Atheismus in der Schweiz
Diskussion

03.10.2007 22:45 - diko

Hier sind Diskussionen zur Seite «Argumente für den Glauben» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 03.10.2007 22:45 schrieb diko:

Danke für die Präsentation Deiner Faktenlage. Finde ich gut, das mal in geballter Form zu lesen.— 1) Die Frage nach dem Ursprung des Lebens muss nach unserem aktuellen Kenntnisstand eine philosophische Frage bleiben. Denn aus naturwissenschaftlicher Sicht können wir die Welt-Entstehung weder beobachten und auswerten noch reproduzieren. Wir bleiben also im Bereich der Thesen und der Vermutungen, die wiederum durch unsere philosophischen/religiösen Annahmen beeinflusst werden. Deshalb sind ja diverse Thesen in den letzten Jahrzehnten durch die Medien gegeistert - weil wir uns der Wirklichkeit im besten Fall nur annähern können. Aber wenn das so ist, dann ist eine Aussage über die Entstehung der Welt keine "klare und eindeutige Faktenlage", sondern eine bloße These.— 2)Ja, die Wissenschaft beobachtet, wertet aus, stützt oder revidiert ihre Thesen. Das ist Deutung im objektiv-messbaren Bereich. Die Wissenschaft kann und will gar keine Aussagen über einen Gott machen. Die Aufgabe der Religion ist ebenso nicht, "Erklärungsfüller" für offene wissenschaftliche Aussagen zu geben. Beide Bereiche haben völlig andere Fragestellungen und Aufgabenstellungen, die sich z.T. überschneiden können, aber im Kern anders sind. D.h.: Wissenschaft und Religion müssten vom Prinzip nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern könnten nebeneinander oder in Einzelfällen, ergänzend existieren. Aber auch das ist doch keine "klare Faktenlage".— 3) Dass die Wissenschaft erklärt, wie Religion funktioniert, stimmt nur bis zu einer gewissen Grenze. Solche Fächer wie Soziologie, Psychologie … okay. Aber bei den Fächern wie Physik, Biologie etc. wird es schon schwieriger. Vor allem muss dann der Einzelfall gesehen werden: Was soll erklärt werden? Mit welchen Axiomen? Mitunter werden schon in diesen Grundfragen die wichtigsten Fehler gemacht. Aber selbst, wenn beobachtet und ausgewertet wird, wie macnh Religiöses funktioniert, so ist das noch kein Grund gegen einen Gott.— 4) Die religiösen Aussagen über die Entstehung der Welt, Form der Welt etc. sind ja bekanntermaßen kunterbunt und waren mitunter "offensichtlich" falsch (aus unserer heutigen Sicht). Solche Vorgehensweisen will ich auch gar nicht in Schutz nehmen. Das sind idR. menschliche Versuche, die aber nur selten im Einklang und der Intention der biblischen Aussagen sind. Es gibt aber auch recht seriöse Herangehensweisen (z.B. die Vereinigung "Wort und Wissen"), die durchaus nachdenkenswerte wissenschaftliche Thesen aufstellen. Was die "Falschheit" von wissenschaftlichen Aussagen betrifft, finden wir gleiches aber auch unter "nicht-religiösen" Wissenschaftlern. So gibt es auch unter diesen "schwarze Schafe" - und trotzdem verwerfen wir nicht die gesamte Wissenschaft! Ebenso wäre es vorschnell, eine gesamte Religion zu verwerfen, nur weil es Fehler oder "schwarze Schafe" gibt. Gleichermaßen haben sich schon diverse Wissenschaftler geirrt und mussten Thesen revidieren. Das aber sollte uns doch auch gegenüber der Wissenschaft zu einer gesunden Skepsis führen und nicht "blind" einem "Wissenschaftsglauben" zu frönen.— 5) Vielleicht ist es auch nicht der Job von Gott, viel zu erklären. Vielleicht ist er mehr der Pragmatiker, der auf's Handeln steht und nicht darauf, lange Thesen auszuarbeiten. :-) Naja, wie dem auch sei: Dies ist eine Frage nach dem Wesen von Gott und der Religion, aber kein wirkliches Argument gegen ihn. — 6) Die Vielfalt der Religionen ist an sich kein Argument gegen einen Gott, zumal ja gerade in der Vielzahl der Religiösen eine Gottesbeziehung relevant ist. Die Vielzahl der Religionen ist dann natürlich mit der Frage verbunden, ob es denn DIE einzig wahre Religion gibt oder ob es an sich nur darum geht, in Beziehung zur göttlichen Welt zu stehen. So für sich ist es aber kein Faktum, das klar gegen einen Gott spricht.