Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Definition von iLiebe (knuddel)

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Diskussionsbeitrag:

Am 16.01.2009 23:17 schrieb knuddel:

Hi mrw

Das klingt schon mal gut. Du hast dir umfassende Gedanken gemacht. Ich darf doch annehmen, das die Punkte die du geschrieben hast, auch für einen liebenden Gott gelten, der –mal ganz allgemein betrachtet- einen Menschen, ein Tier oder einen anderen Gott liebt. Natürlich weiss ich, dass du nicht an Götter glaubst, aber nehmen wir einfach mal an, es gäbe welche –oder einen, wie ich glaube- dann würde das alles ja auch für Götter gelten. Richtig?

Nicht vorbehaltlos einverstanden bin ich mit deinem Punkt

„Akzeptanz der Handlungen und Entscheidungen von A“.

Dazu später mehr.

Etwas fehlt mir in deinen Ausführungen: All das was du geschrieben hast, trifft nicht nur auf die Liebe zu, sondern auch auf eine einfache Freundschaft (ausgenommen deine Ausführung zur Erziehung, die in einer Freundschaft nicht angebracht sind). Es trifft sogar alles was du gesagt hast, auf die allgemeine Knigge hin. Also auf die Verhaltensformen, die ich jedem dem ich auf der Strasse begegne entgegenbringen soll. Auch die Nächstenliebe, die ich als Christ auf Wildfremde Personen anwenden soll umfasst all das, was du geschrieben hast.

Jetzt ist die intensive Liebe, die wir zum Lebenspartner, zu unseren Kindern und unseren Haustieren empfinden, aber etwas viel tieferes und intensiveres als die Achtung und den Respekt, den ich nach den Regeln der Knigge einer alten Dame entgegenbringe, wenn ich ihr den Sitzplatz im Bus anbiete. Demnach zufolge denke ich, dass in deinen Ausführungen Dinge fehlen. Das hast du ja selber nicht ausgeschlossen.

Ich nenne deine Punkte im Folgenden mal zusammengefasst: „Gutherzigkeit“. Einfach um einen Unterschied zur Liebe besser ausdrücken zu können. Ok? Gutherzigkeit ist meiner Meinung nach in der Liebe enthalten und soll hier stehen für Freundschaft, Knigge, Nächstenliebe (speziell gegenüber fremden) und Tierliebe (prinzipielles gern haben von allen Tieren, oder aller Individuen einer bestimmten Spezies. Ich bin zum Beispiel ein Fan von Eichhörnchen).

Worin liegt jetzt der Unterschied zwischen Gutherzigkeit und Liebe? Ich denke, der Unterschied ist, dass wir an A höhere Ansprüche stellen, wenn wir A lieben. Ein super Beispiel finden wir in der Liebe zu einem Hund. Nehmen wir an, ich bin ein allgemeiner Hundefan, habe aber selber keinen, den ich persönlich liebe. In diesem Fall ist es mir doch ziemlich egal, wie die Hunde die mir da draussen in der Welt begegnen gepflegt sind. Diese Hunde können sich im Mist wälzen, Flöhe haben und das Fell darf zersaust sein. Sie können das Heim ihres Besitzers dreckig machen und mit anderen Hunden Nachwuchs zeugen, so viel sie wollen. Zwangsbefehle von „Sitz“ und „Platz“ würde ich verabscheuen. Hauptsache die Hunde sind Glücklich. Denn ich wäre ein Hundefan und will, dass Hunde glücklich sind. Aber könnte ich so ein Tier in mein Haus aufnehmen und ihm tiefgründige Liebe entgegen bringen? Eher nicht. Vorher müsste ich den Hund für mich liebenswert machen. Das heisst, er müsste gebadet, entfloht, diszipliniert, !kastriert! und –welch Horror- an die Leine genommen werden. Dann ist der Hund nicht mehr die Wilde Kreatur, die er von Natur aus war.

Eine kurze und einfache Analogie zur zwischenmenschlichen Liebe: Mir ist es relativ egal, ob eine Mitarbeiterin Körperhygiene betreibt, so lange ich ihren Körpergeruch nicht am Arbeitsplatz wahrnehme. Das ist ein relativ tiefer Anspruch. Aber bei meiner Lebenspartnerin sieht das anders aus. Regelmässiges Duschen, die Verwendung von Klopapier und Zähneputzen sind eine Voraussetzung, damit ich meine Partnerin richtig lieben kann.

Also ist ein wichtiger Punkt der dir in deiner Liste fehlt: „Wir stellen erhöhte Ansprüche an A.“ Ich wüsste keinen Punkt, der den Unterschied zwischen Gutherzigkeit und Liebe besser beschreibt.

Das bringt mich zu deinem Punkt:

„Akzeptanz der Handlungen und Entscheidungen von A“.

Diesem stimme ich wie gesagt nur beschränkt zu. Selbst Freundschaft kann nicht alles Tolerieren. Wenn ein Mensch gewisse Dinge tut, ist er für andere nicht mehr Liebenswert und nicht mehr Freundschaftstauglich. Ich würde von jedem meiner Freunde erwarten, dass sie mich davon abhalten, dumme Dinge zu tun. Und von jemandem den ich liebe sowieso. Notfalls mit Gewalt. Wobei die Handlungsbedarfsschwelle von Freunden und Liebenden vielleicht nicht gleich hoch sind. Du hast das zwar einigermassen durch folgende Punkte entschärft:

„Liebe heisst aber nicht, den eigenen Willen aufzugeben und nur noch zu tun, was A will“

und

„Aber man darf A nicht anders an seinem Tun hindern, als durch Argumente und Überredungskünste“

Aber es war mir einfach nicht deutlich genug. Wenn mein bester Freund den ich liebe einen Passanten anpöbeln würde, müsste ich sofort dazwischen gehen und seine Entscheidung dazu mit meinem Körpereinsatz bekämpfen. Deine erwähnte Suche nach der Problemursache wäre dann auch wichtig, aber in vielen Situationen ist das erst später unter vier Augen möglich.

Gruss Knuddel

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Glaube, Psyche — Liebe, Gewalt und Gott [ Re: Definition von Liebe ] (mrw)


Am 17.01.2009 19:19 schrieb mrw:

Lieber Knuddel

Es wird einen Punkt geben, wo wir uns nie einig werden, und das ist die Frage der Gewalt.

Aus humanistischer Sicht sehe ich Gewalt und Liebe für absolut unvereinbar. Gewalt mag manchmal die einzige Option sein, doch dort, wo Gewalt ins Spiel kommt, ist bereits ein jämmerliches Versagen vorausgegangen. Mit Liebe hat das dann aber nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit dem Kampf gegen Unrecht. Darauf werde ich noch weiter eingehen.

Deine Denkweise

Ich versuche nun mal, Deine Situation und Deine Psyche zu erforschen. Bitte verzeih mir, und korrigiere mich, wenn ich mich in einem Punkt irre, bestätige mir aber auch, wo ich recht habe:

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