Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: 06.07.2006 09:42 - mrw (cts)

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Diskussionsbeitrag:

Am 28.04.2009 15:46 schrieb cts:

So leids mir tut, muss ich dich etwas über das Christentum aufklären:

1.) Das neue Christentum setzt NICHT voraus, alleinigen Anspruch auf Gott zu haben (auch nicht die Katholiken). Der Glaube beinhaltet lediglich, dass es nur einen Gott gibt, ob der nun Allah oder Jahwe heißt ist schnuppe. Zwar kann man an Stellen im Alten Testament anderes nachlesen (wobei ich mir nicht sicher bin, ob du die wirklich gelesen hast, sondern viel mehr erzählt bekommen hast), doch ist zu beachten, dass im Neuen Testament nur von einem einzigen Gott die Rede ist, der für alle gilt (also kein Baal oder ähnliches) und der entsprechen auch alle Menschen erschaffen hat, dem es also egal ist, wie man ihn nennt, solange man an ihn glaubt (wobei selbst dieser Punkt etwas strittig ist, dass ihm der Glauben wichtig ist). Dies ist auch die heutige, offizielle Ansicht der christlichen Vereinigungen. Daraus folgt auch, dass der "Christengott", wie du ihn nennst, gar nicht auf andere Götter eifersüchtig sein kann. Wie dies in Hinblick auf Polytheismus aussieht, kann ich dir leider nicht sagen, doch ist Polytheismus in unserer heutigen Zeit von nahezu keinen Menschen oder gar Religionen vertreten. Nebenbei, der "christliche" Gott = der "jüdische" Gott. Beide beruhen auf derselben Schrift, dem AT.

2.)Die Wette war (obige Überlegungen waren schon damals einigen Menschen, darunter sicherlich auch Pascal, bekannt) gewiss nicht nur auf den "Christengott" bezogen.

3.)Es gibt keine eindeutige Beschreibung Gottes (s. Gottesbild im AT und im NT: während im AT von einem eher militanten Gott die Rede ist, gilt im NT die Lehre des barmherzigen Vaters). Eigentlich ist sowieso aus entsprechendem Respekt, dem man gegenüber Gott, falls er existieren sollte, aufbringen sollte und durch das Bildnisverbot eine Beschreibung Gottes Blasphemie, das soll heißen, dass Gott sicherlich nicht eindeutig in der Bibel beschrieben ist. D.h. es ist unsinnig einen in der Bibel beschriebenen Gott widerlegen zu wollen, um behaupten zu können, dass es generell keinen Gott gibt. Analog: Ich beweise, es gibt keine Katzen, die grün sind, also gibt es keine Katzen. Eine solche Widerlegung ist sowieso sinnlos, da sich die Beschreibungen in der Bibel widersprechen (s.o.).

4.)Heutige Christen dienen nicht Gott, sondern glauben an seine Existenz! Es wird weder in irgendeiner Form geopfert noch werden Befehle Gottes ausgeführt. Zu beachten sei, dass dies in vergangen Jahrhunderten (vor sehr langer Zeit) anders war und es immernoch ein paar Fanatiker gibt (wie auch in anderen Religionen). Den einzigen Dienst, den du vielleicht anmerken könntest, wäre die Einhaltung seiner Gebote, doch beziehen diese sich fast ausschließlich auf das Miteinander der Menschen und was ist Gott damit gedient, wenn wir uns nicht gegenseitig einschlagen, sondern versuchen gemeinsam zu arbeiten (auch mit anderen Religionen zusammen). Ausnahmen sind zwar die ersten beiden Gebote, doch sollten sie genauer einmal betrachtet werden: 1. Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben: An sich, erklärt es bereits aus obigen Darlegungen, dass es nur einen Gott gibt, und daher nicht angenommen werden darf, dass andere monotheistische Religionen anderen Göttern huldigen sondern vielmehr nur eine andere Vorstellung von Gott und andere Verhaltenskodi haben. Dass Polytheismus ausgeschlossen wird, ergibt sich aus näherer Betrachtung der Definition Gott als höchstes Wesen. 2. Gebot: Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen: Tja, erklärt sich von alleine: Keine Kreuzzüge im Namen Gottes, Schwüre oder ähnliches. Die Gebote sind Verhaltenskodi und dienen als Richtlinie, wie man sein Leben führen sollte, um glücklich zu sein (wie unsere heutigen Gesetze auch nicht ganz ohne Sinn sind, aber leider nur durchfürbar sind, wenn entsprechend Strafe angedroht wird). Sie entsprechen damit auch deinen Geboten: geniesse das Leben, … beschreiben aber eher konkreten Verhaltensmuster und das Verhalten in einer Gesellschaft.

