Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Glaube (fredric)

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Diskussionsbeitrag:

Am 29.07.2010 12:42 schrieb fredric:

Glaube wie ich ihn verstehe:

Jeder Mensch benötigt einen Glauben. Der persönliche Glaube vermittelt die Sinnhaftigkeit der eigenen Existens. Beim Gesellschaftstier Mensch wird dieser Sinn zu 90% über die eigene Nützlichkeit für die Gesellschaft definiert. Nützlichkeit: einen Platz in der Gesellschaft haben oder die Gesellschaft durch neue Erkenntnis weiterbringen.

Der Glaube ist das Bindeglied zwischen dem Übermenschlichem (Gesellschaft, Gott, absoluter Sinn, Welt, Naturgesetze, etc.) und persönlichen Leben / eigenem Handeln.

Somit braucht der Glaube - neben der Definition über das nicht-Verstehbare/nicht-Definierbare/Übergroße - auch etwas Greifbares.

Bei intelligenten Mensch ist dies primär der Glaube an die eigene Intelligenz, Bildung und sonstige Fähigkeiten, die ihn erfolgreich machen.

Einfache Menschen benötigen etwas Heiliges, das (auch wenn es selbst nicht erklärt wird) alles erklärt und das dadurch Greifbar wird, dass es 1. einfach ist, 2. durch Heiligkeit Festigkeit besitzt, 3. feste Regeln (die nicht verstanden werden müssen) vermittelt, die einen Platz in der Gesellschaft gewährleisten, und nebenbei 4. den höheren Sinn abdeckt.

Der Glaube der Wissenschaftler an die Wissenschaft unterscheidet sich grundsätzlich nicht von religiösem Glauben.

Intelligente, unreligiöse Menschen, denen z.B. sozial wichtige Fähigkeiten fehlen und gesellschaftlich keine Spuren hinterlassen, können sehr unglücklich sein.

Geld funktioniert übrigens auch nur über den Glauben: Man gibt nur deshalb etwas Wertvolles für Geld her, weil man an den beständigen Wert des Geldes glaubt - oft wird dieser Glaube durch den Glauben an Gold gestützt, das nutzlos im Keller der Zentralbank liegt. Bricht diese Glaube zusammen, explodiert die Inflation. (siehe auch: Pratchett:'Schöne Scheine' oder 3Sat-Doku:'Der Schein trügt')

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Re: Glaube (sara)


Am 29.07.2010 15:46 schrieb sara:

Der Glaube der Wissenschaftler an die Wissenschaft unterscheidet sich grundsätzlich nicht von religiösem Glauben.

Da muss ich wehement wiedersprechen, und werde bei weitem nicht die einzige sein.

Die Mechanismen, die jeweils im "Glauben" und in der "Wissenschaft" zur Entdeckung von "Wahrheiten" führen, die dann "geglaubt" (=als wahr angenommen) werden, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Im Glauben: Man erachtet Dinge als "wahr" weil sie entweder:

1) in einem Buche stehen (ohne dass man kritisch untersucht, wie dieses Buch eigentlich durch Menschen zustande kam und somit nicht uneingeschränkt als *Wahrheit* angenommen werden kann)

2) von einer Autorität vermittelt werden (Pastor, Eltern, Gemeinschaft..)

3) die Mehrheit so denkt, und man mit der Masse so gemütlich mitschwimmen kann, ohne den Hals ausstrecken zu müssen..

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Re: Glaube (mrw)


Am 29.07.2010 16:28 schrieb mrw:

Hier muss ich Dir wiedersprechen. Zuerst schliesse ich mich voll und ganz sara an: Re: Glaube (sara)

Am 29.07.2010 12:42 schrieb fredric:
Jeder Mensch benötigt einen Glauben.

Es gibt «Glaube» und «Glaube».

Zum einen bedeutet «Glaube» nichts weiter, als «vermuten»: «Ich glaube, es wird morgen regnen»

Zum anderen gibt es den religiösen Glauben, der eigentlich auch nicht mehr ist, als eine schlichte Vermutung, von den Betroffenen aber nicht so verstanden wird. Die Gläubigen betrachten ihren Glauben als absolute Gewissheit, was zwar völlig falsch ist, aber sie sind nicht mehr in der Lage, ihre Sichtweise zu objektivieren, ja sie können nicht mal erkennen, dass ihre Sichtweise nicht objektiv ist.

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