— 7) Ob die Philosophie (Filosophie?) ein besserer Weg ist, ist ja dann eine persönliche Wertung, die andere wiederum anders sehen. Zudem weist auch die Philosophie hier und da einen leicht religiösen Charakter auf, wenn es z.B. um "Wahrheits-" und "Ewigkeits-"fragen geht. Zudem entsteht dann auch die Frage: Welche Philosophie? Auch da haben wir es mit verschiedenen Ansätzen zu tun. Welcher ist denn der richtige oder der bessere? — 8) Die Quellenlage der Schriften des NT ist im Vergleich zu anderen antiken Schriften einzigartig gut. Tausende von Fragmenten und Manuskripten. Eine fast 100%tig sichere Rekonstruktion ist möglich. Manche Bibelteile mögen strittig sein hinsichtlich der Datierung und Verfasserschaft, aber es ist aktuell relativ gesichert, dass das NT noch im 1.Jh. abgeschlossen war. Es diverse Hinweise darauf, dass z.B. die Verfasserschaft des Apostel Johannes beim Johannes-Evangelium gegeben ist - damit hätten wir schon mal einen Augenzeugen. Falls Du Interesse hast, werde ich Dir die Indizien aufzeigen. Gleiches gilt für andere Teile des NT. Und immer wieder wird bezeugt: Jesus ist DER Sohn Gottes - Gott in Menschengestalt.— 9) Warum sich Gott nicht wie in einem einzigartigen Show-Act zeigt, weiß ich auch nicht. Würde vieles einfacher machen. Er hat sich einmal in Jesus Christus gezeigt. Kommt mir auch manchmal unfair vor, wo er doch heute mit den Massenmedien einen einzigartigen Auftritt haben könnte. Aber ich frage auch: Was müsste Gott denn tun, damit Du überzeugt von ihm wirst? Eine Antwort wäre interessant!— 10)Ob unsere Welt die schlechteste oder die beste aller möglichen ist - wer mag das beurteilen? Ich sehe viel Schlechtes, aber auch viel Gutes. Ich habe viele Fragen und nur wenige Antworten. Aber deswegen zu meinen, dass es einen Gott nicht geben kann, weil er die Welt nicht so gemacht hat wie ich es will - das ist höchstens eine Anklage gegen Gott, aber kein Fakt gegen ihn. Und: Was wäre, wenn sich Dein Nachbar die Welt ganz anders wünscht als Du - und nun kommt Ihr beide vor Gott und klagt: "Wenn es Dich geben sollte, dann hättest Du die Welt so machen müssen wie ich es will!" Und nun projiezieren wir diese zwei unterschiedlichen Wünsche an Gott mal auf mehrere Milliardeb von Menschen… Wie soll die Welt nun sein?— 11) Dass Gott die Tötung von Massen von Menschen angeordnet hat, ist richtig. Dass er deshalb lieblos sei, ist eine Folgerung, die wahrscheinlich auf einem falschen Verständnis der göttlichen Liebe beruht. Aber nur, weil wir das nicht völlig verstehen, zu meinen, dass es deshalb diesen Gott nicht geben könne, ist wiederum kein Fakt, sondern eine persönliche Schlussfolgerung aus einem persönlichen Unverständnis gegenüber dem Handeln Gottes.— 12) Ja, Christen und andere Religiöse haben viel Leid in die Welt gebracht! Auch Atheisten, Kommunisten, Philosophen usw. - mancher Philosoph im Namen seiner Philosophie, mancher Atheist im Namen seiner Weltsicht. Dass wir Menschen unendlich brutal sein können, ist offensichtlich. Nur hinsichtlich des Christentums sehe ich es anders: Auch Christen haben Leid gebracht. Aber die Botschaft des NT hält für solche Gewalttaten nicht her. Höchstens der Missbrauch mancher Verse, die aber im Kontext betrachtet eine völlig andere Aussage haben. Das, was die Menschen tun, einem Gott anlasten zu wollen, ist nach meiner Erkenntnis nicht legitim. Das wäre eine Schuldverlagerung. Somit: Auch das Fehlverhalten von Menschen spricht nicht zwangsläufig gegen einen Gott und ist damit kein Faktum gegen seine Existenz.— ich geh' jetzt schlafen - vielleicht bis morgen! Schlaf' gut!

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