Atheismus in der Schweiz
Diskussion

20.11.2006 16:24 - mrw

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Diskussionsbeitrag:

Am 20.11.2006 16:24 schrieb mrw:

Zweite Antwort an Daniel

An Jehu und Daniel: Im Nachhinein kann ich den Vorwurf der Beschimpfung nachvollziehen. Dies war nicht meine Absicht und ich entschuldige mich hiermit dafür. Ich bin zwar für klare Worte, aber gegen persönliche Angriffe. Ich denke, ich hätte etwas überlegter formulieren sollen.

Daniel schrieb am 14.11.2006:

[…] Verbrechen [sind] NICHT die Schuld der Religionen, sondern derer, die sie auslegen

Siehe: «Das Christentum ist gut, nur seine Vertreter sind schlecht!»

Das gilt natürlich nicht nur für das Christentum, sondern auch für jede andere Religion, insbesondere den Islam.

Gleich vorweg: Ich persönlich glaube nicht an Gott.

Eine weise Entscheidung…

wenn jeder nach Gottes Willen Leben würde, würden Krieg und Leiden gar nicht erst entstehen.

Was ist denn «Gottes Wille» (besonders, wenn Du nicht an eine Gott glaubst)? Das Problem ist doch, dass «Gottes Wille» zufälligerweise immer genau das ist, was die Machthaber wollen. Wenn Bush im Irak einmarschieren will, so ist es «Gottes Wille», dass er einen modernen Kreuzzug führt.

Man soll sein Handeln nicht auf dem Willen eines fiktiven Gottes basieren, sondern auf der Vernunft und vernunftbasierten humanistischen Werten. Damit ist ein Krieg noch viel mehr ausgeschlossen, denn wenn uns die Geschichte eines lehrt, dann die Tatsache, dass jeder Krieg immer auf beiden Seiten Verlierer schafft.

Gott gab, nach christlicher Auffassung, dem Menschen die Welt zur freien Verfügung, sagte ihm aber gleichwohl, was er will, dass die Menschen mit sich und ihrem Planeten tun. Ist es dann also die Schuld Gottes, wenn der Mensch seine Gebote nicht beachtet? Wenn er gegen seinen Willen handelt?

Da Du ja nicht an diesen Gott glaubst, können wir uns doch das Thema sparen, oder?

Meine Punkte sind hier ist im Wesentlichen:

  • Wenn der Mensch von einem Gott geschaffen wurde, ist dieser Gott verantworlich im Sinne einer Produktehaftung:
    Der Mensch ist nur so gut, wie er geschaffen wurde. Wenn der Mensch nicht besser ist, ist er darum nicht besser, weil Gott nicht fähig war, den Menschen besser zu schaffen.
  • Wenn Gott allwissend ist, weiss er alle künftigen Handlungen jedes Menschen im Voraus. Wenn Gott die Menschen auch noch selbst geschaffen hat, dann hat er das Handeln aller Menschen im Moment der Schöpfung festgelegt (sonst wäre er nicht allwissend). Das heisst, freier Wille ist im christlichen Weltbild ein logischer Widerspruch.
Etwas vereinfacht gesagt sagst Du: «Man muss an Gott glauben, dass man an ihn glauben kann.» Das ist purer Unsinn!

Warum? Wenn sie Gott nicht brauchen, dann sehen sie auch nicht ein, warum sie das tun sollten, was in der Bibel steht.

Warum ausgerechnet die Bibel? Es gibt noch andere Religionen! Warum soll ein Mensch ausgerechnet an den biblischen Gott glauben müssen, den biblischen Gott zu finden? Warum soll er nicht an Buddha glauben, um zum Buddhismus zu finden, oder sonst irgendetwas? Es gibt so viele Religionen. Da ist es unsinnig zu sagen: «Du musst an Gott glauben, um ihn zu finden», denn von welchem Gott reden wir überhaupt, und warum darf es nicht lieber ein anderer sein?

