Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Glaube (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 29.07.2010 16:28 schrieb mrw:

Hier muss ich Dir wiedersprechen. Zuerst schliesse ich mich voll und ganz sara an: Re: Glaube (sara)

Am 29.07.2010 12:42 schrieb fredric:
Jeder Mensch benötigt einen Glauben.

Es gibt «Glaube» und «Glaube».

Zum einen bedeutet «Glaube» nichts weiter, als «vermuten»: «Ich glaube, es wird morgen regnen»

Zum anderen gibt es den religiösen Glauben, der eigentlich auch nicht mehr ist, als eine schlichte Vermutung, von den Betroffenen aber nicht so verstanden wird. Die Gläubigen betrachten ihren Glauben als absolute Gewissheit, was zwar völlig falsch ist, aber sie sind nicht mehr in der Lage, ihre Sichtweise zu objektivieren, ja sie können nicht mal erkennen, dass ihre Sichtweise nicht objektiv ist.

Und dann gibt es noch den «vernünftigen» Glauben, der kein eigentlicher Glaube ist, sondern vielmehr eine Einschätzung auf Basis von Erfahrungen: «Ich glaube an Dich.» oder «Ich glaube an die Kraft der Vernunft.» Mehr eine Vermutung, oder vielmehr eine Überzeugung, aber eine durchaus realistische: «Ich bin überzeugt, dass ich mich auf Dich verlassen kann.» oder «Ich bin überzeugt, dass die Vernunft siegen wird.»

Wissenschaft ist etwas ganz anderes: Es ist die ergebnisoffene Untersuchung der Welt mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Niemals soll ein wissenschaftliches Resultat unbesehen geglaubt werden. Jeder hat die Möglichkeit, jedes Resultat nach eingehendem Fachstudium zu überprüfen und allenfalls sogar zu widerlegen.

Wenn der Mensch überhaupt irgendwie zu Wissen gelangen kann, dann durch die Wissenschaft.

Der persönliche Glaube vermittelt die Sinnhaftigkeit der eigenen Existens.

Ist nicht die Vorstellung, das Leben müsse einen über sich hinausgehenden Sinn haben, der erste und grösste Irrtum?

Das Leben an sich ist eine wunderbare Sache. Warum braucht es mehr Sinn?

Beim Gesellschaftstier Mensch wird dieser Sinn zu 90% über die eigene Nützlichkeit für die Gesellschaft definiert. Nützlichkeit: einen Platz in der Gesellschaft haben oder die Gesellschaft durch neue Erkenntnis weiterbringen.

Ja, der Mensch gibt seinem Leben durch seine Lebensgestaltung selbst einen Sinn.

Der Glaube ist das Bindeglied zwischen dem Übermenschlichem (Gesellschaft, Gott, absoluter Sinn, Welt, Naturgesetze, etc.) und persönlichen Leben / eigenem Handeln.

Das «glaube» ich nicht. :-)

Der Mensch ist Teil der Natur, Glaube hin oder her. Er kann die Naturgesetze zu Kenntnis nehmen, er kann sie nutzen, aber er kann sie nicht ändern. Das «Übermenschliche» sind für mich einfach die Randbedingungen meines Lebens.

Somit braucht der Glaube - neben der Definition über das nicht-Verstehbare/nicht-Definierbare/Übergroße - auch etwas Greifbares.

Es gibt erstens viel mehr «Verstehbares», als die Religionen zugestehen wollen. Es gibt aber auch «Unverstehbares», für mich beispielsweise die Frage: «Warum existiert etwas?» Nur im Gegensatz zu den Gläubigen kann ich damit leben, dass diese Frage (zumindest zu meinen Lebzeiten) unbeantwortet bleibt.

Eigentlich muss ich auch mich damit abfinden können, denn selbst vermeintliche Antworten, wie sie die Gläubigen geben, sind total unbefrfiedigend. Die simple Antwort: «Ein Gott hat das gemacht», erklärt noch lange nicht, warum ein Gott existieren sollte. Aber genau diese Frage wird dann von den Gläubigen wegdiskutiert.

Bei intelligenten Mensch ist dies primär der Glaube an die eigene Intelligenz, Bildung und sonstige Fähigkeiten, die ihn erfolgreich machen.

Kein Glaube, Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten basierend auf der eigenen Erfahrung. Das ist nichts zum anbeten.

