Atheismus in der Schweiz
Diskussion

01.10.2006 21:19 - Anonymus

Hier sind Diskussionen zur Seite «Gott ist im Schläfenlappen» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 01.10.2006 21:19 schrieb Anonymus:

Nun, das ist eben deine Interpretation, nicht mehr und nicht weniger. Ein Agnostiker ist im Prinzip nichts anderes als ein negativer Atheist - und Occam sollte man in diesem Fall meiner Meinung nach nicht bemühen. Einfach ist am besten bedeutet nicht, dass ich immer die Lösung mit den wenigsten Zusatzannahmen auswählen muss, auch wenn sie absolut unwahrscheinlich ist oder es eine bessere Erklärung gibt, die mehr Zusatzannahmen erfordert. In diesem Fall mag das nicht der Fall sein, aber im Folgenden wird evtl. klar, von was ich rede.

Nehmen wir doch mal ein anderes Beispiel heran, Nahtoderfahrungen. Es gibt Berichte, bei denen Blinde Menschen bei flachem EEG plötzlich ihre Umgebung wahrnehmen konnten und zwar außerhalb des Sichtfeldes eines "normal Sehenden". Eine Studie dazu wurde 2001 veröffentlicht. Verfizierte Berichte solcher Erfahrungen gibt es weltweit und Dinge die GRUNDSÄTZLICH außerhalb der Sinne lagen, kann man mit unterbewusster Wahrnehmung auch nicht erklären. Z.B. Gespräche in anderen Räumen oder gar Gebäuden. Das Erkennen von Toten, die zur gleichen Zeit starben worüber aber der Patient selbst noch nichts wusste (woraufhin er nachfragte und es sich als wahr herausstellte) - eine weitere große Studie hat auch ergeben, dass solche Erfahrungen sehr häufig vorkommen und 400 mal häufiger verifiziert wurden, als dies per Zufall hätte sein dürfen (http://www.latimes.com/news/opinion/la-oe-blum24sep24,0,7368754.story?%20>%20coll=la-opinion-rightrail) Was bleibt also hier übrig? Man könnte diese Erzählungen als Lüge oder Fantasie abtun, ohne ihnen nachzugehen. Nun, das ist nicht gerade sehr wissenschaftlich. Auch könnte man behaupten, dass es eine natürliche Erklärung geben muss, die man findet, wenn man lange genug sucht. Auch das ist nicht sehr wissenschaftlich, vertritt man damit doch ein Dogma. Es gibt also durchaus Hinweise auf mystisches, die Frage ist, ob sie stark genug sind um irgendjemand zu überzeugen. Zumindest aber kann man es nicht als totalen Humbug abtun, bevor man sich damit beschäftigt hat. Und selbst wenn man dies getan hat gibt es noch Kontroversen. Ein anderes Beispiel ist die sogenannte Reinkarnationsforschung. Interessante Fälle, die noch keiner glaubhaft widerlegen konnte - im Gegenteil aber auch noch keinen eindeutigen Beweis geliefert haben. Wie schon erwähnt, entweder man schenkt dem glauben (auch hier steht wohl der Vorwurf des Betruges als letzte Bastion für das konventionelle materialistische Weltbild), oder nicht. Genau deshalb bin ich Agnostiker. Ich sage klipp und klar, "ich kann diese Dinge nicht bewerten, da sie alle aus 2er Hand stammen und ich selbst mir somit niemals sicher sein kann".

Letztendlich läuft es also darauf hinaus, dass man solchen Geschichten entweder "glauben" schenkt, oder nicht. Interessanterweise liese sich das wunderbar in ein materialistisches Weltbild integrieren, da dieser über solche Dinge schlichtweg nichts aussagt, wenn man es genau nimmt. Ähnlich der Newtonschen' Mechanik und der Quantenphysik, welche diese ja nicht überflüssig machte, sondern nur erweiterte. In diesem Fall bin ich froh, Agnostiker zu sein, weil ich einfach nicht abschließend bewerten kann, was nun stimmt. Dazu kommt auch noch Folgendes. Sollte sich herausstellen, dass man solche Erfahrungen künstlich iniziieren kann, was hätte man damit gewonnen? Die Erfahrung wird ja damit nicht weniger real, nur weil sie mit dem Gehirn zusammenhängt. Im Gegenteil, man kann es sogar noch weniger als zuvor als reine subjektive Einbildung deklarieren.

Denn der Schluss, dass solche Erfahrungen nur Einbildung sind, hängt unabdingbar mit dem Axiom zusammen, dass das Gehirn den Geist produziert. Dies ist jedoch nicht mehr als genau das, eine Annahme, die weder bestätigt noch widerlegt wurde. Es gibt schlichtweg keinen Hinweis darauf, dass es so ist, denn alle bisherigen Experimente wurden entweder AUCH dualistisch ausgelegt (z.B. die von Libet)oder lassen sich zumindest auf andere Art und Weise interpretieren.

"Es gibt schlicht und einfach keinen Grund, Schläfenlappenepilepsien anders zu bewerten, als jede andere Form von Wahnsinn. Oder willst Du behaupten, dass in jedem Wahn eine höhere Wahrheit steckt?"

Da kommt es darauf an, was dieser Wahn für eine Auswirkung hat. Wenn ich durch eine Wahnvorstellung davon überzeugt werde, dass es Gott oder was auch immer gibt, dann hat das für mich ein ganz anderes Gehalt als eine einfache drogenbedibgte Einbildung - vor allem wenn die Auswirkungen weltweit gleich sind. Man muss dies dann nämlich zumindest erklären, was imho noch nicht gelungen ist.

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