Atheismus in der Schweiz
Diskussion

08.08.2007 11:51 - mrw

Hier sind Diskussionen zur Seite «Filosofie und Ethik» gesammelt.

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Diskussionsbeitrag:

Am 08.08.2007 11:51 schrieb mrw:

Unser Rechtssystem und die 10 Gebote (Antwort an RS)

Siehe auch unter Argumente, populäre Irrtümer über das Christentum:

Nur jemand, der die zehn Gebote nicht kennt, kann behaupten, unser Rechtssystem würde darauf basieren. Von den zehn göttlichen Geboten haben es glücklicherweise die wenigsten in unsere Gesetzbücher geschafft, die meisten wurden und werden daraus wieder entfernt:

  • 1. «Du sollst keine andern Götter haben neben mir.» — Exodus 20.3
    Unsinn. Dieses Gebot ist dank Humanismus und Aufklärung zum Glück nicht mehr Bestandteil unserer Gesetze. Stattdessen üben wir eine unchristliche Toleranz gegenüber den verschiedenen Religionen. Im Gegenteil: laut Bundesverfassung geniessen wir Religionsfreiheit. Dies im krassen Gegensatz zum ersten (und damit wichtigsten) biblischen Gebot.
  • 2. «Du sollst dir kein Götterbild machen, auch keinerlei Abbild dessen, was oben im Himmel oder was unten auf der Erde oder was in den Wassern unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der dritten und vierten [Generation] von denen, die mich hassen, der aber Gnade erweist an Tausenden [von Generationen] von denen, die mich lieben und meine Gebote halten.» — Exodus 20.4-6
    Unsinn. Vor allem halten sich selbst die Christen nicht daran. Sie machen sich Götzen, sie machen sich Kreuze, Fische, Augendreiecke, Marien- und Heiligenstatuen als Götterbilder. Dies aber ist Deinem Götzen sein zweitwichtigstes Gebot. Da halten sich die Islamisten schon viel strikter an dieses Gebot, in dem sie nur Muster als Verzierungen malten, keine Ikonen, keine Gegenstände, keine Menschen und nach islamischer Auffassung sind selbst Fotos verboten — eben, weil man sich kein Bildnis machen darf. Den Christen und unserem Rechtssystem hingegen ist das zweite Gebot scheissegal.
  • 3. «Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu Nichtigem ausspricht.» — Exodus 20.7
    Unsinn. Ich kann zum Glück und dank Humanismus und Aufklärung den verdammten Scheisskerl Jahwe-Gott verfluchen und seinen unheiligen Namen aussprechen, soviel ich will. Das lässt unser Strafgesetzbuch kalt. Seit die Christen ihre Terrorherrschaft über Europa aufgeben mussten, wir niemand mehr dafür gesteinigt: «Und wer den Namen des HERRN lästert, muss getötet werden, die ganze Gemeinde muss ihn steinigen» — Levitikus 24.16
  • 4. «Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten und all deine Arbeit tun, aber der siebte Tag ist Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Du sollst [an ihm] keinerlei Arbeit tun, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und dein Vieh und der Fremde bei dir, der innerhalb deiner Tore [wohnt]. Denn in sechs Tagen hat der HERR den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was in ihnen ist, und er ruhte am siebten Tag; darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.» — Exodus 20.8-11
    Das und die Wocheneinteilung in sieben Tage sind die einzigen Anomalien, die noch übriggeblieben ist. Wohl vor allem deshalb, weil niemand wirklich gegen mittlerweile zwei arbeitsfreie Tage pro Siebentageperiode ist. Allerdings wird auch das Arbeitsverbot immer mehr aufgeweicht, und «Gott», respektive dem Kirchgang dient der Sonntag auch den meisten längst nicht mehr. Heute wird niemand mehr gesteinigt, der den Sabbat nicht «heilig hält». Das war aber zu Zeiten der zehn Gebote durchaus anders. Gott hatte verlangt, Menschen zu steinigen, weil sie am Sabbat arbeiteten: «15.32 Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas. 15.33 Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde. 15.34 Und sie legten ihn in Gewahrsam, denn es war nicht genau bestimmt, was mit ihm getan werden sollte. 15.35 Da sprach der Herr zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn ausserhalb des Lagers steinigen. 15.36 Da führte ihn die ganze Gemeinde vor das Lager hinaus, und sie steinigten ihn, dass er starb, so wie der Herr dem Mose geboten hatte.» — Numeri 15.32-36
  • 5. «Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt.» — Exodus 20.12
    Auch das erübrigt sich. Heute wird niemand mehr gesteinigt, weil er Vater und Mutter flucht. Bereits Jesus hatte sich darüber aufgeregt, dass bereits zu seiner Zeit Elternflucher nicht mehr hingerichtet wurden: «[Jesus] aber […] sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes […]? Denn Gott hat geboten und gesagt: […] Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben. Ihr aber sagt: Wenn jemand […] der braucht seinen Vater oder seine Mutter nicht zu ehren; und ihr habt so das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Heuchler! […]» — Matthäus 15.3-9 Siehe auch «Jesus war gegen die Todesstrafe»
  • 6. «Du sollst nicht töten.» — Exodus 20.13
    Dieses Gebot kennt jede Kultur und ist keine spezifisch biblische Errungenschaft! Nur sind die Christen sehr selektiv in der Frage, wen man nicht töten darf. Föten müssen leben, Abtreibungsärzte darf man töten?!? Ausserdem fordern Gott und Jesus in der Bibel immer wieder die Todesstrafe. Erst seit dem Zeitalter von Aufklärung und Humanismus wenden sich die Menschen gegen die Todesstrafe und gegen die Sklaverei. Beides wird aber von der Bibel legitimiert! Unsere Kultur hat sich somit definitiv von der Bibel abgewandt und der Menschlichkeit zugewandt.
  • 7. «Du sollst nicht ehebrechen.» — Exodus 20.14
    Auch das ist bei uns nicht mehr strafbar.
  • 8. «Du sollst nicht stehlen.» — Deuteronomium 20.15
    Das gilt in allen Kulturen und ist keine spezifisch biblische Errungenschaft.
  • 9. «Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen.» — Exodus 20.16
    Das gilt in allen Kulturen und ist keine spezifisch biblische Errungenschaft.
  • 10. «Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, weder sein Rind noch seinen Esel, noch irgend etwas, was deinem Nächsten [gehört].» — Exodus 20.17
    Auch das ist Unsinn und nicht Bestandteil unserer Strafgesetze. Begehren kann man alles, nur sich etwas unrechtmässig aneignen, das darf man nicht.