Körper kaputt, Mensch tot.

Es geht nicht um den Tod selbst, sondern um das, was danach kommt.

Einverstanden. Die Frage war war von Dir etwas zu provokant formuliert. Es ist nicht so, dass die Wissenschaft den Tod an sich nicht erklären kann. Im Gegenteil, aus der Sicht der Evolution ist der Tod sogar ein ganz wichtiges und sinvolles Element: Ohne Tod gibt es keinen Fortschritt, keine Entwicklung.

Natürlich ist es so, dass der Tod im Einzelfall tragisch ist. Es ist auch so, dass der Tod für uns Menschen schwer fassbar ist, zumal sich die meisten wehren, ihn als absolutes Ende zu akzeptieren (und daher Religionen erfinden).

Den Trost den ich als Atheist anbieten kann: Ob es ein Leben nach dem Tod, eine Wiedergeburt, oder was auch immer gibt, wissen wir mit Sicherheit erst bei unserem Tod. Sein Leben darauf aufzubauen, dass es irgendwie weitergeht ist ein schlechter Ansatz. Vielmehr soll man aus dem Leben, welches man sicher hat das Beste machen. Andererseits hinterlässt jeder Mensch, der je die Erde betreten hat seine Spuren und die Erinnerung an ihn. In diesem Sinne lebt der Mensch und sein Werk über den Tod hinaus.

Thema Nahtoderfahrungen

Ja, das wurde auch schon diskutiert. Genaugenommen lässt sich aus Nahtoderfahrungen nichts ableiten. Wer eine Nahtoderfahrung gemacht hat, und zurückkehrt, der war zwar in einer körperlichen Extremsituation, aber dennoch nicht richtig tot. Die üblichen, bekannten Nahtoderfahrungen, wie Licht und Schweben ausserhalb des Körpers, lassen sich auf natürliche Weise erklären. Es gibt z.B. im Hirn ein Zentrum, welches bei Fehlfunktion den Zustand des ausserhalb des Körper stehens vortäuscht.

Antwort an Jehu

Natürlich ist es richtig, dass die Abkehr vom Glauben nicht unbedingt eine Zuwendung zur Vernunft mit sich bringt. Insofern wird es auch ohne Gott Kriege geben. Zu bedenken geben möchte ich, dass ich auch Nationalsozialismus und Kommunismus als Formen von Religion betrachte, ganz besonders wenn sie in einen gottähnlichen Personenkult ausarten. Leider fühlen sich viele Menschen sehr zur Irrationalität hingezogen, und suchen nur nach einem Grund, ihre niedersten Triebe ausleben zu lassen.

Andererseits wird es immer schwieriger, Gewaltexzesse zu begründen, wenn man sich nicht in irgendeiner Form auf ein göttliches Wesen berufen kann. Insofern hoffe ich durchaus, dass sich mit einer Abkehr von Fanatismus und Religion ein gewisser Pragmatismus ausbreitet und in der Folge etliche Konflikte einfacher gelöst werden können. Solange z.B. orthodoxe Juden ihre rücksichtslosen, unverschämten und räuberischen Ansprüche als göttliches Recht betrachten, wird es im nahen Osten nie Frieden geben. Nur eine Abkehr von Gott und vor allem vom exklusiven Anspruch auf Gott und Gottes Wille, kann hier den Frieden bringen. Auf beiden Seiten.

Das schöne am Gerechtigkeitsverständnis der Menschen ist, dass es sich gegen ungerechtfertigte Bereicherung und einseitige Begünstigung ausspricht. Dies geschieht unabhängig von Kultur und Religion und bedarf auch keines Gottes. Wichtig ist hier vor allem Transparenz: Nur wenn die Menschen wissen, welche Mauscheleien laufen, werden sie sich auch darüber aufregen. Warum wohl fürchten alle Diktatoren die freie Information? (Auch in dem Punkt ist eine gewisse «Weltmacht» auf dem direkten in die Diktatur.)

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