Atheismus in der Schweiz
Diskussion

04.10.2007 15:32 - mrw

Hier sind Diskussionen zur Seite «Argumente für den Glauben» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 04.10.2007 15:32 schrieb mrw:

Antwort an diko Teil 2: Weitere Punkte

Abschied an die Schöpfung

Die religiösen Aussagen über die Entstehung der Welt, Form der Welt etc. sind ja bekanntermaßen kunterbunt und waren mitunter "offensichtlich" falsch (aus unserer heutigen Sicht).

Dann sind wir uns wenigstens in einem Punkt einig. Ich fasse zusammen:

Der Schöpfungsmythos, wie er in der Genesis beschrieben ist, ist ein reines Märchen. Unser heutiges Wissen, insbesondere über die Existenz von Sauriern und das Alter der Erde beweist, dass die Bibel Unrecht hat.

Andererseits ist die Evolutionstheorie eine fundierte und nachgewiesene wissenschaftliche Theorie, die durch Selbstorganisation die Entstehung von Komplexem aus Einfachem erklärt, und die die biologische Entwicklung auf der Erde schlüssig und korrekt beschreibt, als Resultat von Mutation und Selektion (vereinfacht gesagt) und nicht als Resultat von Zufall (das wird von Christen gern absichtlich missverstanden).

Komplexität, Evolution und Gott

Wenn das aber so ist, dann ist Komplexität, Ordnung, Design (oder wie auch immer man das Ding nennen will) hinreichend klar erklärt.