Du siehst also: Weder basiert unser Rechtssystem auf der Bibel (zum Glück), noch ist das biblische Rechtssystem von irgendwelchem Wert. Die Bibel ist ein von dummen und ungebildeten Menschen geschriebenes Stück Schundliteratur.

Der Mensch muss lernen nicht für sein Ego zu leben. Eigenliebe ist wichtig und richtig, nicht aber Eitelkeit und Narzismus. Echte Eigenliebe spiegelt sich in der Nächstenliebe wieder. Überlegt euch das mal und zwar richtig.

Das ist schon ganz nah an der Filosofie des Epikur. Diese Worte könnten eher aus dem Mund eines «heidnischen» griechischen Filosofen stammen, denn von einem Christen.

Die Geschichte hat gezeigt, dass die Christen ihre nächsten nur dann lieben, wenn sie selbst auch Christen sind. Gegenüber «Heiden» und «Ketzern» haben die Christen höchste Brutalität bewiesen, solange sie noch an der Macht waren.

Das Konzept des Glaubens

Was in Hebräer 11.1 steht ist Schrott. «Zuversicht auf das, was man hofft», so ein Quatsch. Das ist nichts! Hoffen kann man irgendetwas, und eine Zuversicht in irgendetwas ist wertlos. Glaube ist wertlos.

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