5.)Wie bereits Emmanuel sagte, gibt es im modernen Christentum nicht mehr direkt eine Bestrafung durch die Hölle, geschweige denn eine Bestrafung, weil man an den "falschen" oder gar keinen Gott glaubt, sondern wenn es eine Bestrafung gäbe, dann nur wegen entsprechendem Fehlverhalten, dabei gilt nicht jede kleinste Fehlbetragung als Grund für ewige Verdammnis. Hinzu kommt die Möglichkeit der Beichte. Dies ist nebenbei ein weiterer Grund die Pascalsche Wette etwas zu hinterfragen, die ich nebenbei als nicht gerade sinnvoll erachte, aber aus komplett anderen Gründen, als die genannten.

6.)Bedingungsloser Gehorsam gegenüber der Obrigkeit gilt nicht zu den Pflichten der Christen, sondern ist eher unter ihnen verpönt. Zwar gibt es einen Papst, doch gilt er, wie auch der Dalai Lama, nicht als uneingeschränkter Führer, sondern als Lehrer, wobei selbst unter den Katholiken teilweise heftige Kritik an manchen Aussagen oder Handlungen herrscht.

7.)Durch Beten oder Kirchengehen oder sogar Kirchensteuer hofft kein wirklicher Christ in den Himmel zu kommen. Was zählt ist die Tat, nicht nur das Wort. Man muss auch selber die Dinge in die Hand nehmen, denn (auch der christliche) Gott ist kein Klempner. Entspricht auch teilweise dem 2. Gebot, Gott nicht für jeden Mist um Hilfe zu bitten.

8.)Daraus folgt auch, Leiden nicht einfach hinzunehmen und auf das Jenseits zu hoffen. Mehr noch, wenn du mal das NT in die Hand nehmen solltest, wird dir auffallen, das Jesus selbst Glück auf Erden wollte (s. Wasser zu Wein, diverse Feste, …).

9.)Die Bibel gilt nicht für alle Christen als das ultimative von Gott geschriebene Buch, an das man sich strikt halten muss. Es gibt auch hier verschiedene Ansichte. Christ ist nicht gleich Christ.

10.)Auch das Christentum wandelt sich. Du kannst nicht mehr von damals christlichen Vorstellungen argumentieren, bzw. versuchen, damit Kritik am heutigen Christentum zu üben, die selbst zu Zeiten der Aufklärung und besonders später vom Christentum selbst als Unsinn abgelegt wurden. Wenn du etwas kritisieren willst, dann befass dich mit einer Sache (du musst nicht zwangsweise daran glauben), denn du kannst nichts hinterfragen, wovon du nichts aktuelles weißt.

Nebenbei:

Selbst die Naturwissenschaften sind ziemlich unsicher, das beste Beispiel ist hierfür die klassische Mechanik. Sie galt hunderte Jahre als sicher und als Basis für Physik, wurde aber Anfang 20. Jahrhundert komplett widerlegt, d.h. selbst die Wissenschaften.

Einem Gott dienen zu wollen, der versucht die Menschen anzuhalten, gut miteinander umzugehen, ist ethisch nicht vertretbar?

Die Pascalsche Wette war auch nicht zum Gewinnen gedacht, sondern ein Gedankengang, der an manchen Punkten scheitert. Er ist weder unüberlegt noch dumm, doch sind einige Aspekte ausgelassen worden, welche in damaliger Zeit nicht in Betracht bezogen wurden.

Mit deinen Wahrscheinlichkeiten wär ich auch etwas vorsichtiger, aber ich will dich mal in deinem Glauben lassen, beachten solltest du dennoch, dass man auch als Atheist sein Leben schlecht führen kann.

Ein Tipp noch von mir:

Religionen sind nicht immer nur Gesetze, sondern geben manch einem eine Entscheidungshilfe oder erleichtern das Leben. Daher wäre es wenig ratsam, alles was mit Religion behaftet ist aufs tunlichste zu vermeiden. Sieh sie nicht als Vorschriften, sondern als alte Lebensberater an, dann wirst du dich vielleicht eher mit ihnen abfinden können (so hat z.B. Buddhismus in manchen Gruppierungen nicht zwangsweise etwas mit einem Glauben an Gott zu tun).

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