Einfache Menschen benötigen etwas Heiliges,

Ist dieses Bedürftnis nicht eher anerzogen?

Der Glaube der Wissenschaftler an die Wissenschaft unterscheidet sich grundsätzlich nicht von religiösem Glauben.

Wie gesagt, ich schliesse mich dem Widerspruch von sara an: Re: Glaube (sara)

Intelligente, unreligiöse Menschen, denen z.B. sozial wichtige Fähigkeiten fehlen und gesellschaftlich keine Spuren hinterlassen, können sehr unglücklich sein.

Jeder hinterlässt Spuren, mehr oder weniger tiefe zwar, aber Spuren hinterlässt jeder. Es ist unwahrscheinlich, dass intelligente Menschen keine Spuren hinterlassen. Das Unglücklich-Sein ist dann wohl eher Resultat einer Fehleinschätzung. :-)

Geld funktioniert übrigens auch nur über den Glauben: Man gibt nur deshalb etwas Wertvolles für Geld her, weil man an den beständigen Wert des Geldes glaubt

Kein «Glaube».

Auch das ist eine Einschätzung im Vertrauen auf eine Realität und eigene Erfahrung. Ein Inflation kann da zu anderen Erfahrungen führen, die zu einer anderen Schlussfolgerung führen, z.B. dem Horten von Gold.

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Re: Glaube (datura)


Am 29.07.2010 21:30 schrieb datura:

Am 29.07.2010 16:28 schrieb mrw:
Hier muss ich Dir wiedersprechen. Zuerst schliesse ich mich voll und ganz sara an: Re: Glaube (sara)
Am 29.07.2010 12:42 schrieb fredric:
Jeder Mensch benötigt einen Glauben.

Es gibt «Glaube» und «Glaube».
Zum einen bedeutet «Glaube» nichts weiter, als «vermuten»: «Ich glaube, es wird morgen regnen»

Hierin sind wir einer Meinung. Glaube heißt vermuten.

Zum anderen gibt es den religiösen Glauben, der eigentlich auch nicht mehr ist, als eine schlichte Vermutung, von den Betroffenen aber nicht so verstanden wird.
Und dann gibt es noch den «vernünftigen» Glauben, der kein eigentlicher Glaube ist, sondern vielmehr eine Einschätzung auf Basis von Erfahrungen: «Ich glaube an Dich.» oder «Ich glaube an die Kraft der Vernunft.» Mehr eine Vermutung, oder vielmehr eine Überzeugung, aber eine durchaus realistische: «Ich bin überzeugt, dass ich mich auf Dich verlassen kann.» oder «Ich bin überzeugt, dass die Vernunft siegen wird.»

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ReRe: Glaube (fredric)


Am 29.07.2010 23:23 schrieb fredric:

Alles zum großen Teil richtig, aber an dem Punkt vorbei, der für mich interessant ist. Mir geht es nicht um Religion, Beten, Gott, Demut etc. Ich rede vom rein persönlichen Glauben - welche Wirkung er im innersten des Menschen hat.

Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten basierend auf der eigenen Erfahrung.

… trifft es am ehesten. Vertrauen ist ein zentraler Aspekt des persönlichen Glaubens. … der persönliche Glaube, der einem das Gefühl von Rückhalt gibt.

Wissenschaft

Das Wissen der Menschheit ist so groß, das ein Wissenschaftler froh sein kann, die wichtigsten Werke aus seinem Fachgebiet zu kennen. Dennoch ist er davon überzeugt, dass all dieses Wissen in der gesamten Breite da und so weit wie möglich richtig ist. Er glaubt an das System Wissenschaft (Logik, Nachprüfbarkeit etc.). Auch ist für viele Wissenschaftler der Glauben wichtig, dass eines Tages die Wissenschaft alles erklären kann - Stichwort Weltformel. Es sind noch lange nicht alle Naturgesetze gefunden aber es ist für die meisten Wissenschaftler eine Grundvoraussetzung, dass es sie gibt. Und zwar logische Gesetze: Was sagt Einstein über die Quantentheorie?: "Gott würfelt nicht." Ok, hier kommt Gott vor aber es geht auch klar hervor, dass Einstein an eine logische Welt glaubte. (Ob diese logischen Naturgesetzen für ihn oder sonst wen von Gott kommen, gehört in eine andere Diskussion).

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