Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Glaube (sara)

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Diskussionsbeitrag:

Am 29.07.2010 15:46 schrieb sara:

Der Glaube der Wissenschaftler an die Wissenschaft unterscheidet sich grundsätzlich nicht von religiösem Glauben.

Da muss ich wehement wiedersprechen, und werde bei weitem nicht die einzige sein.

Die Mechanismen, die jeweils im "Glauben" und in der "Wissenschaft" zur Entdeckung von "Wahrheiten" führen, die dann "geglaubt" (=als wahr angenommen) werden, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Im Glauben: Man erachtet Dinge als "wahr" weil sie entweder:

1) in einem Buche stehen (ohne dass man kritisch untersucht, wie dieses Buch eigentlich durch Menschen zustande kam und somit nicht uneingeschränkt als *Wahrheit* angenommen werden kann)

2) von einer Autorität vermittelt werden (Pastor, Eltern, Gemeinschaft..)

3) die Mehrheit so denkt, und man mit der Masse so gemütlich mitschwimmen kann, ohne den Hals ausstrecken zu müssen..

In der Wissenschaft erachtet man Dinge nur als "momentan am wahrscheinlichsten der Wirklichkeit entsprechend" (solange keine besseren Erkenntnisse vorhanden sind), wenn genügend glaubwürdige Indizien dafür sprechen, gewonnen anhand von reproduzierbaren Experiementen oder passenden Modellen/Theorien. Es gibt den rigurösen "Peer Review Prozess", bei dem neuerstellte Behauptungen von anderen Experten in der Luft zerrissen werden, wenn sie nicht absolut standhaft sind. Dies ist ein sehr wirksamer und wertvoller "Autokorrektionsmechanismus", der die bestmögliche Annäherung der aktuellen Erkenntnisse an die Realität garantiert und der eben in der Religion völlig fehlt.

In der Religion hat das Dogma Vorherrschaft, ein rigides Festhalten an einer Lehre, die vor mehr als 2000 Jahren in einem Zeitalter höchsten Aberglaubens entstanden ist. Hinterfragen, Zweifeln und Anfechten (genau die Dinge, die die Wissenschaft vorantreiben) gelten als "Schwächen" oder gar "Sünden" und wenn man etwas nicht versteht, dann gilt es als Tugend, "blindes Vertrauen" zu haben und "einfach fest an Gott zu glauben" bis die Glaubenskrise vorüber ist, obwohl es keinerlei logische, vernünftige oder wissenschaftlich abgestützte Anhaltspunkte für eine solchen Gott gibt. Dieses Verhalten wäre in der Wissenschaft unvorstell- und untollerierbar, in der Medizin würden so Menschen sterben..

Man kann also den "Glauben an Gott" (an ein imaginäres mysthisches Wesen, für dessen Existenz es auch heute keinen einzigen wissenschaftlichen Anhaltspunkt gibt) keineswegs mit einem "Glauben an die Wissenschaft" vergleichen. Für einen Wissenschaftler (wie mich zum Beispiel) macht der Ausdruck "Glaube an die Wissenschaft" in sich selber gar nicht mal Sinn. Entweder ich betrachte eine Aussage (z.B. "Die Erde dreht sich um die Sonne") als "höchstwahrscheinlich wahr", weil es dafür im Moment genügend wissenschaftliche Hinweise gibt (bleibe aber einer Aenderung dieser Ansicht gegenüber offen, falls neue Erkenntnisse auftauchen), oder aber ich zweifle eine Aussage (z.B. "Gott existiert") einfach an, genau wegen eines Mangels dieser Hinweise. Die Wissenschaft selber als "wahr" zu betrachten oder "blind an sie zu glauben" macht in dem Sinn gar keinen Sinn. Man kann vielleicht höchstens sagen, dass die Wissenschaft definitif der effizienteste und ehrlichste Mechanismus ist, Erkenntnisse zu erlangen, die uns einer ultimativen Wahrheit näher zu bringen, falls es eine solche überhaupt gibt… ;-)

Liebe Grüsse, Sara

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Glaube (datura)


Am 31.07.2010 09:52 schrieb datura:

Man kann also den "Glauben an Gott" (an ein imaginäres mysthisches Wesen…) keineswegs mit einem "Glauben an die Wissenschaft" vergleichen.

Den "Glauben an eine wissenschaftliche Aussage" und den "Glauben an Gott" kann man sehrwohl mit einander vergleichen. Genau so kann ich Dich mit einer Zitrone vergleichen, und Gemeinsamkeiten feststellen, aber auch unterschiede feststellen. In einer Speichelprobe kann ich möglicherweise feststellen, dass Dein Speichel, genau wie der Saft einer Zitrone sauer ist. Ebenso kann ich Dich auf eine Waage stellen, und eine Zitrone darauf legen, und feststellen, dass Deine Masse größer ist, als die der Zitrone.

Für einen Wissenschaftler (wie mich zum Beispiel) macht der Ausdruck "Glaube an die Wissenschaft" in sich selber gar nicht mal Sinn. Entweder ich betrachte eine Aussage als "höchstwahrscheinlich wahr", weil es dafür im Moment genügend wissenschaftliche Hinweise gibt, oder aber ich zweifle eine Aussage (z.B. "Gott existiert") einfach an, genau wegen eines Mangels dieser Hinweise.

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