Atheismus in der Schweiz
Diskussion

25.09.2006 10:16 - mrw

Hier sind Diskussionen zur Seite «Gott ist im Schläfenlappen» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 25.09.2006 10:16 schrieb mrw:

Unterbewusstsein und freier Wille

Die Frage nach der Abgrenzung des freien Willens ist durchaus sehr interessant. Hier stehen sich zwei extreme Positionen gegenüber, auf der einen Seite die der christlichen Religion und prinzipiell auch des Idealismus, nämlich dass jeder Mensch über einen von Gott gegebenen unabhängigen freien Willen verfügt. Auf der anderen Seite die sehr fatalistische Position, dass der Wille des Menschen ausschliesslich durch Einwirkung von aussen, Gene, Umstände und Konditionierung, erwirkt wird.

Wer ehrlich ist, kann hier keine abschliessende Antwort geben. Es ist jedoch möglich zu versuchen, aufgrund von soziologischen Betrachtungen Rückschlüsse zu ziehen. Wieweit sich aus den Experimenten Libets tatsächlich Aussagen ableiten lassen, darüber bin ich mir nicht so sicher. Soweit klar scheint mit lediglich, dass seine Versuche, den Dualismus zu belegen gescheitert sind, und das die Resultate viel eher ein starker Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang von Hirn und Geist sind.

Einig bin ich mit Dir absolut in der Aussage, dass Ereignisse umso mehr selbst zu verantworten sind, je mehr sie in die Zukunft geplant werden konnten. Spontane Reaktionen scheinen mehr oder weniger direkt verdrahtet, das heisst anerzogen, zu sein. Für Handlungen die unmittelbar auf ein Ereignis folgen, kann der einzelne Mensch kaum verantwortlich gemacht werden (es sei denn natürlich, er habe sich eine unangemessene Reaktion extra antrainiert). Libets Aussagen beziehen sich wohl vor allem auf solche Spontanreaktionen und sind daher mit Vorsicht zu geniessen.

Viel interessanter ist hingegen die Frage, ob und wieweit der Mensch sein zukünftiges Verhalten in der Planung beeinflussen kann. Da halte ich Schopenhauers Erkenntnis für richtig, dass der Mensch zwar sein Tun bestimmen kann, nicht aber sein Wollen. Was ein Mensch will, ist sehr stark durch die Umstände seines Lebens definiert.

Im Alltag spielt es für uns keine grosse Rolle, welche Position näher bei der Wahrheit liegt, da wir zumindest subjektiv den Eindruck haben, wir hätten alles unter Kontrolle. Interessant ist diese Frage hingegen nebst filosofischen Überlegungen z.B. bei der «Therapie» von Verbrechern, bei der Frage also, wie bringt man die Menschen zu sozialverträglichem Verhalten. Kann man Verbrecher einfach umerziehen, muss man die Lebensumstände der Benachteiligten verbessern, oder genügen hohe Strafen als Abschreckung?

Wenn man berücksichtigt, dass die Kriminalitätsrate in benachteiligten Gebieten sehr oft dramatisch höher ist, so wird eigentlich schon deutlich, wie eingeschränkt der freie Wille tatsächlich ist. Dies entbindet natürlich niemanden von seiner Verantwortung, es zeigt aber, wie wichtig es ist, gute und vor allem gerechte Lebensumstände zu schaffen. Die grössten Probleme entstehen erfahrugsgemäss dort, wo arm und reich getrennt und dennoch dicht nebeneinander leben.

Solche demografische und soziale Einflüsse lassen mich schliessen, dass der Mensch sehr weitgehend durch seine Gene und die Umwelt geprägt ist, vor allem in seinem Wollen, in seinen Werten, Wünschen und Träumen, auch in seinem Weltbild. Diese Basis wiederum prägt sehr stark sein Handeln. Ich sehe zumindest keinen Hinweis auf einen vom materiellen Menschen unabhängigen freien Willen.

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