Andererseits, wie Dawkins in Richard Dawkins, «Der Gotteswahn» richtig bemerkt hat, ist die Komplexität und Ordnung ein Argument, das klassisch (ohne Selbstorganisation) zwingend gegen einen Gott spricht: Wenn etwas geschaffen wird, ist der Schöpfer komplexer als das Geschöpf. Das heisst, Gott ist sehr viel komplexer, als das Universum und das Leben. Woher soll all diese Komplexität kommen? Auf der einen Seite wird behauptet, dass man die Komplexität «aus dem Nichts» nicht erklären könne, andererseits wird dei Existenz Gottes «aus dem Nichts» oder als «immer schon da gewesen» einfach so hingenommen, ohne jeglichen Beweis. Das ist schizofren, unlogisch und dumm. Warum messen die Christen ihre Religion nicht mit dem gleichen kritischen Massstab, den sie auf wissenschaftliche Erkenntnis anwenden, die ihrer Religion widersprechen? Wenn es darum geht, Darwins Evolutionstheorie zu kritisieren, entwickeln die Christen einen unglaublich Willen zur Kritik. Hier versuchen sie selbst die Fundamente der Wissenschaft anzugreifen. Die suchen und erfinden immer neue vermeintlich Angriffspunkte, wie Axiome, Thermodynamik, Erkenntnistheorie, u.s.w. (welche allesamt leere Schlagworte sind, ohne Substanz). Wenn es aber um ihre Religion geht, gilt plötzlich ein ganz anderer Massstab. Hier wird kritiklos hingenommen, das sich Jesus Christus als Gottes Sohn und Wundertäter vor 2000 Jahren hat kreuzigen lassen, obschon die historische Faktenlage hierzu äusserst dünn ist (nochmals: Kein Augenzeuge hat je etwas schriftliches über seine Begegnung mit Jesus festgehalten). Es wird überhaupt nicht hinterfragt, warum sich Gott ausgerechnet durch die Bibel ud Jesus Christus geoffenbart haben soll, das wird kritiklos hingenommen. Die Evangelien widersprechen sich gegenseitig, so gibt es selbst zur Kreuzigung (dem zentralen Thema?) unterschiedliche Berichte. Sie widersprechen der ausserevangelischen Geschichtsschreibung: Es gab keine Volkszählung zur Geburtszeit von Jesus. Ausserdem ist es absurd, dass verlangt würde, ein jeder begebe sich in die Stadt seiner Väter, das war damals nicht üblich, zumal Josef nicht einmal in Bethlehem geboren war. Hier ging es nur darum, durch einen Kunstgriff des Autoren Jesus als Sohn Davids darzustellen (darum wird das ja auch extra betont), und ihn in der Stadt David zur Welt kommen zu lassen. Das Absurde dabei ist, dass Jesus gar kein Sohn Davids war, weil er angeblich ja keinen irdischen Vater hatte. Auch hier nehmen die Christen das völlig kritiklos hin. Wenn Christen einige historische Fakten der Bibel durch archäologische Forschung belegt sehen, gehen sie davon aus, dass die Bibel doch recht hätte. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ein einziger historischer Fakt, der der Darstellung der Bibel widerspricht, ein einziger Widerspruch in der Bibel widerlegt die gesamte Bibel, oder zumindest ihren Anspruch, eine göttliche Offenbarung zu sein. Wenn es in der Bibel erwiesenermassen Fehler hat (und ich habe bereits etliche aufgezeigt!). Doch statt nach Fehlern zu suchen, redet man die Fehler lieber weg, oder versucht sie schön zu diskutieren («Was ist Liebe?»). Man kann Gott nicht beweisen, aber man kann beweisen, dass Gott sich nicht durch die Bibel geoffenbart hat, indem man auch nur einen einzigen Fehler oder Widerspruch in der Bibel nachweist. Daher sollte es oberste Pflicht aller Christen sein, die Bibel auf Fehler zu untersuchen, statt Fehler einfach nur schön zu reden. Auch hier keine Spur von Ehrlichkeit und Kritikfähigkeit, während man andererseits akribisch nach dem winzigsten Fehler der Evolutionstheorie sucht — und bis heute keinen gefunden hat. Warum studieren die Christen nicht alle Religionen dieser Welt akribisch und genau, und suchen jede Religion gezielt nach Fehlern ab, inklusive die eigene? Warum werden Kinder von Christen überzeugte und fanatische Christen, Kinder von Moslems überzeugte und fanatische Moslems und Kinder von Buddhisten uberzeugte und fanatische Buddhisten? Ein jeder bekennt sich zu der Religion, mit der er als Kind indoktriniert wurde1), ohne sich je kritisch und unvoreingenommen mit der Frage zu beschäftigen, warum jede andere Religion nicht auch in Frage kommen würde. Wenn Christen andere Religionen beurteilen, tun sie das immer mit christlichem Massstab. So heisst es dann völlig unkritisch: «Diese Religion hat keinen durch Profezeiungen angekündigten Erlöser!», ohne sich ernsthaft mit der Frage auseinander zu setzen, warum das ein Kriterium für eine wahre Religion sein soll. Auf ähnliche Resultate kommt ein Moslem, deer das Christentum an islamischem Massstab misst. Er würde vielleicht kritisieren, dass hier ein einfacher Profet (Jesus) zu einem Gottessohn aufgebauscht wird. Warum setzen religiöse Menschen bei der eigenen Religion nicht denselben kritischen Massstab an, mit dem sie andere Religionen und die Wissenschaft abhandeln? Andere (Schmidt-Salomon, Deschner) nennen dieses Verhalten politisch korrekt «intellektuelle Unredlichket». Das ist mir aber zu sanft, ich nenne es Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit, Verlogenheit und Scheinheiligkeit, denn was hier getan wird ist reiner Betrug; Meist zwar nur Selbstbetrug, aber spätestens wenn noch Kinder im Spiel sind, ist dies eine unmoralische Handlung: eine geistige Vergewaltigung unbescholtener Kinderseelen.

Misst man die Religion an den Massstäben der Wissenschaft, bricht sie wie ein Kartenhaus zusammen. Die Wissenschaft baut auf dem Fels der akribischen Erforschung und ständigen Selbstkritik. Die Religion baut auf dem Sand des Glaubens. Um mal einen biblischen Vergleich zu verwenden.

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1) Ausnahmen sind natürlich möglich, aber eben nicht die Regel
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