schrieb am 18.10.2006 23.41:

Du hältst das für eine dumme passive Haltung - wie kommst du darauf?

Wie ich gesagt habe: Weil man die Sinnfrage anderen überlässt; einem Priester, Profeten, Buch oder was auch immer.

Wieso wertest du und sagst in paar Sätze weiter wieder, dass Glaube nahe dem Fanatismus steht?

Weil ich sich selbst in die Luft sprengen als Fanatismus betrachte, ebenso Kreuzzüge, Hexenverfolgung oder das Steuern Flugzeugen in Hochhäuser. All dies waren fanatische Ausprägungen des Glaubens. Subtilere Formen davon sind Spassverweigerung und Sexofobie.

Glauben ist etwas anderes als Wissen, aber viele Leute merken nicht wenn es ineinander übergeht.

Nur dass immer Wissen in Glaube über geht, dort wo das Wissen endet, nie aber umgekehrt!

Im Übrigen ist Sinn geben und Sinn annehmen praktisch identisch, sofern man es aus Eigemverantwortung tut.

Was bei vielen Gläubigen definitiv nicht der Fall ist. Oft genugg erlebe ich, dass sich Menschen unsinnigen Zwängen unterwerfen, unter denen sie selbst (und andere) leiden, nur weil sie meinen, ein Gott verlange das von ihnen.

Warum willst du aber anderen vorgeben was sie zu wollen haben.

Ich sagte: «Solange jeder nur glauben würde, was er will, aber andere davon unbehelligt liesse[…]» Ich habe genau dann ein Problem mit dem Glauben anderer, wenn sie daraus Ansprüche an mich oder andere Ungläubige ableiten wollen. Wenn Glaube reine Privatsache wäre (und auch nicht den eigenen Kindern aufoktruiert würde) und auch keine Kriege mitverursachen würde, dürfte meinetwegen ein jeder glauben, was ihm gefällt. Nur muss ich mich immer wieder gegen ungerechtfertigte religiöse Ansprüche wehren. Das nagt sehr an meiner Toleranz, den Toleranz gegenüber Intoleranten ist falsch.

Auch wird hier immer wieder gern Religion mit Zwang, Krieg usw. verbunden. Das ist mitnichten der Fall und eher plumpe Meinungsmache.

Diese Aussage entbehrt nicht einer gewissen Ignoranz der Weltgeschichte gegenüber…

Es gibt sehr viele friedliche und völlig offene Religionen die eine Eigenverantwortungs-Haltung vertreten (Pantheismus, Panentheismus, östliche Religionen, Naturreligionen usw).

… welche aber eindeutig in der Minderheit sind und gerade in Bezug auf Naturreligionen von agressiven Religionen wie dem Christentum oder dem Islam überrant, vergewaltigt und dezimiert wurden. Gegen tolerante Religionen habe ich nichts einzuwenden. Nur eine wirklich tolerante Religion fusst wohl immer auf einem langen Denkprozess und geht von daher eher in eine agnostische Richtung. Selbst Naturreligionen und östliche Religionen sind in ihrem Machtbereich nicht unbedingt tolerant. So gibt es auch unter Buddhisten blutige Auseinandersetzungen in Glaubensfragen (in Bezug auf tibetische Buddhisten in Indien war vor einiger Zeil mal ein Bericht in 10vor10), und es gibt grausame Rituale, wie Beschneidungen bei Naturreligionen, die keineswegs freiwillig stattfinden.

Einen weiteren Punkt will ich noch ansprechen, der sicher kontrovers ist, in meinen Augen aber auch logisch. Wenn das Leben sinnlos ist, wenn es keine Rolle spielt wie jemand lebt, weil unterm Strich sowieso 0 steht, wo liegt der dann Unterschied zwischen Zwang und Freiheit, Krieg und Frieden? Welchen Sinn hat eine Handlung wenn sie auf lange sicht gesehen absolut sinnlos ist? Warum sollte ich z.B. eine Familie gründen wollen, wenn es keine Rolle spielt. Diesen Gedanken denken die wenigsten Menschen zu Ende, wir alle nehmen insgeheim an, dass eben doch nicht alles sinnlos ist, denn sonst würden wir ja überhaupt nichts mehr tun.

Hier betrittst Du den sehr interessanten Bereich der Filosofie. Natürlich ist es für uns Menschen wichtig, dem Leben einen Sinn zu geben. Ob das mit einem Glauben verbunden ist oder nicht ist dann zweitranging, wenn ein wesentlicher, eigener Denkprozess und ein grosses Mass an Akzeptanz für andere Sinngebungen dahinter steht.

Das Leben an sich ist eine wunderbare und tolle Sache, ein eigentliches Wunder — und das auch ohne jeglichen übernatürlichen Unsinn. Das natürliche, diesseitige und materielle Leben ist das Wunder! Zuviel Glaube behindert nur die Sicht auf das eigentliche Wunder und die eigentliche Schönheit.

Somit ist das Leben und seine Reproduktion durchaus auch Selbstzweck, und das Spiel des Lebens ist eine Art von Gebet an die Natur, von religiöser Verehrung unserer Existenz. Indem wir das Beste aus unserem Leben machen, respektieren wir das unglaubliche Wunder, in das wir hineingeboren wurden, das Wunder, dass wir geboren wurden. Auch die Wissenschaft ist eine Form der Verehrung des Lebens, indem wir uns mit unserer Existenz und ihren Ursprüngen beschäftigen. So gesehen ist jede übernatürliche Religion purer Götzendienst und eine Schändung der Natur, eine Geringschätzng des Wunders unserer Existenz.

Insofern fühle ich mich sinngeberisch und filosofisch zum Epikureismus hingezogen.

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