Atheismus in der Schweiz
Diskussion

03.10.2006 09:35 - mrw

Hier sind Diskussionen zur Seite «Gott ist im Schläfenlappen» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 03.10.2006 09:35 schrieb mrw:

Beweislage

Nun, ich habe Ockham bemüht aus einem guten Grund. Sein Rassiermesser besagt, dass wenn zwei Theorien dasselbe beschreiben, die einfachere vorzuziehen ist. Diese Forderung sollte einleuchten, denn es macht durchaus Sinn, bei allen Fragen erst nach der einfachsten Erklärung zu suchen.

Ein Beispiel: Newton sagte, ein Apfel fällt stets zu Boden, weil er von der Erde angezogen wird. Masse übt auf andere Massen eine Anziehungskraft aus. Eine andere, ebenfalls mögliche Erklärung wäre, dass viele kleine Geister am Apfel ziehen, und ihn so zu Fall bringen. Es können genausoviele Geister an einem Körper ziehen, dass die Fallbeschleunigung auf der Erde genau g beträgt. Beide Theorien besagen genau dasselbe, nur ist die von Newton einfacher und daher vorzuziehen.

Deine Argumentation, Anonymous, kommt mir vor, wie in diesem Beispiel. Es gibt einfache, schlüssige und logische Erklärungen, trotzdem wendest Du ein, «könnten da nicht doch noch die kleinen Geister sein». Natürlich könnten sie, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich!

Ein zweiter wichtiger Aspekt, der gegen Deine Argumentation spricht, ist der Nikolauseffekt: Für alles was geglaubt werden muss, kann man jede beliebige Behauptung aufstellen. Aus diesem Grunde ist es die Pflicht desjenigen, der eine Behauptung aufstellt, diese zu beweisen. Dies gilt besonders für Behauptungen, die eben nicht der Forderung genügen, möglichst einfach die beobachtete Wirklichkeit zu erklären. Je absurder eine Theorie ist, desto mehr Beweise muss sie liefern. Die Forderung nach Glaube ist in jedem Fall falsch, und so vage Formuliereungen der Art, «Da könnte doch etwas sein», wie sie Agnostiker vorzubringen pflegen, sind nur dann etwas wert, wenn handfeste Grunde dafür vorliegen, also Tatsachen, die sich nicht einfach erklären lassen. Dies ist hier nicht der Fall, im Gegenteil. (Zur Nahtoderfahrung, siehe weiter unten.)

Als Einstein plötzlich behauptete, Newton hätte nicht ganz recht, so musste er für seine, auf den ersten Blick absurde Theorie, überzeugende Beweise vorlegen. Nur weil seine kompliziertere Theorie Dinge erklärt, die mit Newtons Theorie nicht zu erklären waren und weil seine Theorie allen Überprüfungen stand hielt, konnte er sich durchsetzen. Dies ist der richtige Weg. Dies ist auch der Grund, warum es wichtig ist, Ockham ernst zu nehmen.

Anonymous, ich finde die Diskussion mit Dir sehr anregend. Allerdings habe ich Mühe mit deinen vagen Andeutungen. Wenn die Aussage «Da könnte doch noch etwas sein» Ausgangspunkt ist, für neue Experimente, Forschungen und Erkenntnisse, dann bin ich sehr dafür, sie ernst zu nehmen. Wenn es allerdings die Behauptung nur leer für sich in den Raum gestellt wird, dann bin ich ebenso sehr dagegen und für die Rückkehr zur Vernunft.

Wahnvorstellungen

Ich schrieb:

Es gibt schlicht und einfach keinen Grund, Schläfenlappenepilepsien anders zu bewerten, als jede andere Form von Wahnsinn. Oder willst Du behaupten, dass in jedem Wahn eine höhere Wahrheit steckt?

Anonymous antwortete:

Da kommt es darauf an, was dieser Wahn für eine Auswirkung hat. Wenn ich durch eine Wahnvorstellung davon überzeugt werde, dass es Gott oder was auch immer gibt, dann hat das für mich ein ganz anderes Gehalt als eine einfache drogenbedibgte Einbildung - vor allem wenn die Auswirkungen weltweit gleich sind. Man muss dies dann nämlich zumindest erklären, was imho noch nicht gelungen ist.

Die Antwort darauf ist, wie ich bereits sagte:

«Religiöse Erfahrungen», Götter-, Geister- und Dämonenglaube hat sicher eine biologische Ursache: Die Angst vor dem Tod und dem Schicksal.

Und es stimmt einfach nicht, dass die Auswirkungen weltweit gleich seien! Die einen begründen einen Monotheismus, die anderen einen Polytheismus, andere einen Ahnenglauben, oder einen Geisterglauben. Die Auswirkungen sind total unterschiedlich, je nachdem in welchem Kulturkreis man sich befindet, auf welcher Entwicklungsstufe ein Volk ist, und mit welchen Ideen es konfrontiert wurde, sind die Resultate sehr unterschiedlich.

Ich sehe keinen klaren Unterschied zwischen säkularem un religiösem Wahn, zumal die Übergänge fliessend sind. Nicht wenige Drogenabhängige plappern im Rausch Bibelverse vor sich her und schmieren Bibel- und Weltuntergangsfantasien an die Wände. Oft genug zu beobachten an den einschlägigen Orten Zürichs. Auch oft beobachtet habe ich ein Einhergehen von Tablettensucht mit extremem religiösem Wahn.

Deine Aussage in diesem Punkt ist schlichtweg falsch.

«Libets Versuche lassen sich auf zwei Seiten interpretieren»

Ich nehme hier Deine Aussage auf, dass sich Libets Resultate auch dualistisch auffassen liessen. Kannst Du das an ein oder zwei Beispielen konkretisieren? Bei dem was ich über Libet gelesen habe, ist das nicht durchgedrungen. (War es zu wenig überzeugend?) → Aber diese Diskussion gehört eigentlich auf die Libet-Seite! Die Schläfenlappenepilepsie ist etwas ganz anderes, als Libets Versuche.

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